Carstens-Stiftung: Doppelt beruhigt mit Johanniskraut und Passionsblume?

Rubrik: Studien kurz und knapp

Doppelt beruhigt mit Johanniskraut und Passionsblume?

Heilpflanzen sind essentielle Bestandteile in der Behandlung von Angstzuständen und Depressionen. Zu den Klassikern der natürlichen Beruhigungsmittel zählen Johanniskraut und Passionsblume. Können sich die Pflanzen in ihrer Wirkung positiv beeinflussen?

Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist eines der am meisten verkauften Phytopharmaka in Europa und wird als pflanzliches Beruhigungsmittel und Antidepressivum eingesetzt. Auch der Passionsblume (Passiflora incarnata) werden beruhigende Eigenschaften nachgesagt.

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Die vorliegende Studie hat nun eine Kombination aus beiden Pflanzenextrakten auf ihre Wirksamkeit hin untersucht (1). In Laborversuchen mit isolierten Nervenendigungen konnte gezeigt werden, dass der Johanniskrautextrakt ähnlich der Standardkontrolle Fluvoxamin in der Lage war, die Wiederaufnahme von Serotonin in die Nervenendigungen zu verhindern. Dadurch bleibt die freie Konzentration von Serotonin im synaptischen Spalt höher, was Unruhe, Angst und Depression entgegenwirkt. Die Hemmung betrug ca. 90% mit Fluvoxamin und ca. 60% mit dem Johanniskrautextrakt. Durch Zugabe des Passionsblumenextrakts konnte die Hemmung der Wiederaufnahme deutlich verstärkt werden. In Versuchen mit Ratten, denen die Extrakte verabreicht wurden, konnten diese Ergebnisse teilweise bestätigt werden, im Sinne einer gesteigerten angstlösenden Wirkung bei einer bestimmten Menge von Johanniskraut- und Passionsblumenextrakt. Wurde diese Menge weiter erhöht, war die angstlösende Wirkung allerdings verringert.

Die Daten legen nahe, dass geringere Mengen von Johanniskraut zur Behandlung einer Depression angewendet werden können, wenn gleichzeitig Passionsblumenextrakt eingenommen wird. Dies ist von besonderer Bedeutung, da einer der Hauptbestandteile von Johanniskraut, das sog. Hyperforin, mit anderen Arzneimitteln wechselwirken kann, was wiederum zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann (2).

Einschätzung:

Methodik, Design und graphische Darstellung der Studie sind gut, z.T. sehr gut. Leider ist die Diskussion nicht ausführlich genug und in eine Abbildung hat sich ein Fehler eingeschlichen, sodass sich einige Teilaussagen der Autoren nicht bewerten lassen. Dies betrifft vor allem den von den Autoren postulierten Synergismus zwischen Johanniskraut und Passionsblume.

Literatur

1) Fiebich BL, Knörle R, Appel K, Kammler T, Weiss G. Pharmacological studies in an herbal drug combination of St. John's Wort (Hypericum perforatum) and passion flower (Passiflora incarnata): in vitro and in vivo evidence of synergy between Hypericum and Passiflora in antidepressant pharmacological models. Fitoterapia. 2011 Apr;82(3):474-80. Opens external link in new windowAbstract

2) Madabushi R, Frank B, Drewelow B, Derendorf H, Butterweck V. Hyperforin in St. John's wort drug interactions. Eur J Clin Pharmacol. 2006 Mar;62(3):225-33 Opens external link in new windowAbstract


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