Studien kurz und knapp

Burnout: Starkes Nervenkostüm durch Rosenwurz

Wie eine dreimonatige Behandlung mit Rhodiola rosea-Extrakt das Stressempfinden, die krankheitsspezifischen Beschwerden und die psychosoziale Situation von Patienten mit stressbedingtem Burnout-Syndrom verbessern kann, zeigt eine vorläufige, explorative Studie.

Jeder fünfte aller Erwerbstätigen klagt über Burnout oder durchlebt Burnout-ähnliche Phasen. Das erstmals 1974 vom amerikanischen Psychotherapeuten Herbert J. Freudenberger beschriebene Burnout-Syndrom tritt hauptsächlich als Folge einer zunehmenden Arbeitsverdichtung sowie erhöhtem Erwartungsdruck auf. Bei vielen Arbeitnehmern verursacht diese zunehmende Arbeitsbelastung kontinuierlichen psychischen Stress aufgrund chronischer Überforderung. Typische Symptome eines Burnout äußern sich in starken Erschöpfungszuständen, Depression, Angst und Schlafstörungen, die in körperlichen Leiden wie Rücken-, Magen- oder Kopfschmerz bis zum Herzinfarkt resultieren können. Der wesentliche Grundgedanke hinsichtlich einer Behandlung des Burnout-Syndroms bildet laut Expertenmeinung nicht die Vermeidung der Arbeitssituation, sondern eine Verbesserung des subjektiven Stressempfindens. Maßnahmen wie Selbstcoaching, Achtsamkeitsmeditation, gesunde Ernährung, sowie pflanzliche oder homöopathische Mittel können Burnout-Patienten zu einem stärkeren Nervenkostüm verhelfen und auftretende Symptome lindern.

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Unterstützung in der Prävention und Reduktion von Stressreaktionen versprechen adaptogene Substanzen aus pflanzlichen Quellen, die die körpereigene unspezifische Abwehr in Stresssituationen stärken sollen. Die meisten Erkenntnisse aus der Forschung liegen zu Rosenwurz (Rhodiola rosea) vor, deren positive Effekte auf die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sowie stressbedingte Beschwerden bei guter Verträglichkeit gut dokumentiert sind.

In einer explorativen Studie untersuchten Wissenschaftler nun erstmals die Wirksamkeit eines Rosenwurz-Extrakts (WS® 1375, Rosalin) bei Patienten mit stressbedingtem Burnout-Syndrom unter Berücksichtigung subjektiver als auch objektiver Messungen. [1] Insgesamt 118 Patienten mit diagnostiziertem Burnout-Syndrom an vier österreichischen medizinischen Zentren nahmen an der Studie teil. Inkludiert wurden Patienten, die einen emotionalen Erschöpfungsgrad zwischen 1,81 und 2,8 Punkten und eine verminderte persönliche Leistungsfähigkeit in einem Rahmen zwischen 3,90 und 4,79 Punkten (Maslach Burnout Inventory - MBI) und mindestens drei Stresssymptome in einer Intensität zwischen 5 und 8 Punkten (Numerical Analogue Scales - NASs) aufwiesen.

Die Probanden wurden gebeten, über einen Zeitraum von 12 Wochen zwei Mal täglich vor dem Frühstück und dem Mittagessen je 200 mg Rhodiola rosea-Extrakt in Kapselform einzunehmen. Im Verlauf der Studie wurde ein breites Spektrum subjektiver und objektiver Messungen symptomatischer und psychosozialer Parameter vorgenommen. Neben Fragebögen zur Messung subjektiver Parameter wie dem Maslach Burnout Inventory (MBI-D), den Burnout Screening Scales (BOSS I und BOSS II), dem Perceived Stress Questionnaire (PSFQ) und weiteren Messskalen zur Selbsteinschätzung der Befindlichkeit wurden für die Erhebung objektiver Daten der Sheehan Disability Scale (SDS) zur Identifizierung des negativen Einflusses der Burnout-Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit sowie das Sozial- und Familienleben des Patienten, und der Number Connection Test (NCT) verwendet. Außerdem wurden Labormessungen sowie subjektive Befragungen des Patienten hinsichtlich der Verträglichkeit des Rhodiola rosea-Extrakts vorgenommen.

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Bereits nach einer Woche beobachteten die Wissenschaftler eine relevante Verbesserung bei der Mehrzahl der erhobenen Variablen. Insbesondere die für das Burnout-Syndrom charakteristischen Werte in Verbindung mit dem stressinduzierten Erschöpfungszustand verbesserten sich in signifikantem Ausmaß. Auf der Ebene der subjektiven Stresswahrnehmung konnten fast alle Parameter wie Antriebslosigkeit, Anspannung und anhaltende Müdigkeit deutlich verbessert werden, was positive Auswirkungen auf sekundäre Parameter hatte, wie beispielsweise das Sexualleben der Probanden. Auch auf den Ebenen des Berufs-, Sozial- und Familienlebens sowie der körperlichen, kognitiven und emotionalen Befindlichkeiten zeigten sich eindeutige positive Veränderungen. Einige wenige Patienten klagten über erhöhten Kopfdruck, Schwindel, Irritationen im Sehfeld und geschwollene Augen, insgesamt wurde der Extrakt jedoch gut vertragen.

Einschätzung:

Für die meisten der erhobenen Parameter konnten klinisch relevante oder zumindest positive Tendenzen einer dreimonatigen Behandlung mit Rhodiola rosea-Extrakt erzielt werden. Angesichts des eher langsamen Verlaufs einer konventionellen Burnout-Therapie sind die hier bereits nach einer Woche zu beobachtenden positiven Resultate auffällig. Der explorative Charakter sowie das Fehlen einer Kontrollgruppe relativieren die Aussagen der Studie zwar, animieren jedoch zu einer Fortführung der Untersuchungen im Rahmen zukünftiger konfirmatorischer Studien. Die Erhebung diverser Parameter auf einer Vielzahl von Ebenen, die über die vorgenommenen Messungen vorhergehender Studien hinausgeht, ermöglicht zudem eine Nutzung der gewonnenen Kenntnisse für die Hypothesenbildung und Studienkonzepte nachfolgender Studien. Da die Autoren teils finanzielle Forschungsmittel des Herstellers des verwendeten Extrakts erhalten haben bzw. einer der Autoren bei selbigem beschäftigt ist, wäre für zukünftige Studien ein unabhängiges Autorenteam wünschenswert, um eine Beeinflussung durch kommerzielle Financiers auszuschließen.

Da die positiven Resultate früherer Forschung in dieser Studie bestätigt werden, wäre trotz der genannten Kritikpunkte  eine Therapie mit einem Rhodiola rosea-Extrakt, idealerweise im Rahmen eines multimodalen Behandlungskonzepts, überlegenswert. Die Gesamtsituation von Burnout-Patienten könnte in einem relativ kurzen Zeitraum wesentlich verbessert und in Folge dessen auch Arbeitsfehlzeiten gesenkt werden.

Literatur

Kasper S, Dienel A. Multicenter, open-label, exploratory clinical trial with Rhodiola rosea extract in patients suffering from burnout symptoms. Neuropsych Dis Treat 2017; 13: 889-898 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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