Carstens-Stiftung: Meditation plus Bewegung zur Trauma-Bewältigung nach sexueller Gewalt

Studien kurz und knapp

Meditation plus Bewegung zur Trauma-Bewältigung nach sexueller Gewalt

Die Kombination von mentalem und körperlichem Training reduzierte in einer klinischen Studie posttraumatische Belastungssymptome von Frauen besser als jeweils nur eine der beiden Aktivitäten.

Sitzen – Gehen – Schwitzen sind in Kurzform die drei Elemente des von der amerikanischen Neurowissenschaftlerin Tracey J. Shors zur Behandlung von ängstlichen, depressiven und traumatisierten Personen entwickelten MAP Training My Brain™. Das insgesamt einstündige Training besteht aus einer 20-minütigen Meditation im Sitzen, gefolgt von einer zehnminütigen Gehmeditation und schließlich einer halben Stunde aeroben Trainings bei 60-80 % des individuellen Maximalpulses. Das körperliche Training kann variieren. So kommen z.B. Laufen, Rudern, Spinning oder Aerobic in Frage. Erstmals untersuchte nun das Team um Shors, inwieweit das Trainingsprogramm geeignet ist, die posttraumatischen Belastungssymptome von sexuellen Missbrauchsopfern zu lindern. Rekrutiert wurden hierzu 105 junge erwachsene Frauen, von denen 32 in der Vergangenheit sexuell missbraucht worden waren.

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Nach dem Zufallsprinzip wurden die Studienteilnehmerinnen vier Gruppen zugeteilt: 1. MAP-Training (1 Stunde), 2. nur Meditation (30 min.), 3. nur Aerobic (30 min.), 4. kein Training (Warteliste). Das Training erfolgte über einen Zeitraum von sechs Wochen zweimal wöchentlich. Zu Beginn und am Ende der Studie wurden mittels verschiedener Fragebögen die Gedanken und Gefühle im Zusammenhang mit stressbehafteten Lebensereignissen (Post-traumatic Cognitions Inventory), die Häufigkeit wiederkehrender depressiver, grüblerischer Überlegungen (Ruminative Response Scale), das Selbstwertgefühl (Best Self Scale) und die Erinnerungskraft an die stressvollen Lebensmomente (Autobiographical Memory Questionnaire) erhoben.

Das MAP-Training reduzierte einerseits die Trauma-bezogenen Wahrnehmungen und grüblerischen Gedanken und erhöhte andererseits das Selbstwertgefühl der Teilnehmerinnen in dieser Gruppe signifikant, während in den beiden anderen Trainingsgruppen und in der Gruppe ohne Training vornehmlich nur leichte, statistisch nicht signifikante Verbesserungen oder sogar Verschlechterungen eintraten. Diese Veränderungen wurden sowohl für alle Studienteilnehmerinnen als auch für die Untergruppe der Frauen mit sexuellem Missbrauch beobachtet. Während die Erinnerungskraft an das traumatisierende Ereignis in den drei aktiven Gruppen nach der Trainingsphase nahezu unverändert blieb, war sie bei der Gruppe ohne Training erhöht.

Einschätzung:

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie sprechen dafür, dass MAP Training My Brain™ geeignet ist, u.a. Patientinnen mit einer durch sexuellen Missbrauch ausgelösten posttraumatischen Belastungsstörung Linderung zu verschaffen. Obwohl die zugrunde liegenden, neurobiologischen Mechanismen noch weitestgehend unklar sind, scheint die Kombination von Meditation und Bewegungstraining einen Synergieeffekt bei der Bewältigung stressbehafteter Erlebnisse zu haben. Diese Erkenntnis könnte auch für andere therapeutische Ansätze von Bedeutung sein und deren Weiterentwicklung bzw. Optimierung ermöglichen.

Literatur

Shors TJ, Chang HYM, Millon EM. MAP Training My Brain™: Meditation plus aerobic exercise lessens trauma of sexual violence more than either activity alone. Front Neurosci 2018; 12: 211. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

Telefon: 0201 56 305 0
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailp.koczy@carstens-stiftung.de


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