Studien kurz und knapp

Natürliche Behandlung der Schuppenflechte

Zwei Überblicksarbeiten liefern eine Zusammenfassung der klinischen Evidenz pflanzlicher Mittel in innerlicher und äußerlicher Anwendung bei Psoriasis.

Die Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine der häufigsten chronischen Hauterkrankungen, die deutschlandweit schätzungsweise 2 Millionen Menschen betrifft. Als systemische Erkrankung wirkt sie sich nicht nur auf die Haut, sondern auch auf andere Organsysteme wie beispielsweise das Gefäßendothel sowie physiologische Prozesse wie z.B. den Fett- und Zuckerstoffwechsel aus. Eine der häufigsten Formen bildet die Plaque-Psoriasis (Psoriasis vulgaris), bei der meist Kopfhaut, Knie, Ellenbögen, Steißbein, bei manchen Patienten auch die Nägel, betroffen sind.

Der Krankheitsverlauf der Schuppenflechte wird geprägt von schubartig auftretenden Entzündungsreaktionen, die zu unterschiedlichen Ausprägungen von Krankheitsherden auf der Haut führen können. Diese können durch diverse (konventionelle) Maßnahmen und Therapiemöglichkeiten wie rückfettende Hautpflege, lokale Therapie mit Corticosteroiden, systemischen medikamentösen Therapien (Methotrexat, Cyclosporin A, Fumarate, Retinoide etc.) und Biologika (Adalimumab, Infliximab, Etnercept etc.) beeinflusst werden. Als ebenfalls hilfreiche Maßnahmen sind die UV-Lichttherapie (systemische PUVA-Therapie, UV-B-Therapie) sowie die Klimatherapie (z.B. Baden in salzreichem Meer, Sonnenbestrahlung) zu nennen.

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Immer häufiger greifen Psoriasis-Patienten begleitend zur konventionellen Therapie zu pflanzlichen Mitteln, sowohl zur äußerlichen als auch zur innerlichen Anwendung, da der von der konventionellen Behandlung erwartete Therapieerfolg häufig ausbleibt oder aber die Patienten sich von der Therapie mit pflanzlichen Mitteln weniger Nebenwirkungen erhoffen. Zwecks Darstellung der Studienlage und Erhebung der klinischen Evidenz zu den in der Psoriasis-Therapie eingesetzten Phytotherapeutika konzipierten US-amerikanische Wissenschaftler zwei Übersichtsarbeiten, in denen sie die Ergebnisse vergangener Forschung zusammentrugen und bewerteten. [1,2] Als Bewertungsschema zur Bestimmung der Qualität der vorliegenden Studien wurde der Jadad-Score verwendet.
Insgesamt 27 kontrollierte und unkontrollierte Studien zu pflanzlichen Mitteln in der topischen (äußerlichen) Anwendung sowie zwölf kontrollierte und unkontrollierte Studien zu pflanzlichen Mitteln in der oralen (innerlichen) Anwendung wurden im Rahmen der beiden Übersichtsarbeiten analysiert.

In der ersten Überblicksarbeit, die sich auf Mittel zur äußerlichen Anwendung (Salben, Cremes, Öl oder Gels) konzentriert, dominierten in quantitativer Hinsicht die Mahonie (Mahonia aquifolium) (6 Studien), gefolgt von Indigo naturalis (5 Studien), Capsaicin (2 Studien) und Heilkräutermischungen der Traditionellen Chinesischen Medizin (2 Studien). Für einige dieser genannten pflanzlichen Mittel – Mahonia aquifolium, Indigo naturalis, Aloe vera sowie mit leichten Einschränkungen auch Capsaicin, dem scharfen Inhaltsstoff in Chilis, Pepperoni, Pfeffer und Paprika, konstatierten die Wissenschaftler den höchsten Grad an klinischer Evidenz, da die Studien qualitativ am besten konzipiert und die Effekte größtenteils signifikant waren. Weitere untersuchte pflanzliche Mittel in der lokalen Anwendung bei Psoriasis waren 

