Mit Kartoffeln, Paprika und Tomaten gegen Parkinson.

Rubrik: Studien kurz und knapp

Mit Kartoffeln, Paprika und Tomaten gegen Parkinson

Schutz durch Nikotin aus Nachtschattengewächsen? Kausalität zwischen Nikotin und Neuroprotektion bleibt in aktueller Studie jedoch ungeklärt.

Nicht nur die Tabakpflanze enthält reichlich Nikotin, sondern auch Nachtschattengewächse wie Tomaten, Paprika und Kartoffeln. Frühere experimentelle Studien zeigten, dass schon kleine Mengen an Nikotin sich protektiv auf Hirnzellen auswirken, die für die Produktion des Botenstoffs Dopamin verantwortlich sind. Bei der Parkinson-Krankheit werden diese Zellen systematisch zerstört. Der Dopaminmangel führt unter anderem zu den für Parkinson so charakteristischen motorischen Störungen.

US-amerikanische Wissenschaftler wollten nun im Rahmen einer bevölkerungsbezogenen Studie ergründen, ob auch der regelmäßige Konsum nikotinhaltiger Gemüse vor der Entwicklung einer Parkinson-Krankheit schützen kann.

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Mittels Fragebögen wurden Daten zum Ernährungsverhalten, im Speziellen zum Konsum von Nachtschattengewächsen wie Paprika, Kartoffeln, Tomaten oder Tomatensaft, sowie Tabak- und Koffeinkonsum bei 490 Probanden mit kürzlich diagnostizierter idiopathischer Parkinson-Krankheit sowie 644 gesunden Teilnehmern, die die Kontrollgruppe bildeten, erhoben. Die Forscher betrachteten in ihrer Auswertung vorrangig das Verhältnis zwischen Tabakkonsum und dem Verzehr nikotinhaltiger Gemüsearten. Dabei beobachteten sie, dass Probanden, die zum einen mindestens vier Mal in der Woche Paprika aßen und zum anderen nie geraucht hatten oder aber seit mindestens zehn Jahren rauchfrei lebten, ein um über 30 Prozent vermindertes Risiko aufwiesen, an Parkinson zu erkranken. Dieser Effekt war etwa bei Rauchern, die ebensoviel des nikotinhaltigen Gemüses hatten, nur verschwindend gering. Von den Nachtschattengewächsen war es insbesondere die Paprika, bei der die Risikoreduktion besonders hoch war.

Einschätzung:

Der regelmäßige Verzehr insbesondere von roter, grüner oder gelber Paprika, so die Aussage der vorliegenden Studie, kann das Risiko einer Parkinson-Erkrankung um ein Drittel senken. Allerdings warnen die Wissenschaftler vor übereiligen Schlussfolgerungen. Andere besonders in der Paprika enthaltenen Inhaltsstoffe wie das entzündungshemmende Alkaloid Anatabin könnten ebenso für den schützenden Effekt der Hirnzellen verantwortlich sein. Zudem basiert die Analyse auf im Rahmen einer retrospektiven Erhebung erhaltenen subjektiven Daten. Eine detaillierte Erhebung des Ernährungsverhaltens in verschiedenen Lebensphasen hätte mitunter zu präziseren Erkenntnissen hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen dem Verzehr nikotinhaltiger Gemüse und dem Rauchverhalten geführt. Diese und weitere ungeklärte Fragen dieser doch sehr hypothetisch verbleibenden Studie sollten in weiteren epidemiologischen Untersuchungen beleuchtet werden.

Literatur

Searles Nielsen S, Franklin GM, Longstreth WT, Swanson PD, Checkoway H. Nicotine from edible Solanaceae and risk of Parkinson disease. Ann Neurol 2013 (Epub. ahead of print); DOI: 10.1002/ana.23884 Opens external link in new windowAbstract


Dieser Artikel erschien in der Kategorie: Rubrik: Studien kurz und knapp

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