Studien kurz und knapp

Wunderbaum verbessert den Ernährungs- und Immunstatus von HIV-Patienten

Ein Extrakt aus Blättern des Moringa-Baums kann in der antiretroviralen Therapie von HIV-Patienten mit schlechtem Ernährungszustand unterstützend wirken.

Gewichtsverlust und Mangelernährung stellen typische Begleiterscheinungen einer HIV-Infektion dar, die zu einer Verschlechterung des Gesamtzustands, insbesondere des Immunstatus der Betroffenen, führen. Immunschwache HIV-Patienten, die zudem noch untergewichtig sind, laufen Gefahr, an schweren Sekundärinfektionen zu erkranken und letztendlich an diesen zu versterben. Die antiretrovirale Therapie, eine medikamentöse Behandlungsmaßnahme, die die HIV-Vermehrung nicht stoppt, aber hemmt, hilft dabei, den krankheitsbedingt gestörten Immunmetabolismus des HIV-Patienten wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Um den Erfolg der antiretroviralen Therapie zu verstärken, raten Experten zu einer vollwertigen, mehrheitlich pflanzlichen Ernährung reich an Nährstoffen wie Aminosäuren, ungesättigten Fettsäuren und Antioxidantien.
Während die Versorgung mit den benötigten Nährstoffen in westlichen Ländern kein Problem darstellt, sehen sich mit HIV infizierte Menschen in Afrika, wo zwei Drittel aller HIV-Infizierten leben, mit dem Problem der Unter- und Fehlversorgung hinsichtlich des Nahrungsmittelangebots konfrontiert, was lebensbedrohliche Konsequenzen haben kann.

Der KVC Verlag: Lesen Sie sich gesund!

Lesen Sie sich gesund!

„Naturheilkunde und Homöopathie erforschen und verständlich aufbereiten“ ist das Motto, unter dem der KVC Verlag 1998 gegründet wurde. Seither verlegt der KVC Verlag Bücher, die aus der Fördertätigkeit der Carstens-Stiftung : Natur und Medizin und den Erfahrungen der beratenden Ärztinnen und Ärzte hervorgehen.

Logo des KVC Verlags in Essen: Lesen Sie sich gesund!

Im kongolesischen Kinshasa animierte dieser Status quo Wissenschaftler zur Durchführung einer Studie, die die Effekte eines Pulvers aus den Blättern des heimischen Moringa-Baums (Moringa oleifera lam.), wegen seines hohen Gehalts an Senfölglykosiden Meerettich-Baum genannt, auf den BMI (Body Mass Index) und den Immunstatus von HIV-infizierten Patienten mit denen einer gewöhnlichen Ernährungsberatung vergleichen sollte. [1] Die Wahl fiel auf den Moringa-Baum als pflanzliche Intervention, da er nicht nur einen hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren, Proteinen und Aminosäuren, Mineralstoffen und Vitaminen aufweist, sondern als heimisches Gewächs zudem unmittelbar verfügbar ist. Da nahezu alle Bestandteile des Moringa-Baumes (Wurzeln, Blätter, Samen, Blüten und Schoten) verwertet werden können, wird er auch oft als Wunderbaum bezeichnet. Das in der Studie verwendete Pulver aus Moringa-Baumblättern enthielt unter anderem Phytosterole, lösliche Mineralstoffe und Spurenelemente sowie einen hohen Anteil an gesättigten und ungesättigten Fettsäuren und Proteinen.

Immer gut informiert –

der Newsletter der
Carstens-Stiftung : Natur und Medizin

✓ einmal im Monat
✓ gratis
✓ jederzeit kündbar


Die 60 HIV-infizierten und antiretroviral behandelten Studienteilnehmer wurden zufällig der Interventionsgruppe und der Kontrollgruppe zugeteilt. Die Teilnehmer der Interventionsgruppe wurden dazu angehalten, über einen Zeitraum von sechs Monaten 30 Gramm des Moringa-Pulvers ihren täglichen drei Mahlzeiten beizumengen und über den Tag verteilt zu sich zu nehmen. Die Probanden in der Kontrollgruppe erhielten eine standardisierte Ernährungsberatung hinsichtlich einer gesunden, ausbalancierten und energiereichen Ernährungsweise mit einfachen Mitteln. Die primären Endpunkte bestanden in der Erhöhung des Body Mass Index' (BMI) sowie diverser biochemischer Marker, die zu Studienbeginn, nach drei und nach sechs Monaten gemessen wurden. Das sekundäre Ziel beinhaltete die Entwicklung des BMI unter Berücksichtigung soziodemographischer und -ökonomischer Kriterien wie z.B. Alter, Bildung, Berufstätigkeit und Lebensumfeld  sowie die Differenzierung nach klinischen und biologischen Charakteristika, die die Einordnung in die WHO-Klassifizierung der HIV-Erkrankung (Stufe 1 und 2: Frühstadium, Stufe 3 und 4: fortgeschrittenes Stadium) sowie die Gesamtdauer der antiretroviralen Therapie berücksichtigte.

