Studien kurz und knapp

Kurzes Atemtraining für längeren Atem bei Asthma

Tägliche 10-minütige Atemübungen verbessern die Atmung von Asthmatikern und senken die Verwendung von Notfallmedikationen.

Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge leiden etwa 330 Millionen Menschen weltweit an der chronischen Atemwegserkrankung Asthma bronchiale, die somit eine der häufigsten Krankheiten darstellt. Obwohl sich krankheitsspezifische Symptome wie z.B. die typische anfallsartige Atemnot sowie Hustenanfälle mittlerweile gut mit entzündungshemmenden und bronchienerweiternden Medikamenten behandeln lassen, greifen zunehmend mehr Asthma-Patienten auf Methoden der Komplementärmedizin zurück. Die Tatsache, dass mittlerweile insbesondere Atemübungen eine wichtige Rolle in den gängigen Leitlinien und auch in den Empfehlungen von Asthma-Organisationen spielen, ist naheliegend. Da Atemübungen von Asthma-Patienten unkompliziert in Eigenregie zu Hause durchgeführt werden können, stellt dieser Ansatz eine ideale, begleitende Maßnahme im Selbstmanagement der Asthmaerkrankung dar.  
Der primäre Wirkmechanismus von Atemübungen bei Asthma ist nicht vollends geklärt. Man vermutet jedoch, dass sie dazu beitragen, die Häufigkeit des Auftretens krankheitsspezifischer Symptome wie Hyperventilation sowie Hypokapnie (erniedrigter Kohlendixoid-Gehalt im Blut) zu reduzieren. Beide Symptome können zu Bronchokonstriktion führen, einer Verengung der Bronchien durch Zusammenziehen der glatten Bronchialmuskulatur, welche eine spezifische Erscheinung im Rahmen der Asthma-Symptomatik darstellt. Die Evidenz der Anwendung von Atemübungen bei Asthma-Patienten stellt sich jedoch aufgrund der Heterogenität der Studien hinsichtlich differierender Therapiespezifika  sowie fast durchgehend eher mäßiger Qualität auf methodischer Ebene bisher als eher unbefriedigend dar. Auch sind oftmals die untersuchten Atemtherapiekonzepte sehr komplex und zeitaufwendig – eine Herausforderung für die betroffenen Patienten hinsichtlich der Therapietreue (Compliance).

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Aus diesem Grund konzipierten Wissenschaftler ein einfaches Atemtraining, das ohne hohen Zeitaufwand in der alltäglichen Routine durchgeführt werden kann. Die einzelnen Module des Trainingsmodells bestehen aus Atemübungen wie Viloma Pranayama, einer im Yoga verwendeten Wechselatmungstechnik, Übungen mit der Konzentration auf die Zwerchfellatmung sowie Atemübungen mit Lippenbremse (Ausatmung gegen geschlossene Lippen).
Im Rahmen ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler nun die Effizienz, Akzeptanz, Alltagstauglichkeit sowie Komplexität der Durchführung dieses Atemtrainings bei 74 Patienten im Alter zwischen 18 und 65 mit persistierendem Asthma bronchiale. [1] Die Studienteilnehmer, überwiegend Frauen, wurden zu Studienbeginn in der Ausübung der drei Atemübungen geschult. Außerdem wurde ihnen zwecks Veranschaulichung eine Broschüre mitgegeben, mit der sie die Übungen eigenständig zu Hause durchführen konnten. Über einen Monat sollten die Patienten das vorgegebene Atemtraining zwei Mal täglich mit jeweils fünf Wiederholungen der einzelnen Atemübungen absolvieren. Während der Therapiephase behielten die Teilnehmer die Einnahme ihrer Asthmamedikation bei.

