Carstens-Stiftung: Sicherheit von Darmflora-Transplantationen bei Morbus Crohn

Rubrik: Studien kurz und knapp

Sicherheit von Darmflora-Transplantationen bei Morbus Crohn

In einer Langzeitstudie wurden Häufigkeit und Art unerwünschter Wirkungen nach einer Übertragung von unterschiedlich aufbereiteten Transplantaten mit Darmmikroben gesunder Spender auf Patienten mit Morbus Crohn untersucht.

Die chronische entzündliche Darmerkrankung Morbus Crohn geht mit einer veränderten Zusammensetzung der bakteriellen Darmflora einher. Dieser Dysbiose kann mit einer Transplantation von Darmbakterien gesunder Spender entgegengewirkt werden. Langzeitstudien mit größeren Patientenzahlen zur Sicherheit dieser noch relativ jungen Therapiemethode fehlten bisher. Diese Lücke haben nun chinesische Wissenschaftler der Nanjing Medical University in Ansätzen geschlossen. Ziel ihrer Untersuchungen war es, die unmittelbare Wirksamkeit einer Darmflora-Transplantation sowie mögliche Risikofaktoren unerwünschter Ereignisse im Zusammenhang mit dieser Therapie über längere Zeit einzuschätzen.

139 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Morbus Crohn-Erkrankung gemäß Harvey Bradshaw Index (HBI) erhielten Darmflora-Transplantationen von ausgewählten, gesunden Spendern aus ihrem Familien- und Freundeskreis oder aus der chinesischen Stuhlspeicherbank (China fmtBank). Die entnommenen Stuhlproben wurden manuell oder automatisiert zur Anreicherung der Darmmikroben gereinigt und aufbereitet, um sie anschließend den Patienten unter Narkose über eine Nasen-Dünndarm-Sonde oder eine gastroskopische Infusion zuzuführen. Alle unerwünschten Ereignisse sowie ihr Schweregrad wurden in den folgenden bis zu fünf Jahren dokumentiert. Die Wirksamkeit des Verfahrens wurde einen Monat nach der Transplantation unter Verwendung des Harvey Bradshaw Indexes überprüft. 33 Patienten erhielten zur Aufrechterhaltung des klinischen Effektes mehrfach eine Transplantation (184 Transplantationen/139 Patienten).

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Bei 25 der 184 Transplantationen (entspricht 13,9 %) traten unerwünschte Wirkungen innerhalb der ersten Woche nach dem Eingriff auf, welche sich aber innerhalb weniger Tage verbesserten. Es handelte sich dabei überwiegend um leichtere Formen von einer erhöhten Stuhlfrequenz, Fieber und Blähungen. Lediglich bei vier Fällen wurde medikamentös behandelt, darunter ein Fall von Herpes zoster. In einem Fall konnte durch eine zweite Transplantation das Auftreten von Blut im Stuhl behoben werden. Schwerwiegende unerwünschte Wirkungen traten während der weiteren Beobachtungsphase nicht auf. Bei der Analyse der Daten auf potenzielle Störfaktoren zeichnete sich ab, dass das Risiko für unerwünschte Wirkungen nach der Transplantation von manuell aufbereitetem Stuhlmaterial deutlich höher lag (15/69 =
21,7 %) als bei automatisierter Aufbereitung (10/115 = 8,7 %). Auf die Wirksamkeit der Darmflora-Transplantation hatte die Aufbereitungsart jedoch keinerlei Einfluss. Hingegen war die Wirksamkeit bei jenen Patienten, bei denen keine unerwünschten Ereignisse auftraten, signifikant höher als bei den Patienten mit unerwünschten Ereignissen. Ein statistischer Zusammenhang zwischen der Herkunft des Spendermaterials und dem Auftreten unerwünschter Ereignisse konnte nicht hergestellt werden.

Einschätzung:

Ziel der vorliegenden Studie war es, die Sicherheit der Darmflora-Transplantations-Methode für Morbus Crohn-Patienten zu überprüfen. Eine Verbesserung der Aufbereitung des Spendermaterials durch eine Automatisierung führte zu einer Verringerung der Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen, ohne die Wirksamkeit der Transplantation auf die Krankheitssymptomatik zu mindern. Die überwiegend leichten Beschwerden vergingen zumeist innerhalb weniger Tage, ohne dass eine weitere Behandlung erforderlich wurde.

Die Darmflora-Transplantationsmethode kann aufgrund dieser Studienergebnisse vorbehaltlich weiterer Untersuchungen als relativ sichere Methode zur Linderung der Beschwerden bei einer Morbus Crohn-Erkrankung eingestuft werden. Große Bedeutung scheint die Zusammensetzung des Transplantats zu haben, die durch verfeinerte Aufbereitungsmethoden optimiert werden kann. Hinsichtlich der Wirksamkeit der Mikrobiom-Transplantation wurde in der vorliegenden Arbeit allerdings ausschließlich auf die von den Patienten berichteten Symptome (Harvey Bradshaw Index) zurückgegriffen. Eine endoskopische Diagnostik wurde nicht durchgeführt. Auch gibt es keine Aussage zur Langzeitwirkung der Behandlung.

Literatur

Wang H, Cui B, Li Q, Ding X, Li P, Zhang T, Yang X, Ji G, Zhang F. The safety of fecal microbiota transplantation for Crohn’s disease: findings from a long-term study. Adv Ther 2018; [Epub ahead of print]. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

Telefon: 0201 56 305 0
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailp.koczy@carstens-stiftung.de


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