Carstens-Stiftung: Weniger Angst vor dem Zahnarzt durch Hypnose und Co.

Rubrik: Studien kurz und knapp

Weniger Angst vor dem Zahnarzt durch Hypnose und Co.

Eine aktuelle Metaanalyse identifiziert hilfreiche nicht-medikamentöse Maßnahmen bei Zahnarztphobie. Dabei schneidet Hypnose tendenziell besser als andere Verfahren ab.

Die wenigsten Menschen begegnen einem bevorstehenden Zahnarztbesuch mit überschwänglicher Vorfreude. Im Gegenteil, bei den meisten Patienten – laut Statistik jeder vierte Erwachsene – überwiegt die Angst vor dem Zahnarztstuhl. Ein kleiner Prozentsatz der Betroffenen, nämlich 4 Prozent, entwickelt gar eine diagnostizierbare Zahnarztphobie, die zu erhöhtem mentalen Stress führt und sogar das Vermeiden von Zahnarztbesuchen zur Folge hat. Während bei dieser Patientengruppe lediglich intensive Maßnahmen wie beispielsweise Psychotherapie Hilfe versprechen, kann eine leichte bis moderate Angst vor einer Zahnbehandlung durch nicht-medikamentöse Behandlungsansätze therapiert werden. Da angenommen wird, dass psychischer Stress indirekte Effekte auf das Schmerzempfinden und die Genesung nach zahnchirurgischen, endodontischen und anderen dentalen Eingriffen aufweisen kann, steht die Stressreduktion vor und während eines Zahnarztbesuchs im Fokus des wissenschaftlichen Interesses.

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Die Forschung berücksichtigte in einer mittlerweile beträchtlichen Anzahl von Studien primär nicht-medikamentöse Interventionen wie kognitiv-verhaltenstherapeutische Maßnahmen, Entspannungsverfahren, Hypnose, Musiktherapie und intensives Informationsmanagement zur Aufklärung des Patienten. Im Rahmen einer aktuellen, umfassenden Meta-Analyse gehen Psychologen und Zahnmediziner der Universität Jena der Frage nach, ob einzelne nicht-medikamentöse Verfahren erfolgreicher als andere zur Reduktion des psychischen Stresses vor und während des Zahnarztbesuchs sind. [1] Inkludiert wurden englischsprachige, randomisierte, kontrollierte, im Zeitraum zwischen 1979 und 2017 publizierte Studien, die als primäres Endziel die Reduktion leichten bis schweren mentalen Stresses, nicht jedoch einer diagnostizierten Zahnarztphobie, und als sekundäres Endziel das Schmerzgeschehen und/oder die Verwendung von Analgetika aufwiesen. Als Kontrolle dienten konventionelle Maßnahmen, die größtenteils die Aufklärung des Patienten vor und während der Behandlung beinhalteten. Von ursprünglich über 3000 Studien wurden 29 Studien mit insgesamt 2886 Probanden in die Analyse inkludiert. In 20 Studien kamen nicht-medikamentöse Maßnahmen vor, in zwei Studien während und in sieben Studien sowohl vor als auch während der Zahnbehandlung zur Anwendung. Die Aufteilung der einzelnen Therapieinterventionen auf die eingeschlossenen Studien unter Berücksichtigung von Kombinationen mehrerer Verfahren in fünf der analysierten Studien zeigte sich wie folgt:

  • Kognitiv-verhaltenstherapeutische Maßnahmen: 10
  • Erweiterte Patienteninformation: 9
  • Entspannungsverfahren: 7
  • Musiktherapie: 4
  • Hypnose: 4

Auf der Ebene der Entspannungsverfahren sind in den analysierten Studien vor allem Maßnahmen wie beispielsweise progressive Muskelentspannung, geführter Visualisierung ("Guided Imagery"), Atemkontrolle oder autogenes Training zu nennen.
Eine zusätzliche Subgruppen- sowie Sensitivitäts-Analyse hinsichtlich des primären Endziels wurde zur Klärung der Heterogenität der Studienresultate durchgeführt. Außerdem berücksichtigten die Wissenschaftler systematische Fehler, die Verzerrungen hinsichtlich der Stichprobenauswahl, des Publikationsgeschehens und des Intention-to-treat-Prinzips beinhalteten. 

Einschätzung:

Insbesondere in punkto Stressreduktion, im Speziellen der Reduktion von Angstzuständen, zeigte die Analyse signifikant positive Effekte zugunsten nicht-medikamentöser Maßnahmen. Derartige Effekte blieben für die Entwicklung des Schmerzgeschehens jedoch aus. Die größten Effekte konnten für Hypnose identifiziert werden. Die Stabilität dieses Resultats gründet sich jedoch auf zusätzliche Subgruppen- und Sensitivitätsanalysen. Überraschenderweise zeigten Studien mit einem niedrigeren Risiko für Verzerrungen hinsichtlich Stichprobenauswahl und Intention-to-treat-Verfahren signifikant größere Effekte als Studien mit einem hohen oder unüberschaubaren Verzerrungsrisiko, womit frühere Untersuchungen widerlegt werden, die größere Effekte für Studien mit einem hohen Verzerrungsrisiko festgestellt hatten. Fraglich ist dennoch, ob angesichts der trotz Subgruppen-Analyse nicht aufklärbaren Heterogenität zwischen den Studien eine verbindliche Aussage zur Dominanz einzelner Interventionen geäußert werden kann.

Der Übertragung des von den Wissenschaftlern konstatierten Resultats in die Praxis steht der alte Vorwurf an Meta-Analysen gegenüber, im übertragenen Sinne Äpfel mit Birnen vergleichen zu wollen. Enger gefasste Einzelanalysen unter Berücksichtigung potenzieller Verzerrungsmomente wären möglicherweise besser geeignet, um die Eignung einzelner nicht-medikamentöser Verfahren zur Minderung der Angst vor der Zahnbehandlung festzustellen. Bis dahin stellen Methoden, allen voran Hypnose, aber sicherlich eine zu berücksichtigende, stressreduzierende Maßnahme in Begleitung konventioneller Verfahren vor und während eines dentalen Eingriffs dar.

Literatur

1) Burghardt S, Koranyi S, Magnucki G, Strauss B, Rosendahl J. Non-pharmacological interventions for reducing mental distress in patients undergoing dental procedures: systematic review and meta-analysis. J Dentistry 2017; epub ahead of print Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

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