Integrative Medizin
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Carstens-Stiftung: Akupressur gegen Schwangerschaftserbrechen
Studien kurz und knapp

Akupressur gegen Schwangerschafts­erbrechen

Den Einsatz eines Akupressur-Armbandes in Ergänzung zur Standardtherapie von Hyperemesis gravidarum testeten Wissenschaftler in einer randomisierten, placebo-kontrollierten Doppelblindstudie.

In der frühen Schwangerschaft, etwa zwischen der fünften und zwölften Schwangerschaftswoche leiden schätzungsweise 50 % bis 85 % der Frauen unter Übelkeit, Würgereiz und Erbrechen. Häufiges Erbrechen kann zu einem Gewichtsverlust führen und das Risiko für Schädigungen des Ungeborenen erhöhen. Mit einer Anpassung der Ernährung und einer medikamentösen Behandlung kann der Hyperemesis gravidarum entgegengewirkt werden. Letzteres scheuen jedoch viele Frauen, da sie auch hier negative Effekte auf ihren Nachwuchs befürchten. Akupressur des am inneren Unterarm liegenden Akupunkturpunktes Neiguan (P6) ist nachweislich eine effektive und sichere Methode in der Behandlung von Übelkeit und Erbrechen. In Bezug auf Schwangerschaftserbrechen weisen bisherige klinische Studien zum Teil noch widersprüchliche Ergebnisse auf, was möglicherweise auch auf die unterschiedliche Dauer der Anwendung zurückzuführen ist.

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In der vorliegenden Studie stellten die Wissenschaftler die Hypothese auf, dass das 12-stündige Tragen eines Akupressur-Armbandes einer Placebo-Behandlung überlegen und bei besserer Compliance ähnlich effektiv wie das Tragen über 24 Stunden ist. 120 Frauen mit spontaner, unkomplizierter Einfachschwangerschaft und moderater bis schwerer Hyperemesis gravidarum, die einer stationären Behandlung bedurften, wurden nach dem Zufallsprinzip der Akupressur-Behandlung oder der Placebo-Behandlung zugeteilt. Beide Gruppen trugen hierzu an drei aufeinanderfolgenden Tagen 12 Stunden lang ein Armband auf Höhe des Akupressurpunktes Neiguan. Im Unterschied zum echten Armband beinhaltete das Placebo-Armband kein Akupressur-Kügelchen. Jeweils nach der 12-stündigen Tragezeit wurde die Stärke und Häufigkeit von Übelkeit, Würgereiz und Erbrechen dokumentiert. Morgens vor dem Frühstück wurde eine Probe des Mittelstrahlurins auf eine Ketonurie als objektiver Laborparameter untersucht. Ketonurie ist eine übermäßige Ansammlung von Ketonkörpern (Fettstoffwechselprodukten) im Urin, die nach starker körperlicher Anstrengung, längeren Hungerphasen, Fieber, aber auch nach längerem Erbrechen auftritt. Ebenfalls erfasst wurden die Zufriedenheit, die Therapietreue und mögliche Nebenwirkungen. Alle Frauen erhielten aus ethischen Gründen eine Standardbehandlung mit intravenöser Flüssigkeitszufuhr, ergänzt durch die Gabe von Metoclopramid und Thiamin.
Der Zustand aller Frauen verbesserte sich durch die ihnen zugeteilte Behandlung. Im Vergleich zur Placebo-Gruppe litten die Frauen mit echter Akupressur-Behandlung signifikant weniger unter Übelkeit, Erbrechen und Würgereiz. Ebenso wurde die Menge der Ketonkörper im Morgenurin durch die Akupressur-Behandlung stärker reduziert. Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus lag mit durchschnittlich 2,83 Tagen in der Akupressur-Gruppe im Vergleich zur Placebo-Gruppe mit 3,88 Tagen ebenfalls signifikant niedriger. Die Patientenzufriedenheit und die Compliance waren in beiden Gruppen nahezu gleich hoch. Als einzige unerwünschte Nebenwirkung trat bei drei Probandinnen in der Akupressur-Gruppe eine Hautrötung auf, die nach einigen Tagen wieder verschwand.

Einschätzung

Frauen ohne Risikoschwangerschaft können sich durch das halbtägige Tragen eines Akupressur-Armbandes hinsichtlich der Symptome einer Hyperemesis gravidarum Linderung erhoffen, so der Schluss aus der vorliegenden Studie. Inwieweit die Symptomenbesserung in der Placebo-Gruppe nur auf die allen Frauen verabreichte Standardmedikation oder gegebenenfalls auch auf einen Placeboeffekt durch das Tragen des Armbandes zurückzuführen ist, bleibt ungeklärt. Hierzu hätte eine ausschließlich mit Standardtherapie behandelte Vergleichsgruppe hinzugezogen werden müssen. Interessant wäre auch eine Abschätzung, ob durch die begleitende Akupressur-Behandlung die Menge des verabreichten Antiemetikums Metoclopramid reduziert werden kann.

Literatur

Adlan AS, Chooi KY, Mat Adenan NA. Acupressure as adjuvant treatment for the inpatient management of nausea and vomiting in early pregnancy: A double-blind randomized controlled trial. J Obstet Gynaecol Res 2017; 43(4): 662-668. Abstract