  • Avodado-Öl in Kombination mit Vitamin B12 (1 Studie)
  • Bergamott-Öl in Kombination mit UVB-Lichttherapie (1 Studie)
  • Curcumin (1 Studie)
  • Mixtur aus naturbelassenem Honig, Oliven-Öl und Bienenwachs (1 Studie)
  • Johanniskraut bzw. Hypericum perforatum (1 Studie)
  • Kukuinuss-Öl, ein aus dem Lichtnussbaum gewonnenes, in der Traditionellen Hawaiianischen Medizin bewährtes Öl zur lokalen Therapie der Psoriasis (1 Studie)
  • Oleum horwathiensis (Psoricur™), eine in Ungarn verbreitete Kombination aus mehreren pflanzlichen Extrakten aus Schafgarbenkraut (Achilleae herba), Knoblauch (Allium sativum), Ringelblumenblüten (Calendulae flos), Löwenzahnwurzel (Taraxaci radix), Brennnesselblättern (Urtica folium) und Echtem Ehrenpreis (Veronica officinalis) (1 Studie)
  • QoolSkin, eine in Israel vertriebene Salbe, in der neben Wasser, Glycerin, Riboflavin und anderen Komponenten die pflanzlichen Bestandteile Zitronensaft (Citrus medica limonum) sowie Kaktusblütenextrakte (Cereus grandiflorus, Opuntia coccinellifera) enthalten sind (1 Studie)
  • Heilkräutermischungen der Traditionellen Chinesischen Medizin, wie z.B. "Pulian ointment" (Radix Scutellariae, Cortex Phellodendri, Indigo naturalis, and Radix Arnebiae seu Lithospermi) sowie eine Salbe namens "Shi Du Ruan Gao" (Indigo naturalis, Cortex phellodendri, Gypsum fibrosum preparatum und Galla chinensis).

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Für die wenigsten der zuletzt genannten pflanzlichen Topika konnte jedoch eine signifikante Wirkung im Vergleich mit der Kontrollmedikation oder aber Placebo festgestellt werden, mit Ausnahme von Hypericum perforatum, Bergamott-Öl und der chinesische Heilkräutersalbe "Shi Du Ruan Gao".
Leider verursachten einzelne der untersuchten pflanzlichen Mittel bei einigen Patienten unerwünschte Nebenwirkungen. Die am häufigsten zu beobachtenden Beschwerden beinhalteten lokale Hautirritationen, Erytheme (Hautrötungen), Juckreiz, Brennen und Schmerz. Bei Patienten mit besonders ausgeprägter Immunreaktion sind auch allergische Reaktionen nicht ausgeschlossen, wie ein schweres Ereignis bei einem Patienten während der Therapie mit Mahonia aquifolium dokumentiert.

Die zweite Überblicksarbeit fasst die Evidenz oraler pflanzlicher Präparationen zusammen, wobei für Heilkräutermischungen der Traditionellen Chinesischen Medizin die meisten Studien in der Analyse berücksichtigt wurden. Zum Teil erfolgte die orale Therapie in Kombination mit Kräuterbädern und Salben. In den meisten der analysierten Studien verwendete man zur Messung der Psoriasis-spezifischen Beschwerden den "Psoriasis Area and Severity Index (PASI)". Zur Verwendung kamen speziell hergestellte Dekokte mit folgenden Bestandteilen bzw. folgenden Bezeichnungen:

