Misteltherapie in der Krebsbehandlung

Rubrik: Studien kurz und knapp

Misteltherapie in der Krebsbehandlung

In zwei aktuellen Studien erwiesen sich die untersuchten Mistelextrakte bei Krebspatienten als gut verträglich.

Subkutan oder intravenös verabreichte Mistelextrakt-Präparate (Misteltherapie in der Krebsbehandlung) im Rahmen der häuslichen oder stationären Krebstherapie erzielten in der Vergangenheit bereits vielversprechende Ergebnisse in der Immunstabilisierung von Krebspatienten und können grundsätzlich zu einer Verbesserung der Lebensqualität und Linderung der krebs- oder therapiebedingten Symptome beitragen. Dosisabhängig können jedoch Nebenwirkungen wie Fieber, Entzündungsreaktionen an der Einstichstelle und erhöhte Müdigkeit auftreten. Neue Erkenntnisse zur Verträglichkeit von Mistelextrakten liefern zwei Studien unter Berücksichtigung unterschiedlicher Therapiebedingungen.

Die Mistel in der Tumortherapie

Die Mistel in der Tumortherapie 4

35 wissenschaftliche Beiträge des sechsten Mistelsymposiums.
Der Einsatz der Mistel ist in den modernen multimodalen Therapieansätzen der integrativen Onkologie heute gängige Praxis. Verfolgt man dazu die wissenschaftlichen Publikationen der letzten Jahre, fällt eine arbeitsame, um Objektivität bemühte Normalität auf.

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Die erste vorgestellte Studie [1] wurde mit insgesamt 95 Brustkrebspatientinnen an einem Krebsforschungszentrum in Belgrad durchgeführt. Nachdem die Studienteilnehmerinnen nach dem Zufallsprinzip drei Gruppen zugeteilt worden waren, erhielten sie parallel zu der in sechs Zyklen verlaufenden, im Schnitt über einen Zeitraum von 18 Monaten durchgeführten chemotherapeutischen Behandlung entweder subkutane Injektionen eines der beiden verwendeten Mistelextrakt-Präparate (Wirtsbäume: Apfelbaum, Kiefer) oder aber keine adjuvante Therapie. Als Hauptzielparameter wurden die klinischen Ansprechraten bezüglich des Auftretens und der Intensität einer Neutropenie (Mangel an weißen Blutkörperchen) und Fieber sowie die Lebensqualität, Überlebenszeit der Patientinnen sowie Veränderungen hinsichtlich Metastasierung oder Rezidiv während des Behandlungszeitraums und der fünfjährigen Nachbeobachtung definiert. Die Mistelextraktlösung wurde von den im Vorfeld instruierten Teilnehmerinnen in beiden Gruppen drei Mal wöchentlich in einer Dosis von 1 ml subkutan in die obere Bauchregion injiziert. Die Einnahme von Akutmedikamenten wie z.B. Antiemetika war gestattet, weitere antineoplastische oder immunmodulierende Therapien kamen jedoch nicht zur Anwendung. Länger anhaltende Fieberperioden waren in keiner der beiden Misteltherapiegruppen zu beobachten. Bei einer Patientin in der Kontrollgruppe wurde einmalig eine Höchsttemperatur von 39,7° Celsius gemessen, bei einer weiteren trat eine durch Neutropenie verursachte Körpertemperaturerhöhung von 38,7° Celsius auf. In einer der Misteltherapiegruppen ergab die Temperaturmessung bei einer Teilnehmerin eine Höchsttemperatur von 38,6° Celsius. Hinsichtlich lebensqualitätspezifischer Parameter wie beispielsweise Schmerz, Appetitverlust oder Erfüllung der Rollenfunktion konnten in den Misteltherapiegruppen im Vergleich mit der Kontrollgruppe statistisch signifikante Werte erzielt werden. Die Analyse der Rezidiv- bzw. Metastasierungsraten ergab jedoch keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen Therapie- und Kontrollgruppe(n); die mittlere Überlebensrate konnte aufgrund der niedrigen Wahrscheinlichkeiten eines Rezidivs/einer Metastasierung innerhalb der fünfjährigen Nachbeobachtungszeit nicht erhoben werden.

