Studien kurz und knapp

Ohrgeräusche? Entspannen Sie sich!

Achtsamkeitsmeditation und Entspannungstherapie verhelfen Betroffenen zu einem ruhigeren Leben mit Tinnitus.

Er rauscht, pfeift, summt, klopft, zischt, klingelt oder macht sich anderweitig geräuschvoll bemerkbar: der Tinnitus. Nahezu jeder hat schon einmal Geräusche im Ohr gehabt, die nicht auf eine externe Schallquelle zurückzuführen waren. Meist verschwindet dieses Phänomen innerhalb kürzester Zeit wieder. Hält der innere Lärm jedoch weiter an und lässt sich nicht mehr ignorieren oder durch von außen kommende Geräusche übertönen, wird er für Betroffene belastend und schränkt die Lebensqualität ein. Die Entstehung des bereits in der Antike bekannten Phänomens ist bis heute nicht eindeutig geklärt und kann auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden. Verletzungen des Hörapparates, Veränderungen im Reizleitungssystem oder auch muskuläre und vaskuläre Veränderungen bedingen die Wahrnehmung von unterschiedlichen Geräuschen und eine Überempfindlichkeit gegenüber externen Geräuschen. Stresssituationen können die Symptome verstärken. Starke Symptome erzeugen wiederum Stress. Mit verschiedenen Behandlungsansätzen wird versucht, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Hierzu zählen die Achtsamkeitsmeditation und die Entspannungstherapie.

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Eine britische Wissenschaftlergruppe verglich nun erstmals die Wirksamkeit der beiden Therapieansätze unmittelbar miteinander. 86 erwachsene Personen (Durchschnittsalter Mitte 50), die seit mindestens sechs Monaten unter belastenden Ohrgeräuschen litten, wurden nach dem Zufallsprinzip auf die Behandlungsgruppe mit Achtsamkeitsmeditation und die Kontrollgruppe mit Entspannungstherapie nach Lars-Göran Öst aufgeteilt. Über einen Zeitraum von fünfzehn Wochen erhielten die Probanden in fünf Einzelsitzungen von einem erfahrenen Therapeuten nach einem standardisierten Plan 40-minütige Übungseinheiten der Achtsamkeitsmeditation bzw. der Entspannung nach Öst. Zusätzlich wurden die Probanden dazu aufgefordert, zu Hause zweimal täglich zu praktizieren. Die Meditationsgruppe verwendete hierzu unterstützend eine entsprechende Audio-CD zur Achtsamkeitsmeditation. Zu Studienbeginn und am Ende wurden die Stärke der Ohrgeräusche sowie die dadurch bedingte Einschränkung und psychische Belastung der Probanden gemessen. Verwendet wurde der Tinnitus Reaction Questionnaire (primäre Outcome-Messung) und als sekundäre Messungen die Hospital Anxiety and Depression Scale, das Health State Thermometer und eine Visuelle Analogskala zur Einstufung der Schwere des Tinnitus, der Geräuschüberempfindlichkeit sowie der Tinnituswahrnehmung.

34 von anfänglich 42 Personen in der Achtsamkeitsgruppe und 27 von 44 Personen in der Entspannungsgruppe vollendeten den Behandlungszyklus und lieferten am Ende der Studie entsprechende Vergleichsdaten zu den Ausgangswerten. In Anbetracht früherer Studienergebnisse profitierten erwartungsgemäß beide Gruppen von der jeweiligen Therapie. Die durchschnittlichen Unterschiede der Messwerte vor und nach der Behandlungsphase waren in der Achtsamkeitsgruppe höher als in der Entspannungsgruppe. Statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen wurden beim Tinnitus Reaction Questionnaire und hinsichtlich des Schweregrads des Tinnitus zugunsten der Achtsamkeitsmeditation erzielt. Die Autoren resümieren eine höhere Wirksamkeit der Achtsamkeitsmeditation gegenüber der eingesetzten Entspannungstherapie bei der Behandlung des chronischen Tinnitus.

Einschätzung:

Die Wirksamkeit stressreduzierender Behandlungsansätze zur Linderung von Ohrgeräuschen, zu denen auch die Achtsamkeitsmeditation und das Entspannungsverfahren nach Lars-Göran Öst gehören, wurde bereits in früheren klinischen Studien nachgewiesen. Nach den Ergebnissen der vorliegenden Studie scheint die Achtsamkeitsmeditation gegenüber der Entspannungstherapie mehr Nutzen zu bringen. Allerdings vernachlässigen die Autoren bei der Diskussion ihrer Ergebnisse, dass die ansonsten sehr homogenen Probandengruppen sich hinsichtlich der Anzahl der Personen mit moderatem bis schwerem Hörverlust deutlich unterscheiden. Mit 73% liegt der Anteil der Probanden mit dieser Erkrankungsproblematik in der Entspannungsgruppe fast doppelt so hoch wie in der Achtsamkeitsgruppe (38%). Möglicherweise könnte dieser Unterschied den Behandlungserfolg bzw. die Messwerte am Ende der Therapiephase beeinflusst haben.

Literatur

Arif M, Sadlier M, Rajenderkumar D, James J, Tahir R. A randomised controlled study of mindfulness meditation versus relaxation therapy in the management of tinnitus. J Laryngol Otol 2017; 131(6): 501-507. Abstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
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