Carstens-Stiftung: Hypertonie: Wann sind Blutdrucksenker sinnvoll?

Rubrik: Studien kurz und knapp

Hypertonie: Wann sind Blutdrucksenker sinnvoll?

Die Frage, wann eine Blutdrucksenkung mittels Medikamenten angestrebt werden sollte, ist nicht leicht zu beantworten. Tatsächlich scheiden sich bereits einen Schritt zuvor schon die Geister: Ab wann ist der Blutdruck überhaupt zu hoch?

Während die amerikanischen Kardiologenvereinigungen AHA und ACC vor knapp zwei Jahren den Grenzwert auf 130/80 mmHg senkten, gilt in der europäischen Leitlinie der Blutdruck nach wie vor erst ab einem Wert von 140/90 mmHg als hoch. (1)

Die amerikanische Leitlinie sieht entsprechend bei allen Betroffenen mit einem Blutdruck von mehr als 140/90 mmHg bereits eine medikamentöse Behandlung vor, unabhängig vom kardiovaskulären Risiko. Die europäische Leitlinie empfiehlt dies hingegen nur, wenn auch ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko bei diesen Patienten besteht. Ansonsten solle zunächst versucht werden, den Blutdruck durch eine Änderung des Lebensstils zu senken. (2)

Für Patienten mit einer leichten Hypertonie ohne weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren bestehen somit zwei unterschiedliche Empfehlungen. Zur Entscheidung für oder wider eine blutdrucksende Arzneimitteltherapie liefert nun eine neue Studie aus Großbritannien weitere Hinweise.

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Für diese Studie (3) wurden Informationen von Patienten mit leichter Hypertonie (drei aufeinander folgende Blutdruckwerte von 140-159/90-99 mmHg innerhalb von 12 Monaten) über den Zeitraum vom 1.1.1998 bis zum 30.9.2015 aus einer Datenbank mit anonymisierten Patientenakten extrahiert. Patienten mit vorheriger oder bestehender kardiovaskulärer Erkrankung sowie kardiovaskulären Risikofaktoren wurden dabei ausgeschlossen. Insgesamt konnten so die Datensätze von 38.286 Patienten, etwas mehr als die Hälfte davon Frauen, Durchschnittsalter ca. 55 Jahre, berücksichtigt werden: 19.143 Patienten, denen Blutdrucksenker verschrieben worden waren, wurden der gleichen Zahl Patienten ohne Verschreibung gegenübergestellt. Die mediane Beobachtungsdauer betrug 5,8 Jahre.

Zwischen den beiden Gruppen konnte kein signifikanter Unterschied hinsichtlich der Gesamtsterblichkeit oder bei kardiovaskulären Ereignissen gefunden werden. Bei den behandelten Patienten traten jedoch vermehrt Nebenwirkungen auf, darunter Hypotonie (Blutdruckabfall), Synkope (Ohnmacht), Elektrolytstörungen und Nierenschädigungen.

Einschätzung:

Bei der Interpretation der vorliegenden Studie aus Großbritannien sollte die kurze Beobachtungsdauer von knapp 6 Jahren beachtet werden – möglicherweise zeigt sich der Nutzen einer blutdrucksenkenden medikamentösen Therapie erst nach einer längeren Zeit. Ebenso kann anhand der Daten aus den Patientenakten nicht festgestellt werden, ob die Patienten ihr Rezept tatsächlich eingelöst und die Medikamente ordnungsgemäß eingenommen haben.

Dennoch sprechen die Ergebnisse eher für die Empfehlungen der europäischen Leitlinie, nach welcher Patienten mit nur leichter Hypertonie ohne weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren zunächst eine Lebensstilmodifikation in Betracht ziehen sollten. Auch das Blutspenden kann eine Option darstellen. Auf diese Weise könnten ggf. Medikamente eingespart und damit Nebenwirkungen vermieden werden.

Hinweis: Sollten Sie an Bluthochdruck leiden, sprechen Sie bitte jegliche Maßnahmen in jedem Fall mit Ihrem Arzt ab.

Literatur

1) Kardiologie.org: Neue Hypertonie-Leitlinie der ESC/ESH – was Sie wissen sollten. 03.09.2018. Zugriff am 29.07.2019 Link

2) Patienten mit leichter Hypertonie ohne weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren: Zweifel am Nutzen einer medikamentösen Therapie. In: Der Arzneimittelbrief 2018;52(12):93

3) Sheppard JP, Stevens S, Stevens R et al. Benefits and Harms of Antihypertensive Treatment in Low-Risk Patients With Mild Hypertension. JAMA Intern Med. 2018;178(12):1626-1634. doi:10.1001/jamainternmed.2018.4684 Link


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(Veronica Carstens)