Studien kurz und knapp

Radeln gegen Zucker

Übergewichtige Frauen können durch ein bereits in der frühen Schwangerschaft begonnenes Bewegungsprogramm einem Gestationsdiabetes vorbeugen.

Weltweit nehmen Übergewichtigkeit und Fettleibigkeit in allen Gesellschaftsgruppen zu. Für Frauen im gebärfähigen Alter birgt das zusätzliche Gewicht im Falle einer Schwangerschaft das Risiko eines Schwangerschaftsdiabetes, welcher wiederum eine Gefährdung der eigenen aber auch der Kindesgesundheit nach sich ziehen kann. Eine Senkung dieses Risikos kann durch eine Anpassung des Lebensstils erzielt werden, zu dem auch ausreichende, regelmäßige Bewegung gehört. Übermäßige körperliche Aktivität kann allerdings insbesondere bei Risikoschwangerschaften zu einer Fehl- oder Frühgeburt führen. Es gilt also, das rechte Maß zu finden.

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Eine chinesische Wissenschaftlergruppe untersuchte jüngst, inwieweit ein bereits im ersten Schwangerschaftstrimester begonnenes Trainingsprogramm übergewichtige Schwangere vor der Entwicklung eines Gestationsdiabetes mellitus schützt. In die randomisierte Studie wurden 300 Frauen zwischen der 8. und 12. Schwangerschaftswoche mit einer Einzelschwangerschaft und einem BMI über 24 kg/m2 eingeschlossen. Alle Frauen erhielten zusätzlich zu den schwangerschaftsbegleitenden Vorsorgeuntersuchungen am Beginn der Studie eine allgemeine Einführung über die positiven Effekte von körperlicher Aktivität während der Schwangerschaft. Die Interventionsgruppe trainierte unter Anleitung bis zur 36./37. Schwangerschaftswoche dreimal wöchentlich für 30 bis 45 Minuten auf einem Fahrradergometer. Die einzelnen Trainingseinheiten bestanden aus mehreren Intervallen unterschiedlicher Intensität (moderates Radeln im Wechsel mit anstrengenderen Phasen), eingerahmt von einer Aufwärm- und Cool-down-Phase. Das Training wurde jeweils auf die individuellen Fähigkeiten (Herzfrequenz, empfundene Anstrengung) der Probandinnen abgestimmt und im Verlauf der Studie in Anpassung an den bereits eingetretenen Trainingseffekt hinsichtlich Intensität und Dauer leicht gesteigert. Die Kontrollgruppe nahm nicht an dem Trainingsprogramm teil, erhielt aber auch keine Vorgabe, auf körperliche Aktivität zu verzichten.

Jeweils zu Studienbeginn, in der 25. und 36. Schwangerschaftswoche wurden in beiden Gruppen folgende Parameter erhoben: Größe, Gewicht, Blutwerte (Glukose, Lipide, Insulin), Blutdruck und allgemeine körperliche Aktivität. Zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche wurde ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt. Um das Risiko einer Frühgeburt durch einen verkürzten Gebärmutterhals auszuschließen, wurde im Rahmen von vier Ultraschalluntersuchungen die Zervix vermessen. Frauen mit einer Zervixlänge von weniger als 25 mm wurden aus der Studie ausgeschlossen, sowohl aus der Interventionsgruppe als auch aus der Kontrollgruppe. Primäres Outcome der Studie war die Häufigkeit eines Schwangerschaftsdiabetes. Als sekundäre Outcome-Parameter dienten die körperliche Aktivität, die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft, die biochemischen Parameter Insulinresistenz und Lipidprofil, die mütterlichen Parameter Bluthochdruck und Präeklampsie, der Geburtsmodus (spontan vaginal, unterstützt vaginal, Kaiserschnitt) und die Neugeborenen-Parameter Geburtszeitpunkt und -alter, Apgarwert sowie Gewicht und Größe bei der Geburt.

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Zu Studienbeginn wiesen die beiden Probandinnengruppen eine ähnliche Charakteristik auf. Die Drop-out-Rate während des Studienverlaufs war mit 38 Frauen in der Trainigsgruppe und 36 Frauen in der Kontrollgruppe ähnlich hoch; Hauptgrund war eine mangelnde Bereitschaft für eine weitere Studienteilnahme. Auch die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse und die Anzahl von Studienausschlüssen aufgrund einer Zervixverkürzung waren in beiden Gruppen gleich hoch. Letztgenannte Frauen wurden trotz Ausschluss weiter beobachtet. Es kam bei keiner der Schwangeren zu einer Fehlgeburt oder einem Absterben des Fötus im Mutterleib. Von den aus der Kontrollgruppe ausgeschiedenen Frauen hatten drei eine Frühgeburt.
Die Compliance in der Interventionsgruppe lag in über 80 % der Trainingseinheiten bei 90 %. Die Häufigkeit eines Gestationsdiabetes mellitus lag mit 22 % in dieser Gruppe nahezu um die Hälfte niedriger als in der Kontrollgruppe (40,6 %). Im Glukosetoleranztest hatte die Trainingsgruppe niedrigere Blutzuckerwerte als die Kontrollgruppe. Darüber hinaus zeigte die Interventionsgruppe eine höhere allgemeine körperliche Aktivität und eine geringere Gewichtszunahme als die Vergleichsgruppe. In der 25. Schwangerschaftswoche war die Insulinresistenz in der Gruppe mit Ergometertraining signifikant niedriger als in der Gruppe ohne Training. Die Blutfettwerte beider Gruppen lagen zu allen Messzeitpunkten ähnlich hoch. Von allen ausgewerteten Parametern der Neugeborenen zeigte sich ausschließlich hinsichtlich des Geburtsgewichtes, das bei der Trainingsgruppe durchschnittlich 100 g niedriger lag als in der Kontrollgruppe, ein statistisch signifikanter Unterschied.

Einschätzung:

Gemäß dieser aktuellen Studie wirkt sich ein frühzeitig begonnenes, regelmäßiges und individuell angepasstes Bewegungstraining während der Schwangerschaft bei übergewichtigen und fettleibigen Frauen präventiv auf die Entwicklung eines Schwangerschaftsdiabetes aus, ohne die Gefahr für eine Frühgeburt zu erhöhen. Zum eigenen und zum Kindeswohl sollten Frauen, die zu dieser Risikogruppe gehören, sportlich aktiv werden. Besser noch ist es, bereits vor einer Schwangerschaft durch eine Lebensstiländerung, einschließlich einer Ernährungsumstellung und regelmäßiger körperlicher Aktivität den Pfunden zu Leibe zu rücken, um schon im Vorhinein die verschiedenen übergewichtsbedingten Risikofaktoren zu minimieren.

Literatur

Wang C, Wei Y, Zhang, X, et al. A randomized clinical trial of exercise during pregnancy to prevent gestational diabetes mellitus and improve pregnancy outcome in overweight and obese pregnant women. Am J Obstet Gynecol 2017; 216(4): 340-351. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
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E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailp.koczy@carstens-stiftung.de

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