Carstens-Stiftung: Artischockenextrakt gegen Fettleber

Rubrik: Studien kurz und knapp

Artischockenextrakt gegen Fettleber

Erstmals wurde an Patienten die Wirksamkeit eines Extraktes aus den Blättern der Artischocke gegen nicht-alkoholische Fettleber getestet – mit Erfolg.

Weltweit leiden zunehmend mehr Menschen unter einer nicht-alkoholischen Fettleber (Steatosis hepatis), die im Unterschied zur alkoholischen Fettleber durch eine zu hohe Energiezufuhr über die Nahrung verursacht wird. Dabei kommt es zu Fetteinlagerungen in den Leberzellen, die deren Funktion beeinträchtigen und Entzündungen (Fettleberhepatitis/Steatohepatitis) hervorrufen können. Hauptansatzpunkt bei der Behandlung dieser ernährungsbedingten Leberverfettung ist bisher eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten sowie regelmäßige körperliche Bewegung mit dem Ziel einer Gewichtsreduktion. Die Normalisierung des Fettstoffwechsels kann mit verschiedenen pflanzlichen Arzneimitteln unterstützt werden, darunter auch die Artischocke (Cynara cardunculus subsp. scolymus). Inwiefern ein Extrakt aus ihren Blättern auch zur Behandlung der nicht-alkoholischen Fettleber erfolgreich eingesetzt werden kann, wurde bisher nur in Tierexperimenten, nicht jedoch an Patienten untersucht.

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Diese Lücke schloss nun eine Wissenschaftlergruppe aus Qatar und dem Iran mit einer randomisierten, doppelt verblindeten, placebokontrollierten Pilotstudie. Erwachsene Patienten mit diagnostizierter Steatohepatitis Grad 1 bis 3 wurden auf zwei Gruppen aufgeteilt. Die Teilnehmer der Verumgruppe erhielten über einen Zeitraum von acht Wochen dreimal täglich 200 mg Artischockenblattextrakt, standardisiert auf einen Gehalt von 2 mg des aktiven Inhaltsstoffes Cynarin, die Kontrollgruppe erhielt entsprechende Placebo-Tabletten. Zu Beginn und am Ende der Studie wurden die anthropometrischen Daten Gewicht, Bauchumfang, Body-Mass-Index (BMI) und der Blutdruck der Patienten erhoben. Im nüchternen Zustand wurden zum einen per Lebersonographie der Grad der Leberverfettung untersucht und zum anderen Blutproben entnommen, um folgende Werte zu bestimmen: Glucose, Insulin, glykiertes Hämoglobin, Gesamt-, LDL- und HDL- Cholesterin, Triglyzeride, die Leberenzyme Alanin-Aminotransferase, Aspartat-Aminotransferase und Phosphatase sowie Bilirubin und Harnsäure.

In die Auswertung gingen die Daten von 81 (Artischockenextrakt: 41, Placebo: 40) von ursprünglich 100 Patienten ein. Nach der achtwöchigen Medikamenteneinnahme war die Verringerung des BMI und des Bauchumfangs in der Verumgruppe signifikant höher als in der Placebogruppe. Ebenso konnten am Ende der Studie mittels Sonographie signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen zugunsten des Artischockenblattextraktes festgestellt werden. 81,6 % der mit Verum behandelten Patienten wiesen eine Verbesserung auf, bei 18,4 % war der Zustand unverändert zur ersten Untersuchung. In der Placebogruppe war der Zustand der Leber von 5 % der Patienten besser als vorher, bei 67,5 % trat keine Veränderung auf, und bei 27,5 % war eine Verschlechterung eingetreten. Während die Blutzucker- und Insulinwerte von der Artischockenextrakt-Behandlung unberührt blieben, sanken die Leberenzymwerte (für Phosphatase nicht signifikant), der Gesamt-Bilirubinwert, der Harnsäurewert sowie alle Blutfettwerte signifikant im Vergleich zu Placebo. Es traten keinerlei unerwünschte Wirkungen während der Medikamenteneinnahme auf.

Einschätzung:

Die geschilderten Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Einnahme eines Artischockenblattextraktes eine erfolgversprechende Behandlungsoption für Patienten mit Fettleber sein kann. Kleinere Unstimmigkeiten im Artikeltext hinsichtlich der eingeschlossenen, ausgeschiedenen und letztlich analysierten Patientenzahlen ermöglichen keine eindeutige Nachvollziehbarkeit der statistischen Auswertung, die Grundaussage der Studie dürfte allerdings davon unberührt bleiben.

Aufbauend auf dieser Pilotstudie könnten zukünftige, methodisch erweiterte Studien einerseits die hier gefundenen Ergebnisse bestätigen und andererseits untersuchen, inwieweit der Effekt dem der Standardbehandlung in Form einer Ernährungsumstellung und vermehrten körperlichen Aktivität entspricht bzw. diesen Ansatz bei einer Kombination (Lebensstil + Artischockenextrakt) unterstützt.

Literatur

Panahi Y, Kianpour P, Mohtashami R, Atkin SL, Butler AE, Jafari R, Badeli R, Sahebkar A. Efficacy of artichoke leaf extract in non-alcoholic fatty liver disease: A double-blind randomized controlled trial. Phytother Res 2018; 32(7): 1382-1387. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

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E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailp.koczy@carstens-stiftung.de


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