Zur Auswertung standen letztendlich die Daten von 68 Patienten zur Verfügung. Die Mehrheit (64 Prozent) der Teilnehmer, so die Erkenntnis der Wissenschaftler, führte das Atemtraining drei oder mehr Mal pro Woche durch. Gut 80 Prozent gaben an, für die Übungen weniger als zehn Minuten pro Tag aufgewendet zu haben, was in der unkomplizierten Anwendbarkeit des Trainings begründet liegen dürfte. So bewerteten die Teilnehmer die einzelnen Übungskomponenten hinsichtlich der Komplexität mithilfe einer Skala von 1 (sehr einfach) bis 5 (sehr schwierig) zu 42,6 Prozent für das Viloma Pranayama, 45,5 Prozent für die Zwerchfellatmung sowie 54,5 Prozent für die Atemübungen mit Lippenbremse als sehr einfach in der Durchführung. Hinsichtlich der subjektiven Besserung ihrer asthmaspezifischen Beschwerden äußerten die Patienten, dass es ihnen nach der einmonatigen Interventionsphase leichter fiele, tiefe Atemzüge zu nehmen und sich ihre Lungenkapazität sowie der Luftfluss beim Atmen verbessert habe. Mit der Verbesserung der Atmung gingen auch positive Veränderungen hinsichtlich der Lebensqualität wie ein erhöhtes Entspannungsempfinden und Gelassenheit sowie eine Erleichterung in der Durchführung von Alltagsaktivitäten einher (67,6 Prozent). 66,1 Prozent der Teilnehmer berichteten von einem verminderten Gebrauch ihrer Notfall-Inhalatoren während der Therapiephase.Im Vergleich mit den Daten zu Studienbeginn resultierten die Testergebnisse mittels ACT-Score (Asthma Control Test) in einer signifikanten Verbesserung der abgefragten Symptome. Dies entsprach einer Verbesserung um einen Mittelwert von 2,3 Punkten auf der Werteskala (von 1 bis 5), während die mittels AQLQ-Score (Asthma Quality of Life Questionnaire) erhobene asthma-assoziierte Einschränkung der Lebensqualität bei gleicher Anwendungshäufigkeit lediglich leicht, aber nicht signifikant gesteigert werden konnte.

Einschätzung:

Das von den Wissenschaftlern anvisierte Ziel einer besseren Akzeptanz eines vereinfachten Atemtrainings bei den Studienteilnehmern und damit auch einer erhöhten Compliance konnte in dieser Studie erreicht werden. Damit hätte die eigens für diese Studie konzipierte Übungsmethode das Potenzial einer erfolgreichen und einfach in den Alltag zu integrierenden Selbstmanagement-Maßnahme für Asthma-Patienten, zumal bei regelmäßiger Durchführung auch mit einer deutlichen Besserung der Symptome zu rechnen ist.
In vergangenen Studien zu Atemtechniken in der Anwendung bei Asthma dominiert die sog. Buteyko-Technik, die in der praktischen Durchführung pro Übungseinheit 40 Minuten dauern kann. [2] In bisherigen Studien wurden die Patienten-Compliance und Akzeptanz der einzelnen Techniken beim Patienten jedoch nur sporadisch betrachtet. Um die Vorteile des Übungskonzepts der vorliegenden Studie gegenüber anderen Atemtechniken zu analysieren, wäre für zukünftige Studien wünschenswert, diese im Vergleich mit einer Kontrollgruppe, die andere Atemtechniken wie beispielsweise die Buteyko-Atemübungen durchführt, hinsichtlich Compliance und Effizienz über einen längeren Zeitraum zu vergleichen.  Zudem wäre die Integration einer objektiven Messmethode wie beispielsweise der Spirometrie eine zusätzliche Maßnahme zur Präzisierung der Effekte des hier vorgestellten vereinfachten Atemtrainings.

Literatur

1) Karam M, Kaur BP, Baptist AP. A modified breathing exercise program for asthma is easy to perform and effective. J Asthma 2017; 54(2): 217-222 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

2) Bruton A, Lewith GT. The Buteyko breathing technique for asthma: a review. Complement Ther Med 2005; 13(1): 41-46 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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