  • Rhizoma smilacis glabrae, Folium isatidis, Rhizoma menispermi, Oldenlandia, Rhizoma curcumae, Rhizoma polygoni cuspidati, Cornu saigae tartaricae, Gypsum fibrosum, Herba solani lyrati und Herba Duchesneae indicae
  • Yinxieling (Radix rehmanniae recen, Angelica sinensis, Radix paeoniae rubra, Ligusticum wallichii, Radices Lithospermi, Curcuma zedoary, und weiteren Bestandteilen)
  • Indigo naturalis, Ephedra, Ingwer, Zimt, Senfsamen und weiteren Bestandteilen
  • Löwenzahn, Frucht der Forsythie, Isatis (Waid), Imperata rhizoma (Wurzel des Silberhaargrases)

Die oralen Anwendungen mit den genannten Dekokten zeigten zum Teil signifikante Wirkungen, verursachten aber auch vereinzelte, meist im Magen-Darm-Trakt angesiedelte Nebenwirkungen.

Einzelne Studien untersuchten die Effekte weiterer pflanzlicher oraler Mittel in der Therapie leichter bis schwerer chronischer Plaque-Psoriasis:

  • Dunaliella bardawil (Grünalge)
  • Kombination aus Fisch- und Nachtkerzen-Öl
  • Curcumin
  • HESA-A (im Iran vertriebene Kombination aus Carum carvi (Echter Kümmel), Apium graveolens (Echter Sellerie) und Mineralstoffen)
  • Azadirachta indica (Neem)
  • Tripterygium wilfordii Hook F (Wilfords Dreiflügelfrucht)

Zwar schnitten die pflanzlichen Mittel jeweils besser ab als die Placebokontrollen, jedoch waren jeweils keine signifikanten Unterschiede zwischen den Studiengruppen festzustellen. Im Allgemeinen wurden die verwendeten Präparationen aber gut vertragen.

Einschätzung:

Die beiden Zusammenfassungen der klinischen Evidenz pflanzlicher oraler und topischer Mittel in der Behandlung leichter bis schwerer chronischer Plaque-Psoriasis können allenfalls eine erste Orientierung hinsichtlich einer erfolgreichen pflanzlichen Psoriasis-Therapie liefern. Einerseits liegt dies begründet in der fehlenden Anzahl von Studien, andererseits sind die meisten der vorliegenden Studien von bescheidener methodischer Qualität. Zudem gestaltet sich ein direkter Vergleich der ausgewerteten Studien schwierig, da zum Teil unterschiedliche Kontrollmedikationen verwendet wurden. Auch die Aussagekraft der beiden Überblicksarbeiten ist mit Vorsicht zu genießen, da der als Messinstrument verwendete Jadad-Score anfällig für subjektive Beeinflussungen ist und somit das Risiko einer Verzerrung in der Beurteilung der Studienqualitäten birgt.

Die meisten der untersuchten pflanzlichen Mittel sind außerdem sehr "exotisch", was heißt, dass die Präparate entweder nur in den Herkunftsländern zu beziehen sind oder aber – wie die Heilkräutermischungen der Traditionellen Chinesischen Medizin – von geschulten Pharmazeuten hergestellt werden müssen. Viele pflanzliche Wirkstoffe, die bei Psoriasis bereits eingesetzt werden, kommen in den beiden Überblicksarbeiten nicht zur Erwähnung, da keine Studien existieren. Dementsprechend wäre eine Verfolgung der Forschung auf diesem Gebiet im Interesse der betroffenen Patienten wünschenswert. Im Einzelfall sollte der betroffene Patient (bzw. der behandelnde Arzt) die Nutzen-Risiko-Relation einer pflanzlichen Medikation abwägen, denn nicht jedes "natürliche" Mittel wird von jedem Patienten gut vertragen.

Literatur

1) Farahnik B, Sharma D, Alban J, Sivamani RK. Topical botanical agents for the treatment of psoriasis: a systematic review. Am J Clin Dermatol 2017; 18: 451-468 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

2) Farahnik B, Sharma D, Alban J, Sivamini R. Oral (systemic) botanical agents for the treatment of psoriasis: a review. J Altern Complement Med 2017; 23(6): 418-425 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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