Carstens-Stiftung: Zahngesundheit und Naturheilkunde

Studien kurz und knapp

Zahngesundheit und Naturheilkunde: Überblick

An jedem Zahn hängt ein ganzer Mensch: Zähne und Mundgesundheit sind wichtig für den gesamten Organismus. Die ganzheitliche Zahnmedizin hat diesen Zusammenhang längst erkannt. Die Therapieverfahren sind vielfältig.

Unter "ganzheitlicher Zahnmedizin" werden unterschiedliche diagnostische Konzepte und Behandlungsverfahren zusammengefasst, die sich als Alternative oder Ergänzung zur sogenannten "klassischen Zahnmedizin" verstehen.

Auch in der Zahnmedizin integrieren sich integrativ medizinische Konzepte. Immer häufiger konsultieren Patienten mit vordergründig nicht als kauorganbezogenen Krankheitsbildern Zahnmediziner. Und immer häufiger überweisen Mediziner bei unklaren Symptomen, Befunden und konventionellem Therapieversagen chronisch erkrankte Patienten an Zahnärzte mit Akupunktur- und regulationsbiologischen Ausbildungen, mit dem Ziel, die häufig multifaktorielle Erkrankung auch unter ganzheitlich zahnärztlicher Sicht zu erfassen.(1)

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Materialunverträglichkeiten

Aus integrativ-zahnmedizinischer Sicht können Materialunverträglichkeiten aus Füllungen, prothetischen Versorgungen und Implantaten subakute und chronische Entzündungen im Kieferbereich hervorrufen. Aber auch unterschwellige Belastungen der Körperstatik können die Folge sein – und auf diese Weise die Gesundheit des Menschen als Ganzes beeinflussen.(2) Im klinisch-zahnmedizinischen Alltag werden diese oraltoxikologischen Belastungen mit ihren individuellen Auswirkungen auf das Regulationssystem weitgehend ignoriert. Eine rein technisch-mechanische Versorgung und die prothetische Wertigkeit haben Priorität – das funktioniert, solange der Mensch die Belastungen kompensiert. Etablieren sich jedoch chronische Erkrankungen, sollte eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen erfolgen.(3) Diese Aspekte führen dazu, dass die konventionellen Methoden in den zahnärztlichen Praxen immer mehr durch die komplementärmedizinischen Therapiemöglichkeiten ergänzt werden und die klassisch gelehrte Zahnmedizin von etlichen niedergelassenen Zahnärzten um komplementärmedizinische Diagnostik und Therapie erweitert wird. (3/4) Wichtige komplementärmedizinische Therapieansätze in der medizinischen Zahnheilkunde sind u.a.: Phytotherapie

In der Zahnheilkunde werden pflanzliche Präparate bevorzugt zur Behandlung von Erkrankungen des Mundes und des Rachens angewendet, meist in Form von Spülungen oder Lösungen.

Unser Kompass Komplementärmedizin (KoKo)

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Mit den unterschiedlichen Präparaten lassen sich sowohl Viren als auch Bakterien wirkungsvoll bekämpfen, Schmerzen können gelindert und Schwellungen zum Abklingen gebracht werden. Häufige Bestandteile von Phytopharmaka in der Zahnheilkunde sind:

  • Ätherische Öle
    Pflanzliche Sekrete sind besonders für die Inhalation geeignet. Sie wirken desinfizierend, entzündungshemmend, krampflösend, auswurffördernd und harntreibend (z. B.: Thymian, Wachholder, Kümmel, Ingwer, Salbei, Pfefferminz, Rosmarin und Fenchel)
  • Gerbstoffe
    Diese Stoffe besitzen eine reizhemmende Wirkung auf Haut und Schleimhäute (z. B.: Eichenrinde, Heidelbeeren oder Blutwurz).
  • Flavanoide
    Flavanoide haben ein großes Wirkspektrum, sie sind unter anderem antiödematös (helfen gegen Wassereinlagerungen) und enzymhemmend (z. B.: Ginkgo, Mariendistel, Wollblume oder Weißdorn).
  • Bitterstoffe
    z. B. Enzian, Mariendistel oder Pfeffer

Bei Zahnfleischentzündung haben sich Blutwurz, Eiche und Nelkenwurz bewährt. Gegen Zahnfleischbluten kann Salbei angewendet werden, und bei Zahnschmerzen verschaffen Melisse und Gewürznelken Linderung. Kamillentinktur wirkt entzündungshemmend, Echinacea abwehrstärkend und die Ringelblume wundheilungsfördernd (5).

