Studien kurz und knapp

Weihrauch: Eine Option für Hirntumor-Patienten?

Der entzündungshemmende Effekt von Weihrauch ist bekannt - Studien zeigen nun, dass das exotische Gewürz auch in der Therapie von Hirnödemen eine Rolle spielen kann.

Patienten, die sich wegen ihres Hirntumors einer Radiotherapie unterziehen müssen, leiden häufig unter Hirnödemen. Die Standardtherapie dieser Beschwerden mit Dexamethason ist aber leider oft mit Nebenwirkungen verbunden. Nun setzen die Wissenschaftler ihre Hoffnung auf eine pflanzliche Alternative, dem Weihrauch (Boswellia serrata).

In einer Freiburger Studie wurden 44 Hirntumorpatienten nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe erhielt über einen Zeitraum von einer Woche neben der Radiotherapie drei mal vier Kapseln pro Tag (entspricht 4200 Milligramm Weihrauchextrakt pro Tag), während der anderen Gruppe ein Scheinmedikament verabreicht wurde. Als Weihrauchpräparat wurde das in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel verkaufte H15 verwendet.

Direkt nach Therapieende wurde der Ödemumfang gemessen, wobei sich herausstellte, dass sich das Hirnödem bei 60 Prozent der Patienten in der Weihrauchgruppe, aber nur bei einem Viertel der Teilnehmer in der Placebogruppe um mehr als 75 Prozent verringert hat. Eine weitere interessante Beobachtung, die die Wissenschaftler machten, war das verbesserte Ansprechen des Tumors auf die Radiotherapie in der Weihrauch-Gruppe.

Möglicherweise, so vermuten die Wissenschaftler gibt es einen kausalen Zusammenhang mit dem Rückgang des Ödems.

Einschätzung:
Der entzündungshemmende Effekt von Weihrauch wurde schon in früheren Studien untersucht. Auch diese Studie zeigt einmal mehr, dass Entzündungsprozesse gut mit Weihrauchextrakten gestoppt werden können. Ganz ohne Nebenwirkungen verläuft eine Therapie mit Weihrauchpräparaten unter Umständen nicht, denn es können durchaus leichte Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Im Vergleich mit dem Dexamethason-Standardpräparat schneidet Weihrauch diesbezüglich aber sicherlich besser ab. Hinsichtlich der hohen Anzahl an täglich einzunehmenden Kapseln besteht aber die Gefahr, dass Patienten – besonders Krebspatienten, die unter einem hohen Leidensdruck stehen – ihre Medikation nicht regelmäßig nehmen. Die Wissenschaftler fordern daher, ein Weihrauchpräparat zu entwickeln, dass einfach intravenös verabreicht werden kann. In einer zukünftigen Studie müssten auch die Ernährungsgewohnheiten der Patienten beobachtet werden, denn eine erhöhte Fettzugabe hätte das Potenzial, die Aufnahme der Wirkstoffe zu erhöhen.


Kirste S, Treier M, Wehrle SJ, Becker G, Abdel-Tawab M, Gerbeth K, Hug MJ, Lubrich B, Grosu A-L, Momm F. Boswellia serrata acts on cerebral edema in patients irridiated for brain tumors. Cancer 2011; 117:3788-3795 Opens external link in new windowAbstract


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