Carstens-Stiftung: Propolis gegen Lippenbläschen

Studien kurz und knapp

Propolis gegen Lippenbläschen

Die Verwendung eines Balsams mit Propolisextrakt gegen Herpes labialis zeigte in einer klinischen Studie eine bessere Wirksamkeit als Aciclovir.

Der natürliche Wirkstoff Propolis, der von Bienen zum Schutz ihres Bienenstockes vor Pilzen, Bakterien und Viren produziert wird, ist in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren zunehmend in den Fokus medizinischer Forschung gerückt. Zahlreiche präklinische und klinische Studien untersuchten die Wirkungsweise und Effektivität von Propolis unterschiedlicher Herkunft zur Behandlung verschiedenster Erkrankungen sowohl bei äußerlicher als auch innerlicher Anwendung.

Eine aktuelle Studie einer tschechischen Forschergruppe [1] vergleicht die Wirksamkeit eines Lippenbalsams mit 0,5 % Propolisextrakt mit der von 5 %-iger Aciclovir-Creme bei der Behandlung von Lippenherpes. 379 Patienten, die seit maximal 30 Stunden krankheitstypische Hautrötungen und/oder Hautknötchen zeigten und zuvor schon mindestens viermal an Lippenherpes erkrankt waren, wurden nach dem Zufallsprinzip einer der beiden Behandlungsformen zugeordnet. Die jeweilige Creme wurde den Patienten in äußerlich gleich aussehenden Tuben ausgehändigt. Die Cremes an sich unterschieden sich geringfügig in Farbe und Geruch. Die Forscher gingen aber davon aus, dass die Patienten daraus keine Erkenntnis über den enthaltenen Wirkstoff gewinnen konnten. Fünfmal täglich im Abstand von drei bis fünf Stunden sollte die jeweilige Creme auf beide Lippen aufgetragen werden. Die gesamte Behandlungszeit wurde für die Studie anhand des typischen Verlaufs eines unbehandelten Lippenherpes auf bis zu 10 Tage festgesetzt. Eine ärztliche Untersuchung und Dokumentation des Krankheitsbildes wurden an den Tagen 0, 2, 3, 4, 5 und, falls eine weitere Behandlung erforderlich war, zusätzlich an den Tagen 8 und 10 durchgeführt. Als primärer Zielparameter wurde die durchschnittliche Zeit bis zur vollständigen Verkrustung und Abheilung (Epithelisierung) verglichen. Darüber hinaus wurden die typischen Symptome wie Schmerzen, Jucken, Brennen, Spannungsgefühl und Schwellung erhoben und der Prozentsatz der Patienten dokumentiert, deren Krankheit von der vesikulären (Bläschen) in die erosive (offene Wunde) bzw. in die Epithelisierungsphase gewechselt hatte.

Die Creme mit Propolisextrakt bewirkte eine deutlich schnellere Abheilung der Lippen als Aciclovir. So hatten am vierten Tag nur noch 45 %  und am fünften Tag lediglich 10,1 % der Patienten Hautrötungen, Knötchen, Blasen oder Wunden, während es in der Aciclovir-Gruppe an den jeweiligen Untersuchungstagen noch 74,7 % bzw. 42,5 % der Studienteilnehmer waren. Ebenso entwickelten die mit Propolis-Creme behandelten Personen signifikant weniger Vesikel (42 % gegenüber 85 %) und Erosionen (39 % gegenüber 72 %) als die mit Aciclovir-Creme Behandelten. Die durchschnittliche Zeit bis zur vollständigen Verkrustung/Epithelisierung war in der Propolis-Gruppe um einen Tag kürzer (vier Tage) im Vergleich zur Aciclovir-Gruppe mit fünf Tagen. Auch hinsichtlich der mit dem Lippenausschlag einhergehenden Symptome erwies sich Propolis gegenüber Aciclovir überlegen. In keiner der Gruppen traten durch die jeweilige Behandlung unerwünschte Wirkungen auf.
Eine ergänzend durchgeführte Subgruppenanalyse zeigte, dass Frauen und jüngere Menschen etwas besser auf die Behandlung mit Propolis ansprachen als Männer und ältere Personen.

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Einschätzung:

Die Behandlung von Herpes labialis mit der in dieser Studie eingesetzten Propolis-Creme (0,5 % Propolis-Spezial-Extrakt GH 2002) kann den Krankheitsverlauf im Vergleich zu einer Behandlung mit einer 5 %-igen Aciclovir-Creme deutlich mildern und verkürzen. Insbesondere für Patienten mit einer Überempfindlichkeit/Allergie gegenüber handelsüblicher Aciclovir-Creme, die laut Herstellerangaben in seltenen bis sehr seltenen Fällen auftreten kann, könnte die Propolis-Creme eine Alternative darstellen, vorausgesetzt dass keine Überempfindlichkeit gegenüber Propolis besteht.

Ob auch Cremes aus anderen Propolisextrakten als das in der vorliegenden Studie von einem deutschen Hersteller für die Untersuchungen zur Verfügung gestellte Präparat eine ähnlich gute Wirkung zeigen, ist noch offen. Wie aktuelle Laboranalysen zeigen, gibt es durchaus Unterschiede in der pharmakologisch-chemischen Zusammensetzung von Propolis aus verschiedenen geographischen Regionen [2,3].

Literatur

1) Arenberger P, Arenbergerova M, Hladíkova M, Holcova S, Ottillinger B. Comparative study with a lip balm containing 0.5% Propolis special extract GH 2002 versus 5% Aciclovir cream in patients with Herpes labialis in the popular/erythematous stage: a single-blind, randomized, two-arm study. Curr Ther Res 2018; 88: 1-7. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

2) Al-Ani I, Zimmermann S, Reichling J, Wink M. Antimicrobial activities of European propolis collected from various geographic origins alone and in combination with antibiotics. Medicines 2018; 5(1): 2. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

3) Mohtar LG, Rodríguez SA, Nazareno MA. Comparative analysis of volatile compound profiles of propolis from different provenances. J Sci Food Agric 2017; [Epub ahead of print]. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
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(Veronica Carstens)