Studien kurz und knapp

Vorteile der Homöopathie für Patienten und das Gesundheitssystem

Großangelegte Studie dokumentiert mindestens gleich gute Ergebnisse für homöopathische Ärzte bei deutlich verringertem Verbrauch an konventionellen Arzneimitteln.

Die EPI3-Kohortenstudie untersuchte in Frankreich insgesamt 8.559 Patienten, die sich bei 825 Ärzten mit und ohne homöopathische Zusatzqualifikation in Behandlung befanden. Die Forscher analysierten die Daten im Hinblick auf die Therapieeffekte bei verschiedenen Erkrankungen und berücksichtigten auch, wie viele konventionelle Arzneimittel in den jeweiligen Praxen verordnet wurden.[1]

Infektionen der oberen Atemwege

In Bezug auf Erkrankungen der oberen Atemwege von Erwachsenen und Kindern in 518 Fällen fanden die Forscher heraus, dass in homöopathischen gegenüber rein konventionellen Arztpraxen deutlich weniger Antibiotika (OR = 0,43; 95% CI: 0,27 – 0,68), Entzündungshemmer und fiebersenkende Mittel verschrieben wurden. Der Therapieerfolg in der Homöopathiegruppe war dem in der Vergleichsgruppe ebenbürtig (OR = 1,16, 95% CI: 0,64 - 2,10).[2]

Muskuloskelettale Erkrankungen

Ähnliche Daten wurden für das Gebiet der muskuloskelettalen Erkrankungen, wie etwa rheumatoide Arthritis, anhand von 1.153 Fällen erhoben: Nach 12-monatiger Therapie konnte kein signifikanter Unterschied in Bezug auf die Behandlungsergebnisse zwischen homöopathischen und konventionellen Ärzten konstatiert werden (p > 0.05). Erstere verschrieben aber nur etwa die Hälfte der sonst standardmäßig eingesetzten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAID) und Schmerzmittel (OR = 0,54; 95%CI: 0,38–0,78).[3]

Depressionen und Angststörungen

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In der Untergruppe der psychischen Störungen wurden die Daten von 710 Menschen evaluiert, die unter Depressionen und Angststörungen litten. Für die Probanden, die sich bei homöopathischen Ärzten in Behandlung befanden, wurde ein größerer Rückgang der klinischen Symptome im Vergleich zu rein konventionellen Praxen beobachtet (OR = 1,70; 95 % CI: 1,00 – 2,87). Gleichzeitig betrug die Wahrscheinlichkeit, Psychopharmaka verordnet zu bekommen, für diese Patienten weniger als ein Drittel gegenüber der Vergleichsgruppe (OR = 0,29; 95 % CI: 0,19 – 0,44).[4]

Nebenwirkungen von Arzneimitteln

Die vorliegende wissenschaftliche Evidenz zu den Nebenwirkungen derjenigen Arzneimittel, deren Gebrauch sich im Rahmen der EPI3-Studie durch eine homöopathische Behandlung signifikant reduzieren ließ, lässt den Schluss auf weitreichende Auswirkungen einer solchen Einsparung auf das Gesundheitssystem zu: Eine von der englischen Regierung beauftragte internationale Forschergruppe zum Thema Antibiotikaresistenzen gelangt in ihrem 2016 publizierten Abschlussbericht zu dem Ergebnis, dass multiresistente Keime , deren Entstehung durch den Übergebrauch von Antibiotika verursacht wird, weltweit für ca. 700.000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich sind.[5] Die Experten prognostizieren bei gleichbleibender Entwicklung bis 2050 jährlich 10 Mio. Tote und einen wirtschaftlichen Schaden in Höhe von 100 Billionen USD.

NSAID gehören zu den weltweit am häufigsten konsumierten Arzneimitteln. Für diese Wirkstoffgruppe, zu der auch Aspirin, Ibuprofen und Diclofenac gehören, wird die höchste Zahl an Fällen ernster Arzneimittelnebenwirkungen überhaupt beobachtet: Sie verursachen laut einer Studie 15,3 Todesfälle pro 100.000 Nutzer.[6] Der Direktor des Nordic Cochrane Centres, Peter Gøtzsche, hat errechnet, dass Psychopharmaka in der Altersgruppe der über 65-Jährigen für ca. 500.000 Todesfälle pro Jahr in Europa und den USA verantwortlich sind.[7] Arzneimittel aus dieser Substanzgruppe werden insbesondere älteren Menschen sehr häufig verschrieben.