Besuchen, folgen und teilen Sie uns!

Die Carstens-Stiftung : Natur und Medizin in den Sozialen Medien.

Nach sechs Monaten wiesen die Patienten in der Moringa-Gruppe einen signifikant höheren Anstieg des BMI um 2 kg/m2 auf, während in der Kontrollgruppe nur 1 kg/m2 erreicht werden konnte. Außerdem konnte der Albumin-Wert in der Interventionsgruppe von 3,3 g/dl zu Studienbeginn auf 3,9 g/dl gesteigert werden, während dieser in der Kontrollgruppe sich nicht veränderte. Albumin ist ein wichtiges Protein im Blutkreislauf, welches unter anderem körpereigene als auch -fremde Substanzen wie Fettsäuren, Enzyme, Aminosäuren, Elektrolyte, aber auch Medikamente bindet und transportiert. Hinsichtlich der Anzahl CD4-positiver T-Zellen sowie der Viruslast war jedoch zwischen beiden Gruppen zumindest kein signifikanter Unterschied festzustellen.

Einschätzung:

Aufgrund der guten Verfügbarkeit erweist sich die Verwendung des Pulvers aus Moringa-Blättern im Vergleich mit einer alleinigen Ernährungsumstellung als günstige und wirksame Ergänzung der antiretroviralen Therapie zur Erhöhung des Body Mass Indexes und Verbesserung des Immunstatus. Mangelernährung und Untergewicht, wie sie bei HIV-Patienten häufig zu beobachten sind, können mithilfe einer Supplementierung durch ein Pulver aus Moringa-Blättern, die eine besonders hohe Nährstoffdichte mit einem beträchtlichen Proteingehalt aufweisen, entgegengewirkt werden.

Der verbesserte Ernährungsstatus spielt generell eine wichtige Rolle für einen stabilen Immunmetabolismus. In dieser Studie konnte jedoch kein signifikanter Anstieg der relevanten Blutwerte im Vergleich zum Studienbeginn nachgewiesen werden. Lediglich die Albumin-Werte konnten durch die Zufuhr von Moringa-Pulver klinisch signifikant gesteigert werden.

Hinsichtlich einer potenziellen Interaktion mit antiretroviralen Substanzen wie beispielsweise Neviparin konnte eine kürzlich publizierte, experimentelle Studie Entwarnung geben. [2] Der im Laborversuch getestete Moringa-Blatt-Extrakt zeigte sich hinsichtlich der Beeinflussung der Pharmakokinetik des verwendeten Wirkstoffs Neviparin als unbedenklich. Angesichts eines erhöhten Risikos von Niereninsuffizienzen durch die Einnahme des proteinreichen Moringa-Blatt-Pulvers im Kontext mit einer antiretroviralen Therapie sollten aber regelmäßige Untersuchungen der Nierenfunktion erfolgen.

Zur Bestimmung der idealen therapeutisch wirksamen Dosierung und der immunovirologischen Wirkung des Moringa-Blatt-Pulvers sind jedoch weitere Untersuchungen obligatorisch.

Literatur

1) Tshingani K et al. Impact of Moringa oleifera lam. Leaf powder supplementation versus nutritional counseling on the body mass index and immune response of HIV patients on antiretroviral therapy: a single-blind randomized control trial. BMC Complement Altern Med 2017; 17: 420 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

2) Monera-Penduka TG, Maponga CC, Wolfe AR, Wiesner L, Morse GD, Nhachi CFB. Effect of Moringa oleifera Lam. Leaf powder on the pharmacokinetics of nevirapine in HIV-infected adults: a one sequence cross-over study. AIDS Res Ther 2017; 14: 12 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

Telefon: 0201 56 305 18
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Maild.hacke@carstens-stiftung.de


Dieser Artikel erschien in der Kategorie: Studien kurz und knapp

Immer gut informiert –

der Newsletter der
Carstens-Stiftung : Natur und Medizin

✓ einmal im Monat
✓ gratis
✓ jederzeit kündbar

Mitglieder profitieren
mehrfach –

alle Infos zur
Fördermitgliedschaft

mehr erfahren

Unterstützen Sie unsere Arbeit

und stärken Sie mit Ihrer Spende Naturheilkunde und Homöopathie.

„Der Arzt und die Ärztin der Zukunft sollen zwei Sprachen sprechen, die der Schulmedizin und die der Naturheilkunde und Homöopathie. Im Einzelfall sollen sie entscheiden können, welche Methode die beste für den Patienten ist.“

(Veronica Carstens)