Studien kurz und knapp

Kügelchen für Zappelphilipp/a

Randomisierte, placebokontrollierte Studie belegt die Wirksamkeit individuell ausgewählter homöopathischer Arzneimittel bei der Behandlung von ADHS. Die betroffenen Kinder profitierten in klinisch relevantem Ausmaß. Die signifikant positiven Ergebnisse dieser Pilotstudie werden durch andere Arbeiten zum selben Thema gestützt.

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gehört zur Gruppe der Verhaltens- und emotionalen Störungen. Meistens beginnt die Erkrankung im Kindes- und Jugendalter. Kernsymptome sind Aufmerksamkeitsstörungen, Hyperaktivität und Impulsivität. Die Unruhezustände der Patienten finden ihre neurologische Entsprechung in einer Regulationsstörung der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin. Sowohl genetische als auch familiäre Faktoren, wie etwa die Eltern-Kind-Beziehung und der Erziehungsstil, spielen vermutlich eine sehr wichtige Rolle bei der Entstehung der Krankheit. Darüber hinaus können bestimmte Einflüsse den Verlauf von ADHS negativ beeinflussen. Hierzu gehören etwa ein erhöhter Medien- und Fernsehkonsum sowie ein bewegungsarmer Lebensstil mit wenig Aufenthalt im Freien.[1] Mit psychoedukativen und pädagogischen Trainingsprogrammen, unter anderem zur Stärkung des Selbstwertgefühls oder zur Verbesserung der Konzentrations- und Entspannungsfähigkeit, kann häufig eine Besserung der ADHS-Symptomatik erzielt werden. Auch ergotherapeutische und neurophysiologische Behandlungsansätze können sich als hilfreich erweisen.

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Methylphenidat (Ritalin)

Kontrovers diskutiert wird die medikamentöse Behandlung von Kindern, die unter ADHS leiden, mit Methylphenidat (Ritalin). Dieses Stimulanz beeinflusst die Verstoffwechselung von Dopamin und Noradrenalin und entfaltet eine an- und aufregende Wirkung. In seinem Wirkungsmechanismus ähnelt es dem Kokain.[2] Bei vielen Patienten verbessert Ritalin zumindest kurzfristig die Konzentrationsfähigkeit. Während 1993 in Deutschland 34 kg Ritalin verschrieben wurden, waren es 2010 bereits 1.800 kg; dies entspricht in etwa einer Zunahme um den Faktor 50.[3] Es ist nicht hinreichend wissenschaftlich belegt, ob Ritalin langfristig wirksam ist. Zudem besteht ernstzunehmender Verdacht, dass diese Substanz in der Langzeitanwendung Suchtprobleme erzeugt. Methylphenidat kann das Herz schädigen und verursacht bei etwa 10 % der behandelten Kinder eine bipolare Störung.[4]

Material und Methoden

Die vorliegende randomisierte, placebokontrollierte Studie [5] untersucht die Wirksamkeit einer homöopathischen Behandlung bei Kindern, die an ADHS leiden. 61 Patienten im Alter zwischen sechs und fünfzehn Jahren mit gesicherter ADHS-Diagnose wurden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt. Nach einer eingehenden Fallaufnahme (Anamnese) erhielten die Patienten der Verum-Gruppe ein individuell ausgewähltes homöopathisches Arzneimittel in aufsteigenden LM-Potenzen (Verdünnungsverhältnis 1:50.000) zur täglichen Einnahme.

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Die Kontrollgruppe erhielt ein nicht unterscheidbares Placebopräparat, das analog eingenommen wurde. Der Untersuchungszeitraum betrug zwölf Monate. Das homöopathische Mittel konnte im Bedarfsfall bei Folgekonsultationen nach drei beziehungsweise sechs Monaten gewechselt werden. Kinder, die unter konventioneller pharmakologischer Therapie (Ritalin) standen, wurden nicht in die Studie aufgenommen. Ebenso durften die Patienten in beiden Gruppen keinerlei nicht-medikamentöse Verfahren zur Behandlung der ADHS-Störung (Verhaltenstherapie u.ä.) anwenden. Um die Wirksamkeit der Interventionen zu messen, wurden jeden Monat diverse Standardtestverfahren durchgeführt. Die von den Eltern auszufüllende Conner’s Parents Rating Scale beispielsweise ist ein gängiges Instrument zur Beurteilung von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern. Die beiden Patientengruppen waren zu Beginn der Studie hinsichtlich der Schwere der ADHS-Störung weitestgehend miteinander vergleichbar. Für die Endauswertung wurden die Ergebnisse für eventuelle Abweichungen adjustiert.