Einschätzung:

Die EPI3-Kohortenstudie belegt, dass in Bezug auf das untersuchte Patientenkollektiv bei Ärzten mit homöopathischer Zusatzqualifikation mindestens genauso gute Therapieergebnisse erzielt werden wie bei rein konventionell arbeitenden. Dieser Befund deckt sich konsistent mit den Daten aus der übrigen Versorgungsforschung zur Homöopathie.[8] Hinzu kommt, dass homöopathische Therapieangebote häufig von Menschen in Anspruch genommen werden, die bereits seit längerer Zeit chronisch krank sind (97%) und die durch bereits angewandte konventionelle Behandlungsmethoden keine hinreichende Linderung ihrer Beschwerden erzielen konnten (95%).[9]  

Der Verbrauch an Antibiotika, NSAID und Psychopharmaka lässt sich durch die Anwendung der Homöopathie in signifikanten Größenordnungen reduzieren. Zu diesem kurzfristig vor allem therapeutisch relevanten Einsparungspotential ließen sich aus gesundheitsökonomischer Sicht zusätzlich die erheblichen Folgekosten durch deren Nebenwirkungen rechnen. Ein in der Schweiz durchgeführtes Health Technology Assessment [10], welches die gesamte zur Verfügung stehende wissenschaftliche Evidenz zur Homöopathie analysiert und zu ähnlichen Resultaten wie die EPI3-Studie gelangt, führte dort zusammen mit anderen Faktoren zu einer vollständigen Integration in das nationale Gesundheitssystem.

Literatur

[1] Abenhaim, L. & Begaud, B. (2016): EPI3 - Cohort of Patients with Three Common Diseases (Musculoskeletal Pain; Sleep, Anxiety and Depressive Disorders and Upper Respiratory Infections): Study on the Impact of Homoeopathic Treatment. INSERM: Öffnet externen Link in neuem FensterLink

[2] Grimaldi-Bensouda, L., Bégaud, B., Rossignol, M., Avouac, B., Lert, F., Rouillon, F. & Guillemot, D. (2014): Management of Upper Respiratory Tract Infections by Different Medical Practices, Including Homeopathy, and Consumption of Antibiotics in Primary Care: The EPI3 Cohort Study in France 2007–2008. In: PLoS ONE, 9(3), e89990. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

[3] Rossignol M., Begaud, B., Engel, P., Avouac, B., Lert, F., Rouillon, F., Bénichou, J., Massol, J., Duru, G., Magnier, A.M.,Guillemot, D., Grimaldi-Bensouda, L. & Abenhaim, L. (2012): Impact of Physician Preferences for Homeopathic or Conventional Medicines on Patients with Musculoskeletal Disorders: Results from the EPI3-MSD Cohort. In: Pharmacoepidemiol Drug Saf,. 21(10): 1093-101. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

[4] Grimaldi-Bensouda, L., Abenhaim, L., Massol, J., Guillemot, D., Avouac, B., Duru, G., Lert, F., Magnier, A.-M., Rossignol, M., Rouillon, F. & Begaud, B. (2016): Homeopathic medical practice for anxiety and depression in primary care: the EPI3 cohort study. In: BMC Complementary and Alternative Medicine, 16:125. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

[5] O’Neill, J. et al. [Review on Antimicrobial Resistance] (2016): Tackling Drug-Resistant Infections Globally: Final Report and Recommendations. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

[6] Lanas, A.; Perez-Aisa, M.A.; Feu, F.; Ponce, J.; Saperas, E.; Santolaria, S.; Rodrigo, L.; Balanzo, J.; Bajador, E.; Almela, P.; Navarro, J.M.; Carballo, F.; Castro, M. & Quintero, E.A. (2005): Nationwide Study of Mortality Associated With Hospital Admission Due to Severe Gastrointestinal Events and those Associated with Nonsteroidal Antiinflammatory Drug Use. In: Am J Gastroenterol, 100(8):1685-93. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

[7] Gøtzsche, P.C. (2016): Tödliche Psychopharmaka und organisiertes Leugnen: Wie Ärzte und Pharmaindustrie die Gesundheit der Patienten vorsätzlich aufs Spiel setzen. München: Riva.

[8] Teut, M. (2016): Versorgungsforschung zur Homöopathie. In: Baumgartner, S., Behnke, J., Frei-Erb, M., Kösters, C., Teut, M., Torchetti, L. & von Ammon, K.: Der aktuelle Stand der Forschung zur Homöopathie. Köthen: WissHom: 7-12. Öffnet externen Link in neuem FensterLink

[9] Witt, C.M., Lüdtke, R., Baur, R. & Willich, S. (2005): Homeopathic Medical Practice: Long-Term Results of a Cohort Study with 3981 Patients. In: BMC Public Health, 5, 115. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

[10] Bornhöft, G. & Matthiessen, P.F. [Hrsg.] (2006): Homöopathie in der Krankenversorgung - Wirksamkeit, Nutzen, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. Frankfurt am Main: VAS, 2006.

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„Der Arzt und die Ärztin der Zukunft sollen zwei Sprachen sprechen, die der Schulmedizin und die der Naturheilkunde und Homöopathie. Im Einzelfall sollen sie entscheiden können, welche Methode die beste für den Patienten ist.“

(Veronica Carstens)