Homöopathie
Die Homöopathie ist eine Behandlungsform, die sich an den individuellen Symptomen orientiert. Nachfolgend sind einige bewährte Infikationen aufgeführt, die jedoch nur einen kleinen Einblick in die vielfältigen Möglichkeiten der Homöopathie geben (12):

  • Arnica vor und nach Extraktionen: am besten ab dem 3. Tag vorher bis etwa 4 Tage nach dem Termin (10)
  • Belladonna gegen akute Entzündungen / mit klopfenden Schmerzen
  • Hepar sulfuris bei eitrigen, entzündlichen Prozessen
  • Magnesium phosphoricum bei pulpitischen Beschwerden durch Karies
  • Okoubaka zur Entgiftung, z. B Quecksilberausleitung (mehr)

Zahnherde
In der Naturheilkunde versteht man unter einem Herd bzw. einem Störfeld einen abgegrenzten Krankheitsprozess, der über die lokale Umgebung hinaus Fernwirkungen hat und Erkrankungen in anderen Organen unterhalten kann.

Nach dieser Theorie befinden sich die häufigsten Störungen mit Herdcharakter im Kopf, vor allem im Zahn- und Kieferbereich. Neben verlagerten Zähnen und Wurzelresten sind es vor allem wurzeltote oder wurzelgefüllte Zähne mit bakterieninfizierten Nervenkanälen und sich an ihnen bildende Entzündungsherde. Auch bei Zahnfüllungen und Kronen reagieren manche Patienten mit Unverträglichkeiten gegen bestimmte Dentalwerkstoffe.

Nach der Herdtheorie streuen Zahnherde Bakterien, Gifte, Eiweissabbauprodukte und Allergene kontinuierlich in die Blutbahn und können zu krankhaften Störungen oder nervalen Irritationen in entfernten Regionen führen (mehr).

Um neben Antibiotikagaben und eventuellen operativen Eingriffen auf bestehende Entzündungsherde einzuwirken, gibt es verschiedene therapeutische Ansätze innerhalb der Naturheilkunde.

Eine gute Unterstützung und "Umstimmung" des Herdgeschehens bei einer chronischen Kieferentzündung, etwa nach einer Zahnentfernung, kann mit homöopathischen und pflanzlichen Immunstimulanzien erreicht werden. Bei unverträglichen Dentalwerkstoffen hilft meist nur die Entfernung und Ersatz durch verträgliches Material. Zähne mit einem Wurzelherd werden in den meisten Fällen entfernt. (11)

Die Sanierung von Zahnherden sollte immer mit einer Stärkung der Immunabwehr und Ausleitung der schädlichen Substanzen aus dem Körper kombiniert werden.

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Quecksilberausleitung
Bekannt ist, dass  beim Legen einer Amalgamfüllung und durch den täglichen Abrieb geringe Mengen Quecksilber in den Organismus gelangen können. Derzeit wird diskutiert, ob Amalgamfüllungen in den Zähnen die Entwicklung einer Demenz begünstigen können (mehr). Die Symptome einer chronischen Quecksilbervergiftung können unter anderem sein: Gliederschmerzen, entzündliche Hautreaktionen, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Durchfälle. (6/7)

Unter Quecksilberausleitung versteht man die Entgiftung des Körpers, um im Körper verbliebenes Quecksilber auszuscheiden. Zur Ausleitung werden pflanzliche Extrakte, homöopathische Mittel oder biochemische Medikamente verwendet.

Zahnheilkunde aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)
Nach Auffassung der TCM ist jeder Zahn über Meridianverbindungen mit anderen Körperregionen verbunden. Entsprechend werden von einem ganzheitlich ausgerichteten Zahnarzt bei Beschwerden eines Zahnes (z. B.: bei vereiterten, wurzelkanalbehandelten oder wurzelspitzenbehandelten Zähnen) die zugehörigen Körperareale und Organe mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht.(8)

Die Akupunktur im Sinne der TCM als Körperakupunktur und chinesische Ohrakupunktur hat in der Zahnmedizin eine relativ breite Anwendung gefunden. Dies betrifft sowohl die therapeutische Indikation, als auch die aus der allgemeinen Meridiantheorie entwickelten Diagnosesysteme. Vor allem im Rahmen der Schmerztherapie hat sich die Akupunktur bewährt. (9)

Zahnärztliche Hypnose
Laut einer wissenschaftlichen Stellungnahme der DGZMK (Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde) geben 60 bis 80 Prozent der Bevölkerung ein Angstgefühl beim Zahnarztbesuch an: Bis zu 20 Prozent gelten als hoch ängstlich, 5 Prozent vermeiden den Besuch beim Zahnarzt völlig. Die zahnärztliche Hypnose ist ein Weg, um dem Patienten eine angstfreie, entspannte und schmerzlose Zahnbehandlung zu ermöglichen. Sie ist ein primär anxiolytisches (angstlösendes) Verfahren, das es in vielen Fällen ermöglicht, ohne medikamentös sedierende Maßnahmen die Zahnbehandlungsangst zu therapieren und abzubauen.

