Carstens-Stiftung: Dammverletzungen mit Massage vorbeugen

Rubrik: Studien kurz und knapp

Dammverletzungen und ihre Folgen sind durch Massage vor der Geburt vermeidbar

Die Häufigkeit während der Entbindung durchgeführter Dammschnitte sowie das Risiko einer anschließenden Flatusinkontinenz lag bei Erstgebärenden mit geburtsvorbereitender Dammmassage in einer randomisierten Studie signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe ohne Massage.

Die Häufigkeit während der Entbindung durchgeführter Dammschnitte sowie das Risiko einer anschließenden Flatusinkontinenz lag bei Erstgebärenden mit geburtsvorbereitender Dammmassage in einer randomisierten Studie signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe ohne Massage. Verletzungen des Dammes (Perineums) während der Geburt eines Kindes treten sehr häufig auf, entweder durch Reißen des Gewebes oder durch einen gezielten, geburtshilflichen Dammschnitt zur Vermeidung komplizierter und sehr tiefer Risse. Beide Formen der Verletzung sind mit post-partalen Beschwerden verbunden. Neben Blutungen und Schmerzen kann es auch zu Störungen der Mutter-Kind-Bindung, Harn- und/oder Analinkontinenz sowie Beeinträchtigungen des Sexuallebens kommen. Erstgebärende zählen zu den stärker gefährdeten Personen, da bei Ihnen das Gewebe rund um den Geburtskanal erstmals einer derart starken Dehnungsbelastung ausgesetzt ist. Eine Massage der Dammregion im letzten Trimester einer Schwangerschaft soll auf diese Beanspruchung vorbereiten und Schäden verhindern.

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Wissenschaftler aus dem geburtenstarken Nigeria, in dem Kaiserschnitte weitestgehend abgelehnt werden, untersuchten in einer randomisierten, einfach verblindeten Studie an 108 Erstgebärenden, inwieweit eine Dammmassage das Risiko einer Dammverletzung (Riss oder Schnitt) als primärer Zielparameter sowie deren Folgeerkrankungen (Urin-, Stuhl-, Flatusinkontinenz) und die Häufigkeit von Harnwegsinfekten, frühem Blasensprung, Frühgeburt, neonatalem Atemstillstand (Asphyxie) und neonataler Sepsis beeinflusst. Erstgebärende mit normalem Schwangerschaftsverlauf und ohne weitere Risikofaktoren wurden in die Studie aufgenommen. Die nach dem Zufallsprinzip der Massagegruppe zugeordneten Teilnehmerinnen wurden angeleitet ab der 34.-36. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt täglich für 10 Minuten ihr Dammgewebe unter Verwendung eines Gleitmittels dehnend zu massieren. Wahlweise konnte auch der Partner diese Massage vornehmen. Die Kontrollgruppe führte keine Massage durch. Nach der Entbindung wurden die oben genannten Parameter zum Geburtsverlauf, Zustand des Dammes sowie dem Gesundheitszustand des Neugeborenen dokumentiert. Darüber hinaus wurde jeweils sechs Wochen und drei Monate nach der Entbindung erhoben, inwieweit die Frauen von einer oder mehreren Formen der Inkontinenz betroffen waren.
Etwas mehr als die Hälfte der Frauen in der Massagegruppe erlitten keinerlei Dammverletzungen, während es in der Kontrollgruppe weniger als ein Drittel waren. Die Häufigkeit eines Dammschnittes lag mit 37,7 % in der Massagegruppe gegenüber der Kontrollgruppe mit 58,2 % signifikant niedriger. Die Häufigkeit von Dammrissen war in beiden Gruppen ähnlich hoch; nur in der Kontrollgruppe traten bei zwei Frauen massivere Risse auf.

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Auch hinsichtlich des Geburtsmodus (Zeitpunkt der Geburt, Spontangeburt oder Geburtseinleitung mit Oxytocin, Dauer der Geburtsphasen) und des Gesundheitszustandes der Neugeborenen zeigten sich keine Unterschiede zwischen den Gruppen, noch hatten die Frauen einer der beiden Gruppen während der Schwangerschaft häufiger Harnwegsinfekte. In Bezug auf die Folgebeschwerden in Form von Inkontinenzen lag einzig die Häufigkeit einer Flatusinkontinenz mit 26 % der Frauen in der Kontrollgruppe gegenüber 8,3 % in der Massagegruppe signifikant höher. Harninkontinenz trat in beiden Gruppen ähnlich selten auf. Eine Stuhlinkontinenz betraf mit 8 Fällen in der Kontrollgruppe viermal mehr Frauen als in der Massagegruppe, jedoch erwies sich dieser Unterschied nicht als statistisch signifikant.

Einschätzung:

Eine regelmäßige Dammmassage als Vorbereitung auf eine Geburt ist eine effektive und sichere Maßnahme zur Vermeidung von Dammverletzungen, sei es durch Reißen des Gewebes oder durch einen aus geburtshelferischer Sicht notwendigen Dammschnitt während der Entbindung. So bestätigt die vorliegende Arbeit die Ergebnisse früherer Untersuchungen. Darüber hinaus zeigt sie das Potenzial dieser einfach anzuwendenden Maßnahme in Bezug auf die Prävention von Folgebeschwerden einer Dammverletzung.
In dieser Studie wurde für die Dammmassage ein wasserlösliches Gleitmittel eingesetzt. Empfehlenswert ist aber auch die Verwendung hochwertiger, hautpflegender Öle, z.B. Mandel- oder Weizenkeimöl, unter Zusatz von Vitamin E oder ätherischen Ölen, beispielsweise des antiseptisch und wundheilungsfördernd wirkenden Rosenöls. Die geeigneten Aromaöle wirken zusätzlich harmonisierend auf das vegetative Nervensystem. Egal ob eigenständig oder vom Partner durchgeführt, kann die tägliche Dammmassage mit einem guten Damm-Massageöl nicht nur für Erstgebärende ein nützliches und wohltuendes Ritual in der Vorbereitung auf die Geburt eines Kindes sein.

Literatur

Ugwu EO, Iferikigwe ES, Obi SN, Eleje GU, Ozumbo BC. Effectiveness of antenatal perineal massage in reducing perineal trauma and post-partum morbidities: A randomized controlled trial. J Obstet Gynaecol Res 2018; 44(7): 1252-1258. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

Telefon: 0201 56 305 0
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailp.koczy@carstens-stiftung.de


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