Carstens-Stiftung: Hagebutte senkt das Risiko einer Blasenentzündung nach dem Kaiserschnitt

Rubrik: Studien kurz und knapp

Hagebutte senkt das Risiko einer Blasenentzündung nach dem Kaiserschnitt

Eine erste Studie liefert Hinweise auf das Potenzial von Hagebuttenpulver in der Prävention von Harnwegsinfekten durch Blasenkatheterisierung nach einem Kaiserschnitt.

Nach einem Kaiserschnitt ist das Risiko eines Harnwegsinfekts (Blasenentzündung) durch Maßnahmen wie die transurethrale Blasenkatheterisierung um das Fünffache erhöht. Während der Katheterisierung können von außen Bakterien eindringen, die in erhöhter Anzahl im Harn zu schmerzhaften Beschwerden führen können. Laut aktueller Forschungsdaten wird zu einer prophylaktischen Antibiotikagabe vor dem chirurgischen Eingriff geraten. [1] Über Langzeiteffekte der Antibiotikaeinnahme der (stillenden) Mutter auf die Gesundheit des neugeborenen Kindes liegen jedoch bisher keine ausreichenden Erkenntnisse vor. Zunehmend werden mittlerweile jedoch pflanzliche Alternativen zur Entzündungshemmung postpartum untersucht. In Zellversuchen zeigte sich beispielsweise die Hundsrose (Rosa canina) hinsichtlich der Hemmung des Bakterienwachstums, insbesondere des Bakteriums Escherichia coli, als effektiv. Die Früchte dieser Wildrose (Hagebutten) gelten wegen ihres hohen Gehalts an Vitamin C als potentes Antioxidantium.

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Iranische Wissenschaftler untersuchten nun in der ersten klinischen Studie zu dieser Thematik die präventive Wirkung der Hagebutte hinsichtlich der Entwicklung von Harnwegsinfekten bei Frauen, bei denen ein Kaiserschnitt durchgeführt wurde. [2] Die 400 Studienteilnehmerinnen wurden zu gleichen Teilen zufällig zwei Gruppen zugeteilt. Die Patientinnen in der Verumgruppe erhielten zwei Wochen lang zwei Mal täglich eine Kapsel, die 500 mg Hagebuttenpulver enthielt. In der Kontrollgruppe bekamen die Frauen dem Verum in Geschmack, Geruch und Aussehen gleichende Placebo-Kapseln in derselben Dosis. Mit der Einnahme der Kapseln begannen die Studienteilnehmerinnen 48 Stunden nach dem Eingriff. Zu zwei Zeitpunkten – sieben bis zehn Tage sowie 20 Tage nach dem Kaiserschnitt – wurden Urinproben entnommen, die hinsichtlich des Bakterienwachstums (asymptomatische Bakteriurie) untersucht wurden. Außerdem wurde auf der Basis der von den Patientinnen berichteten Symptome das Auftreten einer Blasen- und/oder Nierenbeckenentzündung dokumentiert. Angaben der Studienteilnehmerinnen bzgl. des Auftretens von Nebenwirkungen hielten die Wissenschaftler ebenfalls fest.

Zum ersten Follow-Up-Zeitpunkt stellten die Wissenschaftler bei 4 Frauen in der Verumgruppe und 13 Frauen in der Placebogruppe eine asymptomatische Erhöhung der Bakterienzahl fest. Zum Kontrollpunkt nach 20 Tagen war diese Entwicklung bei 3 Patientinnen in der Verumgruppe und 19 Patientinnen in der Placebogruppe zu beobachten. Das Risiko einer asymptomatischen Bakteriurie war demnach in der Kontrollgruppe signifikant höher als in der Gruppe, die die Hagebuttenkapseln einnahm. Eine Blasenentzündung wurde zum ersten Nachbeobachtungspunkt bei 5 Frauen in der Placebogruppe festgestellt, aber bei keiner der Patientinnen in der Verumgruppe. Nach 20 Tagen hatten 6 Studienteilnehmerinnen in der Verumgruppe und 3 in der Placebogruppe eine Blasenentzündung entwickelt. Diese wurden einer Antibiotika-Therapie unterzogen. Ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen war dahingehend nicht festzustellen. Bei keiner der Frauen wurde eine Nierenbeckenentzündung diagnostiziert. Leichte Nebenwirkungen wie z.B. Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerz und moderate Hautreaktionen wurden von 8 Patientinnen berichtet. Am Ende gaben 85% aller Studienteilnehmerinnen an, mit der Medikation sehr zufrieden zu sein.

Einschätzung:

Aufgrund des hohen Vitamin C-Gehalts, dessen Anteil in dieser Studie 880 mg/100 ml gelösten Hagebuttenpulvers entsprach, stellt die Hagebuttenfrucht gemäß dieser ersten Studie ein hochwirksames Antioxidantium zur Prävention einer asymptomatischen Bakteriurie nach einem Kaiserschnitt dar. Eine der Stärken dieser Studie stellt die Dreifachverblindung dar, d.h. weder die Patientinnen noch die involvierten Ärzte und PflegerInnen sowie die mit der Analyse der Daten betrauten Wissenschaftler wussten um die Zuteilungsdetails der Kapseln. Als schwach bewerten die Autoren der Studie die kurze Beobachtungszeit von 20 Tagen und empfehlen für zukünftige Studien eine Erweiterung der Post-Partum-Nachbeobachtungszeit um weitere 20 Tage. Ein Vergleich mit Antibiotika als Kontrollmedikation wäre möglicherweise ebenfalls interessant.

Literatur

1) Bollig C, Meerpohl J, Lang B, Motschall E, Schmucker C. Prä- versus postpartale antibiotische Infektionsprophylaxe beim Kaiserschnitt. Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse. Cochrane 2016 (Bericht) Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

2) Seifi M, Abbasalizadeh S, Mohammad-Alizadeh-Charandabi S, Khodaie L, Mirghafourvand M. The effect of Rosa (L. Rosa canina) on the incidence of urinary tract infection in the puerperium: a randomized placebo-controlled trial. Phytother Res 2018; 32: 76-83 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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