Carstens-Stiftung: Vitamine zur Alzheimer-Prophylaxe? Besser nicht!

Rubrik: Studien kurz und knapp

Vitamine zur Alzheimer-Prophylaxe? Besser nicht!

Wer bisher annahm, dass die regelmäßige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln den Verlauf der Alzheimer-Krankheit positiv beeinflusst, wird durch neue Studienergebnisse nun desillusioniert: Multivitamine können den Abfall der Gedächtnisleistung sogar noch beschleunigen.

Die positiven Ergebnisse, die in vergangenen Beobachtungsstudien zum Einsatz von antioxidativ wirksamen Vitaminpräparaten in der Prävention der Alzheimer-Krankheit erzielt werden konnten, nahmen US-amerikanische Wissenschaftler zum Anlass, diese nun im Rahmen einer Doppelblindstudie auf den Prüfstein zu stellen.

In der sich über vier Monate erstreckenden Studie sollten bei Patienten mit prognostizierter Alzheimer-Erkrankung insbesondere die Veränderungen hinsichtlich der Alzheimer-relevanten Biomarker in der Hirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) untersucht werden. Die 28 Probanden der ersten Gruppe nahmen 800 IU Vitamin E plus 500 mg Vitamin C sowie 900 mg Alpha-Liponsäure pro Tag zu sich, die zweite Gruppe aus 25 Probanden bekam 400 mg Coenzym Q3 dreimal täglich und die dritte Gruppe (ebf. 25 Probanden) erhielt ein Placebo-Präparat.

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Die Resultate erwiesen sich als eher ernüchternd. Das in dieser Studie in hochdosierter Form eingesetzte Coenzym-Präparat zeigte keine Tendenz zur Verbesserung der relevanten Biomarker im Liquor, führte aber auch nicht zu einer verschlechterten Gedächtnisleistung. Die Präparate-Kombination aus den Vitaminen E und C sowie Alpha-Liponsäure hingegen bewirkte eine relativ geringe Absenkung der F2-Isoprostane (Marker für oxidativen Stress in der Hirn-Rückenmarksflüssigkeit). Allerdings stellten die Wissenschaftler bei den Patienten in dieser Gruppe im MMSE-Test (Mini-Mental State Examination) gleichzeitig einen beschleunigten Abfall in der Gedächtnisleistung fest.

Einschätzung:

Die Beobachtungen im Rahmen der Studie veranlassen die Wissenschaftler zu einer Warnung vor einem sorglosen Umgang mit Multivitaminpräparaten im Kampf gegen Alzheimer. Bei lediglich mäßiger Wirkung bestehe die Gefahr, den Verlauf der Erkrankung noch zu beschleunigen.

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass der Beobachtungszeitraum unter Berücksichtigung der kurzen Halbwertzeit relevanter Proteine im Liquor ausreichend war, um repräsentative Ergebnisse zu erhalten. Eine wirklich befriedigende Erklärung zu den beobachteten Phänomenen liefert diese Studie aber nicht.

Die weiterführende Untersuchung der Effekte von Multivitaminen auf das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit im Rahmen von Langzeitbeobachungen erfordert laut Aussage der Wissenschaflter eine vorherige, genauere Überprüfung einer möglichen Begünstigung des Gedächtnisverlusts durch Vitaminpräparate.

Die interessante Frage, in welchem Maße die Ernährung eine Rolle in der Entwicklung einer Alzheimer-Erkrankung spielt, und ob eine Versorgung mit natürlichen Substanzen über die tägliche Ernährung einer Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln vorzuziehen ist, wird die Alzheimer-Forscher wohl noch lange beschäftigen.

Literatur

Galasko DR, Peskind E, Clark CM, Quinn JF, Ringman JM, Jicha GA, Cotman C, Cottrrell B, Montine TJ, Ronald GT, Aisen P. Antioxidants for Alzheimer disease. A randomized clinical trial with cerebrospinal fluid biomarker measures. Arch Neurol 2012 (doi:10.1001/archneurol.2012.85) Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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