Carstens-Stiftung: Yoga für Berufstätige – eine Kosten-Nutzen-Analyse

Rubrik: Studien kurz und knapp

Yoga für Berufstätige – eine Kosten-Nutzen-Analyse

Ob sich ein auf den Bewegungsapparat ausgerichtetes Yoga-Programm für Angestellte sowohl gesundheitlich als auch wirtschaftlich auszahlt, untersuchten britische Wissenschaftler in einer 6-monatigen Studie.

Laut Statistik des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IWD) [1] erfolgte im Jahr 2015 rund jede vierte Krankschreibung in Deutschland aufgrund von Erkrankungen des Bewegungsapparates mit durchschnittlich 18,6 Krankheitstagen pro Fall. Auch die Techniker Krankenkasse gibt in ihrem Gesundheitsreport 2017 [2] als häufigsten Grund für Fehltage muskuloskelettale Erkrankungen und darunter an erster Stelle Rückenprobleme an. Oftmals sind diese Beschwerden auch einer überwiegend sitzenden Berufstätigkeit und dem damit verbundenen Bewegungsmangel sowie Fehlhaltungen geschuldet. Diese Krankheitsausfälle stellen ebenfalls einen bedeutenden wirtschaftlichen Faktor dar. Dem kann mit gezielten Bewegungsübungen entgegengewirkt werden. Yoga ist eine wissenschaftlich bereits gut erforschte Methode zur Vorbeugung und Behandlung von körperlichen Erkrankungen.

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In Großbritannien führten nun Wissenschaftler eine Analyse hinsichtlich der Kosten und des Nutzens eines Yogaprogramms gegen Beschwerden des Bewegungsapparates mit Angestellten des National Health Service (NHS) durch [3]. In die Studie eingeschlossen wurden 151 Teilnehmer im mittleren Alter (durchschnittlich 44 Jahre) mit leichten bzw. ohne Rückenbeschwerden, von denen 93 % Frauen waren. Randomisiert wurden sie in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Yoga-Gruppe erhielt über einen Zeitraum von acht Wochen einmal wöchentlich im Anschluss an die Arbeit eine 60-minütige Unterrichtseinheit Dru Yoga sowie eine Lehr-DVD und eine entsprechende Broschüre zur Durchführung der Übungen zu Hause. Der Vergleichsgruppe wurden lediglich zwei Broschüren zu den Themen Rückengesundheit und Stressmanagement ausgehändigt. Zu Studienbeginn, nach acht Wochen und nach insgesamt sechs Monaten wurden sowohl die physische Funktionalität als auch die psychischen Faktoren in Bezug auf Rückenbeschwerden mittels verschiedener Fragebögen erhoben. Diese Daten wurden gemeinsam mit den Ausgaben für die jeweilige Intervention, für die medizinische Versorgung von muskuloskelettalen Beschwerden sowie für den Arbeitsausfall in die Kosten-Nutzen-Analyse eingebracht.

Während nach acht Wochen noch Dreiviertel aller Teilnehmer an der Datenerhebung teilnahmen, waren es zum Studienende nach 6 Monaten nur noch 51 % in der Yogagruppe und 40 % in der Kontrollgruppe. Nach Abschluss des achtwöchigen Yogaprogramms hatten die Teilnehmer statistisch signifikant weniger Rückenbeschwerden und verfügten über eine höhere Lebensqualität als die Teilnehmer in der Kontrollgruppe; nach sechs Monaten erreichte der Unterschied keine statistische Signifikanz mehr. Ein klinisch relevanter Unterschied wurde nicht erzielt. Die Interventionskosten lagen in der Yogagruppe mit 56,25 £ im Vergleich zu 2,00 £ in der Kontrollgruppe deutlich höher. Hingegen betrugen die Ausgaben für die medizinische Versorgung in der Yogagruppe lediglich 5,87 £ und in der Vergleichsgruppe 26,73 £. Ein deutlicher Unterschied zeigte sich in den Kosten für den Arbeitsausfall mit 92,49 £ in der Kontrollgruppe gegenüber 4,07 £ in der Yogagruppe. Die Angaben sind jeweils pro Teilnehmer umgerechnet. Insgesamt kam es in der Kontrollgruppe zu 43 Tagen krankheitsbedingtem Arbeitsausfall aufgrund muskuloskelettaler Beschwerden verteilt auf fünf Personen, davon eine mit 29 Krankheitstagen. In der Yogagruppe fehlte lediglich eine Person an zwei Tagen.

Einschätzung:

Bei einer Verrechnung der Ausgaben für die Gesundheitsfürsorge mit den krankheitsbedingten Ausgaben bzw. Verlusten deutet das Ergebnis darauf hin, dass Yoga eine kosteneffektive Maßnahme zur Vermeidung muskuloskelettaler Erkrankungen und damit verbundener Fehltage bei Arbeitnehmern sein kann. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie müssen allerdings zunächst mit Vorsicht ausgelegt werden, denn die Ausstiegsquote war bei den Studienteilnehmern, insbesondere in der Kontrollgruppe, sehr hoch. Immerhin praktizierten von den verbliebenen 39 Teilnehmern der Yogagruppe nach sechs Monaten noch 10 % mindestens dreimal wöchentlich und 68 % ungefähr einmal pro Woche Dru Yoga. Die Autoren einer schwedischen Studie [4], die in einer Kosten-Nutzen-Analyse Kundalini-Yoga mit Bewegungstherapie und einer Selbstfürsorge-Aufklärung bei Rückenschmerzen verglichen, kamen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Yoga den anderen beiden Interventionen überlegen war.

Ein regelmäßiges Bewegungs-/Präventionsangebot für Mitarbeiter kann sich für den Arbeitgeber also lohnen. Zunehmend mehr Unternehmen erkennen diesen Zusammenhang und bieten ihren Angestellten auf der Arbeitsstelle entsprechende Bewegungsprogramme (z.B. eine aktive Mittagspause) oder andere gesundheitsorientierte Leistungen wie Massagen an.

Literatur

1) Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.iwd.de/interaktive-grafiken/krankenstand-2017/#erkrankungen
2) Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.tk.de/tk/gesundheitsreport/934484
3) Hartfiel N, Clarke G, Havenhand J, Phillips C, Edwards RT. Cost-effectiveness of yoga for managing musculoskeletal conditions in the workplace. Occup Med 2017; 67(9): 687-695. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract
4) Aboagye E, Karlsson ML, Hagberg J, Jensen I. Cost-effectiveness of early interventions for non-specific low back pain: a randomized controlled study investigating medical yoga, exercise therapy and self-care advice. J Rehabil Med 2015; 47: 167-173. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

Telefon: 0201 56 305 0
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailp.koczy@carstens-stiftung.de


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(Veronica Carstens)