Carstens-Stiftung: Grüner Tee beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.

Carstens-Stiftung: Grüner Tee beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.

Rubrik: Studien kurz und knapp

Grüner Tee zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Eine große Rolle in der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen Polyphenole, da sie die Bildung freier Radikale verhindern. In der Medizinforschung stößt man aktuell vermehrt auf die Aussage, besonders reich an Polyphenolen sei Grüner Tee.

Im Jahr 2005 verstarben laut einem aktuellen Gesundheitsbericht des Statistischen Bundesamts rund 830.000 Männer und Frauen an Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Damit bleiben Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzversagen – noch vor Krebsleiden – die Todesursache Nummer Eins in Deutschland.[1] 

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Zudem wird in Deutschland für die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedeutend mehr Geld ausgegeben als in anderen europäischen Ländern. So betragen die Ausgaben pro Kopf in Deutschland 423 Euro, in Großbritannien 352 Euro, in Schweden 318 Euro und in den Niederlanden 260 Euro. Im Vergleich dazu bildet allerdings die USA mit Gesundheitskosten für die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen von ca. 715 Euro pro Einwohner die Spitze.[2]

Zu den Ursachen der Entstehung von Herz-Kreislauf-Problemen gehören unter anderem ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung, Rauchen und Stress. Diese Faktoren können leicht zu erhöhten Blutdruckwerten, Übergewicht, Diabetes oder einer Verkalkung der Arterien führen. Sind diese Beschwerden erst einmal da, kann es zu einem schwerwiegenderen Folgeereignis wie einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommen. Wie wichtig die Vorbeugung der Grunderkrankungen bzw. Beschwerden ist, die zu ernsthafteren Vorfällen führen können, verdeutlicht die Tatsache, dass mehr als 90 Prozent aller Herzinfarkte auf vermeidbare Risiken wie die oben genannten zurückzuführen sind.[3]

Eine wesentliche Rolle in der Vorbeugung diverser Erkrankungen spielen Substanzen wie z.B. die in Rotwein, Tee usw. enthaltenen Polyphenole, welche die Bildung freier Radikale verhindern und somit antioxidativ wirken, d.h. sie kommen dem Schutz der Zellen und Gefäße, z.B. vor arteriosklerotischen [a] Veränderungen zugute.

In Meldungen aus der Medizinforschung stößt man aktuell vermehrt auf die Aussage, dass besonders Grüner Tee reich an antioxidativen Substanzen, und zwar besagten Polyphenolen, sei. Während ihrer Untersuchungen wurden die Forscher insbesondere auf das sog. Epigallocatechingallat (EGCG) aufmerksam, ein Katechin, das zur Untergruppe der Polyphenole gehört. Diesem Katechin wird neben antioxidativen Eigenschaften eine höhere Schutzfunktion der Zellen nachgesagt. Aktuelle Studien konnten jedoch die Vermutung, dass durch die regelmäßige Zufuhr von EGCG, beispielsweise durch das Trinken von Grünem Tee oder der Einnahme dieser Substanz in Kapselform, Erkrankungen an diversen Krebsformen verhindert werden könnten, nicht bestätigen. [b]

Grüner Tee wird wie Schwarzer Tee und Oolong-Tee aus der Teepflanze, Camellia sinensis, hergestellt, unterläuft aber in der weiteren Verarbeitung nicht wie diese beiden Teesorten dem Fermentationsprozess, der für die (rötlich-)braune Farbe dieser Teesorten verantwortlich ist.[c, 4] Besonders im asiatischen Raum wird Grüner Tee konsumiert, findet aber im westlichen Raum immer mehr Anhänger. Neben der schützenden Wirkung vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen weist Grüner Tee aber noch andere schützende Eigenschaften auf, wie z.B. Kariesprophylaxe durch den sehr hohen Fluoridgehalt der Teepflanze Camellia sinensis. Auch zur Reduzierung von Übergewicht – Ursache verschiedener Erkrankungen – eignet sich der Grüne Tee, da er thermogenetische Eigenschaften aufweist, die für eine bessere Energieverwertung im Organismus und damit für eine beschleunigte Fettverbrennung sorgen.[5] Möglicherweise hilft Grüner Tee auch dabei, das Fortschreiten unheilbarer Nervenleiden wie der Huntington'schen Krankheit ("Veitstanz") zu verlangsamen, wie eine kürzlich veröffentlichte Forschungsarbeit vermuten lässt. Klinische Studien an Menschen stehen hier jedoch noch aus.[6]

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In einer großen, in Japan über einen Zeitraum von elf Jahren durchgeführten aktuellen Beobachtungsstudie (Ohsaki-Studie) konnte gezeigt werden, dass ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von Grünem Tee und einem verminderten Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, besteht. Von den 40.000 Testpersonen im Alter zwischen 40 und 79 Jahren wiesen diejenigen, die mehr als fünf Tassen Grünen Tee pro Tag tranken, eine um 16% niedrigere Sterblichkeitsrate auf als diejenigen, die weniger als eine Tasse täglich konsumierten. Auffällig sind die Unterschiede in der Wirkung zwischen beiden Geschlechtern. So konnte für die Frauen im Vergleich zu den Männern durch den höheren Teekonsum ein bis zu 31% geringeres Risiko für die Erkrankung an Herz-Kreislauf-Erkrankungen festgestellt werden.[7]

