Carstens-Stiftung: Nach Fußgelenksverstauchung mit (Hoch-)Druck wieder auf die Beine kommen

Studien kurz und knapp

Nach Fußgelenksverstauchung mit (Hoch-)Druck wieder auf die Beine kommen

Akupressur verkürzte die Zeit der Aktivitätseinschränkung und verbesserte die Lebensqualität von Teilnehmern einer randomisierten placebokontrollierten Studie, die jedoch Schwächen aufweist.

Wer schon einmal mit dem Fußgelenk umgeknickt ist, hat sie schon kennengelernt, die PECH-Regel. Der Name ist eine Abkürzung für Pause, Eis, Compression, Hochlagern und beschreibt die Maßnahmen zur Behandlung einer akuten Verletzung des Sprunggelenks. Je nach Schwere der Verletzung müssen die Betroffenen mit einer Ruhephase von ca. acht bis fünfzehn Tagen rechnen. Bis sie wieder annähernd ihren körperlichen Aktivitäten nachgehen können, kann es noch bis zu acht Wochen dauern, und eine vollständige Heilung wird erst nach sechs bis zwölf Monaten erreicht. Gerade für junge Menschen und Sportler stellt diese Auszeit eine Geduldsprobe dar. In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden Akupunktur, Moxibustion und Akupressur bei Verstauchungen eingesetzt.

In der vorliegenden Studie gingen chinesische Wissenschaftler der Frage nach, ob Akupressur im Vergleich zu einer Standardbehandlung (PECH) und einer Placebobehandlung den Patienten zu einer schnelleren Rückkehr zu normaler Bewegungsfähigkeit und einer Verbesserung der Lebensqualität verhelfen kann. 62 Erwachsene mit einer leichten bis mittelschweren Verstauchung des Fußgelenks, die nicht länger als 48 Stunden zurücklag, wurden unter Berücksichtigung des Geschlechts nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen eingeteilt:

Gruppe A: Standardbehandlung PECH (20 Minuten Eiskühlung innerhalb 48 h nach der Verletzung + Elastischer Schlauchverband)
Gruppe B: Standardbehandlung + Akupressur
Gruppe C: Standardbehandlung + Placebo-Akupressur

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Die Akupressur und Placebo-Akupressur wurden nach dem Anlegen des Schlauchverbands und drei Tage danach durchgeführt. Für die Verum-Akupressur wurde der Punkt Yongquan am verletzten Fuß für 10 Minuten gedrückt und ebenfalls für 10 Minuten der Tenderpunkt am Daumenballen der gegenüberliegenden Körperseite. Die Placebo-Akupressur wurde an den gleichen Punkten des unverletzten Fußes und der ihm gegenüber liegenden Hand vorgenommen. Folgende Parameter wurden zu Studienbeginn, nach der ersten Behandlung, am dritten Tag, nach vier und nach acht Wochen erhoben: Lebensqualität mittels SF12v2-Fragebogen als primärer Zielparameter, Funktionalität des Gelenkes mittels American Orthopedic Foot and Ankle Score (AOFAS) Fragebogen, Schwellung des Fußes mittels Messzylinder nach dem Archimedischen Prinzip, Beweglichkeit des Fußgelenkes mittels Goniometer, Schmerzen im Fuß mittels Visueller Analog Skala.

Die Akupressur führte im Vergleich mit der Standard- und der Placebo-Behandlung zu einer deutlicheren und schnelleren Verbesserung von Schwellung, Beweglichkeit, Schmerzen und Dysfunktion des Fußgelenkes und somit zu einer Erhöhung der empfundenen Lebensqualität. Die Unterschiede zwischen Akupressur und den anderen Behandlungsformen erreichte zum Teil bereits nach der ersten Behandlung statistische Signifikanz. Am Studienende nach 8 Wochen lagen die Parameter der verschiedenen Gruppen wieder sehr nah beieinander. Allerdings wurde die Lebensqualität von den mit Verum-Akupressur behandelten Teilnehmern immer noch signifikant höher eingestuft.

Einschätzung:

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie sprechen dafür, dass eine zusätzliche Akupressurbehandlung des Yongquan-Punktes am verletzten Fuß sowie am Tenderpunkt des gegenüberliegenden Daumenballens einer ausschließlichen Behandlung mit den Standardmaßnahmen Ruhe, Kühlung, Kompression und Hochlagerung des verstauchten Fußes überlegen ist. Allerdings weist die Studie eine entscheidende Schwäche auf. Den Patienten war es erlaubt, auch andere Behandlungen in Anspruch zu nehmen, falls sie es für notwendig hielten. Eine entsprechende Dokumentation und Auswertung dieser Inanspruchnahme erfolgte im Rahmen der Studie jedoch nicht. Dies müsste bei einer zukünftigen Studie berücksichtigt oder aber eine zusätzliche Behandlung z.B. mit Analgetika oder Antiphlogistika auf bestimmte Wirkstoffe und deren Dosierung beschränkt werden, um eine Vergleichbarkeit zu erzielen.

Literatur

Zhao M, Gao W, Zhang L, Huang W, Zheng S, Wang G, Hong BY, Tang B. Acupressure therapy for acute ankle sprains: A randomized clinical trial. PM R 2018; 10(1): 36-44. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

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E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailp.koczy@carstens-stiftung.de


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