Carstens-Stiftung: Meditation oder Sport – was schützt besser vor Atemwegsinfekten?

Rubrik: Studien kurz und knapp

Meditation oder Sport – was schützt besser vor Atemwegsinfekten?

Weniger Atemwegsinfekte durch Stressreduktion: Eine Studie (MEPARI-2) untersuchte die Auswirkungen von Achtsamkeitsmeditation oder moderatem körperlichem Training auf die stressinduzierte Entwicklung von Infekten der Atemwege.

Infekte der Atemwege, allen voran Erkältungen, Influenza und andere grippale Infekte, führen zu hohen Krankenständen und verursachen mitunter hohe finanzielle Verluste auf der Arbeitgeberseite. Insbesondere für Menschen mit einer erhöhten Stressreagibilität und emotionaler Instabilität sowie einem kontinuierlich stressbehafteten Alltag ist das Risiko erhöht an Atemwegsinfekten zu erkranken. Vor diesem Hintergrund führten Wissenschaftler der Universität Wisconsin zwei Studien durch. Im ersten Schritt werteten sie den Einfluss achtsamkeitsbasierter Meditationsübungen oder eines moderaten Sportprogramms auf die Stresswahrnehmung gesunder Probanden aus. [1] Die zweite, hier vorgestellte Studie konzentrierte sich in Anwendung der Erkenntnisse aus der ersten Studie auf die präventiven Effekte der beiden Maßnahmen hinsichtlich der Entwicklung von Atemwegsinfekten. [2]

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Insgesamt 413 Studienteilnehmer wurden zufällig auf die zwei Interventionsgruppen (Meditation: 138 / Sport: 137 Teilnehmer) und die Kontrollgruppe (138 Teilnehmer) aufgeteilt. In den beiden Interventionsgruppen erhielten die Teilnehmer für jeweils zweieinhalb Stunden pro Woche über einen Zeitraum von acht Wochen ein von ausgebildeten Übungsleitern angeleitetes Training in Achtsamkeitsmeditation oder aber moderaten körperlichen Übungen. Zusätzlich wurden die Studienteilnehmer angehalten die erlernten Maßnahmen täglich 20 bis 45 Minuten zu Hause durchzuführen. Außerdem nahmen die Probanden der beiden Interventionsgruppen innerhalb des Studienzeitraums an einem am Wochenende stattfindenden, fünfstündigen, gemeinsamen Treffen ("Retreat") zum Zwecke des Austauschs und der Entspannung an einem alltagsfernen Ort teil. In der als Kontrolle dienenden Wartelistegruppe erhielten die Studienteilnehmer keinerlei Maßnahmen. Die Trainingsphasen fanden im September und Oktober statt; in den vier Maiwochen des darauffolgenden Jahres erfolgte dann wöchentlich jeweils die Nachbeobachtung, in deren Rahmen subjektive Patientenangaben zur Inzidenz, Intensität und Dauer von Atemwegsinfekten, der damit verbundene Medikamentenverbrauch sowie Arbeitsfehlzeiten aufgrund dieser Erkrankungen im Rückblick auf die vergangenen, erkältungsintensiven Monate inklusive der zweimonatigen Interventionsphase erfasst wurden. Zusätzlich wurden potenzielle Entzündungsmarker identifiziert sowie psychosoziale Faktoren wie depressive Symptome, Stresswahrnehmung, positive und negative Emotionen, Schlafqualität, Selbstwirksamkeit und Achtsamkeit erfasst.

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Zum Studienende standen den Wissenschaftlern die Daten von 390 Teilnehmern für die Auswertung zur Verfügung. In der Meditationsgruppe berichteten 74 Teilnehmer über insgesamt 112 Atemwegsinfekt-Ereignisse und 1045 Krankheitstage, in der Sportgruppe waren es 120 Ereignisse mit 1010 Krankheitstagen bei 84 Teilnehmern, während 82 der Teilnehmer in der Wartelistengruppe 134 Ereignisse und 1210 Krankheitstage zu Protokoll gaben. Die mittlere Erkrankungsintensität betrug in der Gruppe der meditierenden Teilnehmer 315 Punkte, bei den Sport ausübenden Teilnehmern 256 Punkte, und in der Gruppe ohne Training 336 Punkte. Krankheitsbedingt nicht zur Arbeit erscheinen konnten die Probanden der Meditationsgruppe an 73, die sportlich aktiven Teilnehmer an 82 und die untätigen Teilnehmer an 105 Tagen. Bei den meditierenden Teilnehmern wurden in 63 Fällen von Atemwegsinfekten per Laboruntersuchungen Viren festgestellt; in den beiden anderen Gruppen traf dies auf 64 (Sport) und 72 (Warteliste) Fällen zu. Hinsichtlich der Sekundärziele waren für die beiden Interventionsgruppen im Vergleich mit der Kontrollgruppe eine statistisch signifikante Verbesserung auf den Ebenen der Stresswahrnehmung, der seelischen Befindlichkeit, Selbstwirksamkeit, Achtsamkeit, depressiven Symptome und Schlafqualität zu beobachten.

Einschätzung:

Sowohl regelmäßige Achtsamkeitsmeditationsübungen als auch körperliches Training konnten in der vorliegenden Studie im Vergleich mit keiner präventiven Maßnahme die Häufigkeit, Intensität und Dauer von Atemwegsinfekten (moderat) reduzieren. Dabei war eine leichte Tendenz zugunsten der Meditationsgruppe zu beobachten. Allerdings bestand die Studienpopulation aus jüngeren, allgemein weniger infektanfälligen Probanden, die eine Projektion der Studienergebnisse auf weitaus höher infektgefährdete Menschen in der Bevölkerung nicht zulässt. Die positiven Resultate zugunsten der beiden untersuchten präventiven Maßnahmen auf der mentalen Ebene sowie korrelierender Beschwerden und Befindlichkeiten sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Interessant wäre jedoch für zukünftige Studien ein direkter Vergleich mit konventionellen präventiven Verfahren, wie beispielsweise der Grippeimpfung, unter der Prämisse, dass der Fokus der Studie ausschließlich auf die Untersuchung von viralen Grippeerkrankungen verlegt wird. Möglicherweise ließe sich die oft unwirksame und teils belastende Impfmaßnahme durch regelmäßige meditative oder sportliche Übungen vermeiden.

Literatur

1) Goldstein E, Topitzes J, Brown RL, Barrett B. Mediational pathways of meditation and exercise on mental health and perceived stress: a randomized controlled trial. J Health Psychol 2018; epub ahead of print Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

2) Barrett B, Hayney MS, Muller D, Rakel D, Brown R, Zgierska AE, Barlow S, Hayer S, Barnet JH, Torres ER, Coe CL. Meditation or exercise for preventing acute respiratory infection (MEPARI-2): a randomized controlled trial. PLOS ONE 2018; 13(6): e0197778 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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