Rubrik: CAM-News

Aus für adjuvante Misteltherapie auf Kassenrezept

Beschluss des GBA rechtsgültig: Mit der Veröffentlichung der schriftlichen Urteilsgründe endet der lange Streit um die Verordnung von Mistelpräparaten.

Laut Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) vom 19.04.2012 dürfen antroposophische Mistelpräparate nicht mehr auf Kassenrezept zur adjuvanten, unterstützdenden Therapie nach einer Krebserkrankung verordnet werden.

Mit der Entscheidung des GBA kann der Patient eine Misteltherapie zwar noch erhalten, aber er muss sie selbst bezahlen.

Am 20.06. 2012 wurde diese Entscheidung im Bundesanzeiger veröffentlicht und ist damit in Kraft.

Die Mistel in der Tumortherapie

Die Mistel in der Tumortherapie 4

35 wissenschaftliche Beiträge des sechsten Mistelsymposiums.
Der Einsatz der Mistel ist in den modernen multimodalen Therapieansätzen der integrativen Onkologie heute gängige Praxis. Verfolgt man dazu die wissenschaftlichen Publikationen der letzten Jahre, fällt eine arbeitsame, um Objektivität bemühte Normalität auf.

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Der GBA hatte schon Mitte Dezember 2011 nach einem Urteil des Bundessozialgerichtes avisiert, dass die Misteltherapie in der adjuvanten, unterstützdenden Therapie nicht mehr auf Kassenrezept verschrieben werden darf.

Die meisten Krankenkassen haben sich bislang der Auffassung des GBA angeschlossen. Eine Ausnahme macht die KKH-Allianz, die die Kosten adjuvanter Misteltherapie auf Rezept erstattet. Die Techniker Krankenkasse (TK) bezahlt Patienten jährlich 100,- EUR für Mistelbehandlungen, unabhängig davon, ob adjuvant oder palliativ therapiert wird.

Zum Hintergrund: Das neue Versorgungsstrukturgesetz für gesetzliche Krankenkassen erlaubt es den Krankenkassen seit Januar 2012, ihren Versicherten zusätzliche Leistungen anzubieten.

Mistelpräparate sind in der palliativen Therapie (das heißt einer in der Regel bei metastasierten und nicht operablen Tumorerkrankung) ungefährdet kassenärztlich verordnungsfähig.

Der Streit um die Mistel ist nicht erst in den vergangenen Monaten entbrannt, sondern er schwelt schon seit Jahren. Im Zentrum der Diskussion steht die Frage: Ist die Mistel eine Heilpflanze gegen Krebs oder nicht? Die Einschätzung fällt unterschiedlich aus - je nachdem, nach welchen Kriterien man die vorhandenen Studien bewertet. Sicher spielen hierbei auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle.

Interessant wird in Zukunft sein, wie die gesetzlichen Krankenversicherungen ihren Gestaltungsspielraum nutzen werden - um Krebspatienten die Möglichkeit einer adjuvanten Misteltherapie anzubieten. Nicht zuletzt können die Versicherten durch die Wahl der Kasse den Versicherungsschutzes an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Karen Hoffschulte

Karen Hoffschulte studierte Politikwissenschaft, Geschichte, Philosophie und Verwaltungswissenschaften. Als Medizinredakteurin absolvierte sie verschiedene Stationen in medizinisch-wissenschaftlichen Verlagen, darunter MVS Medizinverlage Stuttgart. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt auf der laienverständlichen Aufbereitung medizinischer Fachthemen und der Patienteninformation. Seit 2010 arbeitet sie als Medizinredakteurin bei Carstens-Stiftung : Natur und Medizin.

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