Kraniofaziale Orthopädie
Eine Fehlstellung der Zähne, insbesondere des Kiefergelenks, kann zu Kopf- und Rückenschmerzen führen: Bei ganzheitlich arbeitenden Kieferorthopäden setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass zwischen Zahnstellung, Kiefergelenksfunktion und Wirbelsäule eindeutige Wechselwirkungen bestehen. Sie betrachten deshalb nicht nur Zähne und Kiefer, sondern das gesamte Bewegungssystem.

Die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Kieferanomalien und Körperfehlhaltungen ist von präventiver Bedeutung für Muskel- und Gelenkschmerzen im Erwachsenenalter. Auch schlechte Aussprache, Kopfschmerzen und sogar Tinnitus können durch Kieferprobleme mit ausgelöst werden. (13)

Fazit und Ausblick
Die ganzheitliche Zahnmedizin richtet den Blick auf den Gesamtorganismus: Störungen im Verdauungssystem, Immunschwächen, ein Mangel an Mineralstoffen und Spurenelementen, ein anhaltender Stresszustand, Kopfschmerzen oder Verspannungen im Rücken können mit dem Zustand der Zähne, des Mundraums und Kiefergelenks interagieren.


Eine engere Zusammenarbeit zwischen Zahn- und Hausärzten, aber auch von Zahnmedizinern mit Chiropraktikern / Osteopathen, Physiotherapeuten und Psychotherapeuten ist angeraten. Die wichtigste Voraussetzung hierfür besteht darin, die unterschiedlichen Methoden in universitär lehrbare Konzepte zu bringen.

Einschätzung:

Die Integration komplementärmedizinischer Anamnese, Diagnose und Therapie ermöglicht Zahnärzten einen erweiterten Blick auf komplexe chronifizierte Krankheitsbilder und sollte insbesondere bei therapieresistenten Erkrankungen des Zahnhalteapparates berücksichtigt werden.

Literatur

1) Arlom, C.: Agenda: Integrative Zahnmedizin 2015, in: GZM – Praxis und Wissenschaft(2009), 2/2009 Opens external link in new windowPDF

2) Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin e. V. Stellungnahme: Die Notwendigkeit systemischen Denkens, Entscheidens und Handelns in der Zahnmedizin. In: GZM Praxis & Wissenschaft (2004) 9(1): 46–51.

3) Arlom, C.: Aspekte einer integrativen Zahnheilkunde: Endodontie, odontogene Belastungen und komplementäre Kombinationsinjektion - im Focus einer Integrativen Zahnheilkunde. Ärztezeitschrift für Naturheilverfahren; 01/2008 1: 32–34

4) Arlom, C.: Integrative Zahnmedizin - Vorschau auf Nachhaltigkeit. Zukunftsperspektiven der ganzheitlichen Zahnheilkunde aus "Ärztezeitschrift für Naturheilverfahren", März 2006 Opens external link in new windowPDF

5) Antimikrobielle Wirksamkeit eines Mundsprays mit Pflanzenextrakten und therischen len / Beckmann, Gero; Romeis, Bettina; Focke, Karlheinz; Georg Thieme Verlag Stuttgart, New York , 2011 in: EHK, 60(2011)05, 270-275

6) Comprehensive medical examination of a group of patients with alleged adverse effects from dental amalgams / Anneroth G; Ericson T; Johansson I; Mörnstad H; Ryberg M;in:Acta Odontol Scand 1992; 50(): 101-111 Opens external link in new windowAbstract

7) Herde und Störfelder im Zahn-Kiefer-Bereich / Müller, Werner; Georg Thieme Verlag Stuttgart, New York , 2008 in: EHK 57(2008)11, 682-684

8) The effectiveness of acupuncture in treating acute dental pain: a systematic review. / Ernst, E.; Pittler, M.H.; 1998, in: British Dental Journal 184 (9), S.443-447 Opens external link in new windowAbstract

9) A double-blind pilot study of arnica in dental extraction. / Ives, G.; 1984 in: Midlands Homoeopathic Research Group, Communications, 11:71-74

10) Buch: Störfeld Zahn. Der Einfluss von Zähnen und zahnärztlichen Werkstoffen auf die Gesundheit, Karlheinz Graf, Urban & Fischer in Elsevier 2010, 210 Seiten, ISBN/EAN: 978-3-437-58570-8 Opens external link in new windowInfo

11) Buch: Homöopathie bei Zahnerkrankungen. Ganzheitliche Therapie in der Zahnmedizin, Heinz-Werner Feldhaus, Hippokrates 2007 (4. Auflage), 272 Seiten, ISBN/EAN: 978-3-8304-5373-4 Opens external link in new windowInfo

12) Der Kopfschmerz, Diagnostik und Therapie bei Therapieresistenz / O.,M.; 1996; in: Deutsche Zeitschrift für Akupunktur; 39/5; S.103-114


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„Der Arzt und die Ärztin der Zukunft sollen zwei Sprachen sprechen, die der Schulmedizin und die der Naturheilkunde und Homöopathie. Im Einzelfall sollen sie entscheiden können, welche Methode die beste für den Patienten ist.“

(Veronica Carstens)