In einer kürzlich erschienenen Übersichtsarbeit wird sogar die Vermutung nahegelegt, es gebe einen positiven Effekt des Konsums von Grünem Tee auf die Entwicklung von Herz-Kreislauf- und Krebs-Erkrankungen bei Rauchern. Die Forscher nennen dieses Phänomen "Asiatisches Paradox", das die erstaunliche Beobachtung bezeichnet, dass in asiatischen Ländern, in denen ja bekanntlich häufig und viel Grüner Tee getrunken wird (durchschnittlich 1,2 Liter pro Tag), Herz-Kreislauf- und Krebs-Erkrankungen trotz hohen Zigarettenkonsums seltener auftreten.[8]

Zusammenfassend kann man auf der Grundlage der Studienlage feststellen, dass Grüner Tee mittlerweile eine bedeutende Rolle in der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen einnimmt, während aber hinsichtlich einer möglichen krebsvorbeugenden Wirkung noch weitere Langzeitstudien aussteh

[a] arteriosklerotisch/Arteriosklerose = durch Arterienverkalkung bedingt/Arterienverkalkung.
– Def.: Fortschreitende     Degeneration der arteriellen Gefäße infolge krankhafter Veränderung der Gefäßinnenhaut (Duden Wörterbuch medizinischer Fachausdrücke. Stuttgart: Thieme, 1985)

[b] Zum Thema "Grüner Tee in der Krebsprävention" ist bei der Carstens-Stiftung  ebf. ein Kurz-Review  erhältlich.

[c] Die Fermentation von Tee bedeutet, dass durch Einwirkung von Sauerstoff unter Mitwirkung von Bakterien, die einen Großteil der Gerbstoffe im Grünen Tee zerstören, aus den grünen Teeblättern der sog. Schwarze Tee hergestellt wird.

Einschätzung:

Aus Sicht der Carstens-Stiftung ergeben sich aus der bisherigen Forschung folgende Schlussfolgerungen:
Zur möglichen Wirksamkeit von Grünem Tee bei verschiedenen Erkrankungen kann auf zahlreiche klinische Studien zurückgegriffen werden. Die meisten Studien wurden im asiatischen Raum durchgeführt, so dass sich die Ergebnisse nur bedingt auf die westliche Lebenssituation übertragen lassen, da Faktoren wie eine gesündere Ernährung in den asiatischen Ländern die Studien positiv beeinflusst haben könnten. Die vermehrte Durchführung von Studien mit Grünem Tee in westlichen Ländern wäre also zu Vergleichszwecken wünschenswert.

Die Studien sind größtenteils als Langzeitkohortenstudien angelegt und liefern wegen der hohen Anzahl von Probanden sowie der langen Studiendauer repräsentative Ergebnisse. Die gesundheitsfördernde Wirkung des Grünen Tees im Hinblick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleibt bis jetzt aber unangefochten.

Warum der Grüne dem Schwarzen Tee vorzuziehen ist, konnte man bisher ebenfalls nicht klären. Man vermutet, dass es an der hohen Menge des Epigallocatechingallat (EGCG) liegt, die im Grünen Tee in fünffach höherer Menge vorkommt als im Schwarzen Tee.

Wegen seiner gesundheitserhaltenden Effekte kann Grüner Tee für den (maßvollen) täglichen Konsum als Beitrag zu einer gesunden Ernährung empfohlen werden. Da Grüner Tee wie Kaffee auch Koffein enthält, sollten nicht viel mehr als 3 bis 5 Tassen am Tag getrunken werden. Wegen der harntreibenden Wirkung des Tees sollte immer Wasser dazugetrunken werden. Tee aus biologischem Anbau ist zu bevorzugen, da im konventionellen Teeanbau vermehrt Pestizide verwendet werden.

Auch wenn Sie mit wenigen und milden Nebenwirkungen rechnen können, sollten Sie bei Problemen den Tee nicht mehr zu sich nehmen und einen Arzt konsultieren. Vor einem übertrieben hohen Konsum – auch in der Schwangerschaft - ist zu warnen.

Literatur

1) Statistisches Bundesamt, Zweigstelle Bonn, Pressemitteilung vom 15. September 2006, Herzkreislauferkrankung bleibt häufigste Todesursache Opens external link in new windowAbstract

2) Léal J, Luengo-Fernández R, Gray A, Petersen S, Rayner M. Economic burden of cardiovascular diseases in the enlarged European Union. Eur Heart J 2006; 27(13): p 1610-1619 Opens external link in new windowAbstract

3) Studie zit. aus Lutterotti N von, Eine für alle – nur noch eine Tablette gegen den Herzinfarkt?, FAZ, 01.09. 2004, Nr. 203, S. N1 Opens external link in new windowAbstract

4) Netsch M, Kreuter MH. Der grüne Tee (Camellia sinensis), Z Phytother 2003; 24(4): p 197-202

5) Cooper R, Morré DJ, Morré DM. Medicinal benefits of green tea: Part I. Review of noncancer health benefits, J Altern Complement Med 2005; 11(3): p 521-528 Opens external link in new windowAbstract

6 )Ehrnhöfer DE et al. Green tea (-)-epigallocatechin-gallate modulates early events in Huntington misfolding and reduces toxicity in Huntington's disease models. Hum Mol Genet 2006; 15(18): p2743-2751 Opens external link in new windowAbstract

7) Kuriyama S et al. Green tea consumption and mortality due to cardiovascular disease, cancer, and all causes in Japan. The Ohsaki study, JAMA 2006; 296, p 1255-1265 Opens external link in new windowAbstract

8) Sumpio BE et al. Green tea, the "Asian Paradox", and cardiovascular disease, J Am Coll Surg 2006; 202(5), 813-825 Opens external link in new windowAbstract


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(Veronica Carstens)