Integrative Medizin
Zum Hauptinhalt springen Zum Seiten-Footer springen
Carstens-Stiftung: Alkohol in Phytopharmaka bildet kein Risiko für Kinder.
Studien kurz und knapp

Alkohol in Phytopharmaka bildet kein Risiko für Kinder

Von Petra Koczy

Phytotherapie Pädiatrie Alkohol

Hinsichtlich ihres Ethanol-Gehaltes wurde die Verträglichkeit pflanzlicher Flüssigarzneien gegen Erkältung, Husten und Magen-Darm-Beschwerden geprüft. Die Daten aus klinischen Studien an Kindern sowie der deutschen Pharmakovigilanz zu verschiedenen flüssigen Pflanzenarzneimittel ergaben keinerlei Hinweise auf unerwünschte Nebenwirkungen bedingt durch den enthaltenen Alkohol.

Flüssige Phytopharmaka eignen sich für Kinder insofern besonders gut, da ihre Dosierung dem jeweiligen Körpergewicht angepasst werden kann. Bei der Herstellung pflanzlicher Arzneimittel wird Ethanol verwendet, um die Wirkstoffe aus dem Rohmaterial zu gewinnen und die Haltbarkeit der Arzneien zu erhöhen. Stellt dieser Alkoholgehalt ein Risiko für die kleinen Patienten dar, so dass es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommt? Eine deutsche Forschergruppe überprüfte dies nun anhand von klinischen Studien und Daten aus dem BfArM-Register zur Arzneimittelmittelsicherheit [1]. Im Fokus standen Flüssigprodukte gegen Erkältungsbeschwerden, Husten und Magen-Darm-Probleme.

 

In keiner der 17 Studien an insgesamt über 50.000 Kindern im Altern von 0 bis 12 Jahren waren die beobachteten unerwünschten Wirkungen (n = 15) auf das in den Arzneimitteln enthaltene Ethanol zurückzuführen. Ebenso wurden im periodic safety update report (PSUR) 2005-2009 des deutschen Pharmakovigilanz-Systems keine Nebenwirkungen bedingt durch den Alkoholgehalt in den ausgewählten Fertigprodukten registriert.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die in Deutschland und der EU genehmigten und registrierten flüssigen Phytopharmaka gemäß den Dosierungsempfehlungen im Beipackzettel für Kinder bedenkenlos eingesetzt werden können. Der geringe Ethanol-Gehalt in den untersuchten pflanzlichen Flüssigarzneimitteln liegt mit 0,022-0,274 g pro Einzeldosis in dem Bereich der normalen Alkoholaufnahme durch Lebensmittel und Getränke. Beispielsweise enthalten 100 ml Apfelsaft circa 0,240 g Ethanol. Diese Mengen werden ohne weiteres innerhalb weniger Minuten durch körpereigene Stoffwechselprozesse eliminiert, so dass es nicht zu eine Akkumulation und einer Überschreitung der für den Körper gefährlichen Menge kommen kann.

Einschätzung

Das Gesundheitsrisiko durch den enthaltenen Alkohol in flüssigen Pflanzenheilmitteln ist für Kinder nahezu gleich Null, sofern die Dosierungsanweisungen befolgt werden.

Auch die insgesamt sehr geringe Anzahl anderweitiger unerwünschter Nebenwirkungen (15 dokumentierte Ereignisse bei 50.316 Kinder) spricht für eine indikationsbezogene Verwendung der überprüften Arzneimittel.

Literatur

1) Kelber O, Steinhoff B, Nauert C, et al. Ethanol in herbal medicinal products for children. Data from pediatric studies and pharmcovigilance programs. Wien Med Wochenschr 2016; [Epub ahead of print]. Abstract