Ergebnisse

Es wurden neun verschiedene homöopathische Arzneimittel während des Studienverlaufs eingesetzt. Die besten Resultate zeigten sich in den Fällen, in denen Calcium carbonicum (n=8) verschrieben wurde, die schlechtesten ergaben sich bei der Verordnung von Sulphur (n=2). Die Auswertung der Messdaten nach zwölf Monaten weist darauf hin, dass die eingesetzten potenzierten Substanzen spezifisch wirksam waren. Die mittlere Effektstärke über alle Zielparameter hinweg wird zum Studienende mit 0,57 angegeben. Das bedeutet, dass eine mittelgroße, klinisch relevante Linderung der untersuchten Symptomatik bewirkt werden konnte, die mit dem Placebopräparat nicht zu erzielen war. Die Autoren schlussfolgern, dass die Behandlung von ADHS-Störungen mit individuell ausgewählten homöopathischen Arzneimitteln wirksam ist.

Einschätzung:

Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine Pilotstudie. Aus methodischer Sicht sind die Resultate daher vorsichtig zu interpretieren. Auch sah das Design nur eine einseitige Verblindung vor: Die behandelnden Ärzte wussten, ob ein Patient Verum oder Placebo erhielt. Dieser Sachverhalt kann eine Verzerrung der Ergebnisse in verschiedene Richtungen bewirken. Neben diesen möglichen Einschränkungen kann positiv hervorgehoben werden, dass sämtliche Methoden und Ergebnisse umfangreich und sauber dokumentiert wurden. Außerdem wurden detaillierte Daten zu den eingesetzten Arzneimitteln erhoben. Hinsichtlich der untersuchten homöopathischen Behandlung von ADHS kann aufgrund der vorliegenden Daten konstatiert werden, dass sie vermutlich wirksam ist. Die Betroffenen profitierten in einer relevanten Größenordnung von der Therapie. Dieser Befund wird durch die Resultate anderer, zum Teil doppelblinder Studien untermauert, welche ebenfalls signifikant positive Effekte nachweisen konnten.[6-8]

Literatur

[1] Weiss MD, Baer S, Allan BA, Saran K, Schibuk H. The screens culture: impact on ADHD. Attention Deficit and Hyperactivity Disorders. 2011;3(4):327-334. Öffnet externen Link in neuem FensterVolltext
[2] Volkow ND, Wang GJ, Fowler JS, Fischman M, Foltin R, Abumrad NN, Gatley SJ, Logan J, Wong C, Gifford A, Ding YS, Hitzemann R, Pappas N.: Methylphenidate and cocaine have a similar in vivo potency to block dopamine transporters in the human brain. In: Life Sciences. 65. Jg., Nr. 1, 1999, S. 7–12. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract
[3] Hoffmann C, Schmelcher, A.: Wo die wilden Kerle wohnten. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 16.02.2012: 2-3. Öffnet externen Link in neuem FensterVolltext
[4] Gøtzsche PC: Deadly Medicines and Organised Crime: How Big Pharma Has Corrupted Healthcare. London: Radcliffe, 2013: S. 194. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract
[5] Oberai, P.; Gopinadhan, S.; Varanasi, R.; Mishra, A.; Singh, V.; Nayak, C.: Homoeopathic management of attention deficit hyperactivity disorder, A randomised placebo-controlled pilot trial. Ind J Res Hom 2013; 7(4): 158-167.
[6] Strauss, L.C.: The efficacy of a homeopathic preparation in the management of attention deficit hyperactivity disorder. Biomed Ther 2000; 18(2): 197-201.
[7] Lamont, J.: Homoeopathic Treatment of Attention Deficit Hyperactivity Disorder, A Controlled Study. Biomed Ther 1998; 16(3): 219-222.
[8] Frei, H.; Everts, R.; Ammon, K. von; Kaufmann, F.; Walther, D.; Hsu-Schmitz, S.-F.; Collenberg, M.; Fuhrer, K.; Hassink, R.; Steinlin, M.; Thurneysen, A.: Homeopathic treatment of children with attention deficit hyperactivity disorder, A randomised, double blind, placebo controlled crossover trial. Eur J Pediatr 2005; 164(12): 758-767. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Dr. Jens Behnke, Carstens-Stiftung : Natur und Medizin

Dr. Jens Behnke

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(Veronica Carstens)