Carstens-Stiftung: Schlafstörungen – bessere Schlafqualität mit Veilchen-Öl

Studien kurz und knapp

Schlafstörungen – bessere Schlafqualität mit Veilchen-Öl

Drei Tropfen Veilchen-Öl auf Mandel-Öl-Basis vor dem Schlafengehen in die Nasenlöcher erwies sich bei Patienten mit chronischen Schlafstörungen in einer Doppelblindstudie als wirksame Methode zur Verbesserung der Schlafqualität.

Unter Schlafstörungen verschiedener Ausprägung leidet im Laufe seines Lebens schätzungsweise jeder Vierte weltweit. Jeder Zehnte hat sogar mit chronischer Insomnie zu kämpfen. Nach der Auffassung der Traditionellen Iranischen Medizin resultiert Schlaflosigkeit aus einer Temperamentstörung des Hirns, welches im Normalfall mit Kälte und Nässe assoziiert ist, im Falle einer Störung sich aber als zu trocken erweist. Da manche Pflanzen wie das Duftveilchen (Viola odorata) gemäß der Lehre der alten persischen Heilkunst ein feuchtes und kaltes Temperament aufweisen, wählten die Wissenschaftler für ihre Untersuchungen Veilchen-Öl als Intervention. Allerdings ist eine therapeutische Relevanz des Duftveilchens für Beschwerden wie Schlaflosigkeit in den alten Schriften dieses traditionellen Heilsystems nicht dokumentiert, sehr wohl aber für Mandelöl, dem eine schlaffördernde Wirkung nachgesagt wird. Aus diesem Grund wurde Mandelöl als Basis für das Duftveilchen-Öl in der Annahme einer potenziellen synergetischen Wirkung beider Öle gewählt. Als Kontrollen dienten pures Mandelöl und ein Öl ohne Wirkstoff (Placebo). Im Rahmen der Doppelblindstudie beabsichtigten die iranischen Wissenschaftler eine Verifizierung ihrer Hypothese, dass die Veilchen-Mandel-Ölkombination Schlafstörungen besser entgegenwirken kann als das reine Mandel-Öl oder aber Placebo.

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Nach dem Zufallsprinzip wurden die Studienteilnehmer drei Gruppen zugeteilt. Entweder erhielten die Probanden, die stationär in der Universitätsklinik der iranischen Stadt Mashhad untergebracht waren, über einen Zeitraum von 30 Tagen jeden Abend vor dem Schlafengehen drei Tropfen Veilchen-, Mandel- oder aber das aus 1 %-iger Carboxymethylcellulose-Lösung bestehende Placebo-Öl in beide Nasenlöcher geträufelt. Außerdem wurden zu Studienbeginn alle Probanden über Maßnahmen der Schlafhygiene informiert. Per Fragebögen (Pitsburgh Sleep Quality Index (PSQI), Insomnia Severity Index (ISI)) gaben die Patienten Auskunft über die Schlafqualität und -probleme sowie deren Konsequenzen für den Alltag, wie z.B. Tagesmüdigkeit, Schwierigkeiten mit der Alltagsbewältigung etc. Außerdem machten sie Angaben zu auftretenden Nebenwirkungen.

Von den ursprünglich 75 in die Studie eingeschlossenen Patienten beendeten 15 die Studie vorzeitig aus Gründen des Unwohlseins beim Applizieren der Nasentropfen. Somit konnten lediglich die Daten von 60 Patienten ausgewertet werden, da eine Intention-to-Treat-Analyse von den Wissenschaftlern nicht intendiert war. Bei der Auswertung der Erhebung zeigte sich, dass die Schlafstörungen sich nach 30 Tagen in allen drei Gruppen deutlich verbessert hatten. Im Vergleich mit reinem Mandel- oder aber Placebo-Öl zeigte sich das Veilchen-Öl hinsichtlich der Verbesserung schwerwiegender Schlaflosigkeit als signifikant wirksamer. Während 72,7 % der Patienten in der Veilchen-Öl-Gruppe keine schweren Schlafbeschwerden mehr aufwiesen, waren es in der Mandel- sowie in der Placebo-Öl-Gruppe nur je 15,8 %. Die Wissenschaftler erklären diesen Effekt mit der synergetischen Wirkung des im Veilchen-Öl enthaltenen flüchtigen Bestandteils Linalool und der im Mandel-Öl nachweisbaren Fettsäuren. Über Nebenwirkungen klagte keiner der Patienten. Die subjektive Bewertung der Schlafbeschwerden durch die Patienten zeigte, dass eher die Schlafqualität als die -quantität verbessert werden konnte.

Einschätzung:

Unklar bleibt in dieser Studie, warum nach einem Monat in allen drei Gruppen die Schlafbeschwerden der Studienteilnehmer verbessert werden konnte. Erklärungsansätze könnten in der subjektiven Patienteneinschätzung ihrer Beschwerden sowie in dem Fehlen einer längeren Nachbeobachtungsphase, die die weitere Entwicklung der Schlafproblematik jenseits der einmonatigen Therapiephase hätte aufzeigen können, liegen.

Die Verabreichung der Öle durch Eintröpfeln ins Nasenloch ist eine alte Methode innerhalb der Traditionellen Iranischen Medizin, mit der nicht jeder Mensch zurechtkommt, wie die hohe Abbruchquote in dieser Studie zeigt. Die Frage stellt sich, ob nicht auch eine Aufnahme der Aromen in den Ölen auf anderem Wege, wie in der im westlichen Raum angesiedelten Aromatherapie praktiziert, zu einem ähnlichen Ergebnis führt. Ein Vergleich zweier oder dreier Applikationsformen wäre daher ein interessanter Aspekt in zukünftigen Studien zu diesem Thema. Ebenso könnte die Klärung des Wirkmechanismus von Interesse sein. Zusätzlich zu den subjektiven Aussagen der Patienten wäre außerdem eine objektive Messung schlafspezifischer Parameter (zB. mittels Polysomnographie) wünschenswert.

Literatur

1) Feyzabadi Z, et al. Efficacy of violet oil, a traditional Iranian formula, in patients with chronic insomnia: a randomized, double-blind, placebo-controlled study. J Ethnopharmacol 2018; 214: 22-28 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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