Carstens-Stiftung: Honig bei Wundheilung

Studien kurz und knapp

Heilsamer Honig dank Symbiose zwischen Bienen und Milchsäurebakterien

Schwedische Wissenschaftler ergründen die Wirkkraft des seit Jahrtausenden in verschiedenen Kulturen zur Wundheilung eingesetzten Heilmittels.

In Anbetracht zunehmender Antibiotika-Resistenzen pathogener Bakterienstämme wird bei der Bekämpfung von bakteriellen Infektionen chronischer Wunden sowohl in der Human- also auch in der Veterinärmedizin intensiv nach Alternativen gesucht. Honig hat weltweit eine lange ethnomedizinische Tradition und wurde in neuerer Zeit für die moderne medizinische Versorgung wiederentdeckt. Seine antimikrobielle Wirkung wird auf seinen niedrigen pH-Wert, seine hohe Osmolarität und den Gehalt an Wasserstoffperoxid, Flavonoiden, Phenolsäuren, Methylglyxoal und weiteren bioaktiven Inhaltstoffen zurückgeführt.
Produzenten dieser bioaktiven Substanzen sind Milchsäurebakterien, die als Symbionten im Magen der Biene leben und ebenfalls im Honig enthalten sind. Eine schwedische Forschergruppe isolierte 13 der nahezu 40 verschiedenen Bakterienstämme aus dreierlei Bienenarten und untersuchte, welche bioaktiven Stoffwechselprodukte von den Milchsäurebakterien freigesetzt werden, zu welchen Anteilen sie in unterschiedlichen Honigsorten enthalten sind und in welchem Maße sie das Wachstum wundpathogener Bakterien einzudämmen vermögen [1]. Die Wissenschaftler konnten eine Vielzahl verschiedener Metabolite identifizieren und ebenfalls in den untersuchten Honigsorten nachweisen. Die isolierten Milchsäurebakterien der Gattungen Lactobacillus und Bifidobacterium zeigten sowohl alleine als auch gemeinsam unterschiedlich starke antimikrobielle Wirkung gegen die in dem  In-vitro-Experiment getesteten antibiotikaresistenten Wundbakterien.
In einem weiteren Schritt untersuchten die Wissenschaftler die antimikrobielle Wirksamkeit der 13 Milchsäurebakterienstämme in einer standardisierten Kombination mit sterilisiertem Heidehonig an isolierten pathogenen Keimen aus chronischen Wunden von menschlichen Patienten [2]. Die meisten Wundisolate enthielten zahlreiche Bakterienarten; unter den insgesamt 42 Arten waren Staphylococcus aureus und Enterococcus faecilis am häufigsten vorhanden. Sowohl als Gel als auch als Spray aufbereitet hemmte die Symbionten-Honig-Mischung das Wachstum der pathogenen Keime ähnlich gut wie verschiedene Antibiotika, während der sterilisierte Honig allein keinerlei antibakterielle Wirkung zeigte.
Eine veterinärmedizinische Anwendung der Symbionten-Honig-Mischung überprüften die Wissenschaftler an Pferden mit chronischen Wunden (> 1 Jahr) [3]. Wiederum wurden die pathogenen Keime anhand von Isolaten aus den Wunden der Tiere charakterisiert und die antibakterielle Wirkung der Milchsäurebakterien-Honig-Mischung getestet. Darüber hinaus wurden die Wunden der Pferde über einen Zeitraum von 20 Tagen jeden zweiten Tag mit der Mischung in Form von Gel und Spray behandelt. Auch in dieser Studie zeigte die Symbionten-Honig-Mischung in vitro eine effektive antibakterielle Wirkung und förderte in vivo die Wundheilung. Bei drei Pferden hatten sich die Wunden am Ende der Behandlungsphase sogar gänzlich geschlossen.

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Einschätzung:

Die vorgestellten Forschungsergebnisse sind wichtige Meilensteine in der Entwicklung einer alternativen Methode zur Behandlung chronischer, mit antibiotikaresistenten Bakterien infizierter Wunden. Als nächster Schritt ist eine Verwendung der Symbionten-Honig-Mischung in der klinischen Behandlung menschlicher Patienten zu überprüfen. Denkbar wäre auch eine gezielte Anreicherung des sterilisierten Honigs mit einer für spezielle pathogene Keime besonders effektiven Symbionten-Kombination.
Honig hat somit nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch als Heilmittel einen hohen Stellenwert, und damit auch der Schutz seiner Produzenten, der Honigbienen. Derart biologisch und ökologisch komplexe Prozesse und Zusammenhänge sind von Menschen nicht einfach nachbildbar. Aber wir können sie uns zunutze machen.

Literatur

1) Olofsson TC, Butler È, Markowicz P, Lindholm C, Larsson L, Vásquez A. Lactic acid bacterial symbionts in honebees – an unknown key to honey’s antimicrobial and therapeutic activities. Int Wound J 2016; 13(5): 668-679. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

2) Butler È, Oien RF, Lindholm C, Olofsson TC, Nilson B, Vásquez A. A pilot study investigating lactic acid bacterial symbionts from the honeybee in inhibiting human chronic wound pathogens. Int Wound J 2016; 13(5): 729-738. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

3) Olofsson TC, Butler, È, Lindholm C, Nilson B, Michanek P, Vásquez, A. Fighting off wound pathogens in horses with honeybee lactic acid bacteria. Curr Microbiol 2016; 73(4): 463-473. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

Telefon: 0201 56 305 0
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailp.koczy@carstens-stiftung.de


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