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In der zweiten Studie untersuchten Wissenschaftler der Freiburger Universitätsklinik die Verträglichkeit intravenöser Mistelinfusionen eines Kiefernmistelpräparats in hochdosierter Anwendung. [2] Im Rahmen der prospektiv durchgeführten Dosis-Eskalationsstudie erhielten insgesamt 21 fünf vordefinierten Dosierungsgruppen zugeteilte Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung intravenöse Infusionslösungen des verwendeten Mistelpräparats in Dosierungen zwischen 200 mg und maximal 2000 mg pro Anwendung. Im Rahmen des auch als "3 + 3-Design" bezeichneten Studienkonzepts erhielten zunächst drei Patienten in der ersten Kohorte die niedrige Startdosis des Präparats. Sofern bei diesen keine dosislimitierende Toxizität (z.B. allergische Reaktionen oder Fieber) zu beobachten war, wurden weitere Kohorten zu je drei Patienten mit den Mistelinfusionen der nächsten Dosierungsstufen behandelt. In die Studie eingeschlossen wurden lediglich Patienten, die zum Zeitpunkt der Studie keine Chemo- oder Strahlentherapie erhielten. Die Infusionen wurden einmal wöchentlich über einen Zeitraum von vorerst drei Wochen verabreicht. Nachdem die Maximaldosierung in den vorherigen Kohorten erreicht wurde, erhielten drei weitere Patienten neun Wochen lang Mistelinfusionen in dieser Dosierung. Lediglich ein Patient in der Höchstdosisgruppe litt unter dosislimitierenden Toxizitätserscheinungen in Form einer allergischen Reaktion mit Anthistaminikabedarf. Insgesamt kam es zu mehreren unerwünschten Ereignissen verschiedenster Ausprägung, die aber nicht auf die Mistelbehandlung zurückzuführen waren. Bei zwei Patienten war eine Senkung der Tumormarker und eine Stabilisierung des Erkrankungsverlaufs zu beobachten.

Einschätzung:

Sowohl in der subkutanen als auch intravenösen Anwendung erwiesen sich die verwendeten Mistelextrakte als nebenwirkungsarme Behandlungsoptionen zur Verbesserung der Lebensqualität von Krebspatienten, ohne mit parallel eingesetzten antineoplastischen Therapien zu interagieren. Selbst in hochdosierter Form verursachten Mistelinfusionen keine oder nur leichte unerwünschte Reaktionen. Einschränkend muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass die Wahrscheinlichkeit, unter dem Einsatz von Maximaldosierungen eines Mistelextrakts allergische Reaktionen oder Fieber zu entwickeln, stark erhöht ist. Auch aufgrund der niedrigen Patientenzahl kann keine pauschalisierende Aussage zur Verträglichkeit des verwendeten Mistelextrakts in hochdosierter Form geleistet werden. Beide Studien wurden von dem Hersteller des Kiefernmistelpräparats finanziell unterstützt, was die Frage nach einer potenziellen Beeinflussung der Studienergebnisse aufwirft. Laut Aussagen der Wissenschaftler traf dies allerdings nicht zu. Beide Studien bilden jedoch eine gute Grundlage für weitere Untersuchungen, die ggfs. unter Einbeziehung einer Placebokontrolle auch die Effekte einer Misteltherapie auf den Verlauf des Tumorgeschehens an sich berücksichtigen sollten.

Literatur

1) Pelzer F, Tröger W. Complementary treatment with mistletoe extracts during chemotherapy: safety, neutropenia, fever, and quality of life assessed in a randomized study. J Altern Complement Med 2018; 24(9/10): 954-961 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

2) Huber R, Schlodder D, Effertz C, Rieger S, Tröger W. Safety of intravenously applied mistletoe extract – results from a phase I dose escalation study in patients with advanced cancer. BMC Complement Altern Med 2017; 17: 465 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract


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