Studien kurz und knapp

Schröpfen lindert Knieschmerzen

Pilotstudie bei Kniegelenksarthrose mit vielversprechenden Ergebnissen

In einer Pilotstudie haben Forscher der Charité - Universitätsmedizin Berlin gezeigt, dass eine  pulsierende Schröpfbehandlung zu einer Linderung der Symptome bei Kniegelenksarthrose führt.

In einer Pilotstudie (1) haben Forscher des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der  Charité - Universitätsmedizin gezeigt, dass eine  pulsierende Schröpfbehandlung zu einer Linderung der Symptome bei Kniegelenksarthrose führt.

Methodik und Ergebnis

Die Schröpfanwendung in dieser Studie wurde mittels eines Gerätes durchgeführt, das in den Schröpfköpfen pulsierend ein Vakuum erzeugt. Die Schröpfköpfe aus elastischem Kunststoff mit Silikonrand wurden jeweils für 10 Minuten im unteren Rückenbereich und 5 Minuten auf dem betroffenen Kniegelenk angesetzt. (Die Anwendung am Rücken geschah aufgrund der klinischen Erfahrung von Ärzten, die dadurch eine Verstärkung des Effekts beobachtet hatten). Der Hersteller des Schröpf-Geräts hat die Studie mitfinanziert.

Die 21 Studienteilnehmer in der Schröpf-Gruppe erhielten über einen Zeitraum von 4 Wochen, zweimal in der Woche eine Anwendung, insgesamt 8 Sitzungen. Nach 4 und 12 Wochen wurden Schmerz, Steifheit des Gelenks, Beweglichkeit und Lebensqualität bewertet. Die Kontrollgruppe (19 Teilnehmer) erhielt keine Anwendung. Nach Bedarf durften die Teilnehmer zur Schmerzbehandlung Paracetamol einnehmen.

Sowohl was die Schmerzen als auch die Gesamtbeurteilung von Steifheit und Beweglichkeit und die körperliche Lebensqualität anbelangte, zeigten sich in der Schröpf-Gruppe signifikante Verbesserungen nach 4 Wochen, teilweise hielten diese nach 12 Wochen noch an. Nach Studienabschluss gaben 10 Patienten der Schröpfgruppe an, ihre Symptome hätten sich verbessert,  bei 8 zeigte sich keine Änderung und 3 Patienten gaben an, dass eine Verschlimmerung eingetreten sei. Die Einnahme von Paracetamol als Schmerzmedikation war in beiden Gruppen unverändert (im Schnitt 10 Tabletten in 4 Wochen).

Nutzen

Eine nichtmedikamentöse Behandlung von Arthrose-Schmerzen kommt insbesondere Patienten zu Gute, die auf  Schmerzmittel und/oder Cortison mit Nebenwirkungen reagieren. Die Forscher berichten, dass die Nebenwirkungen des Schröpf-Verfahrens in der Studie als sehr gering beschrieben wurden. Damit kommt den Ergebnissen (insbesondere in Hinsicht auf die Schmerzredukation) eine hohe klinische Relevanz zu.

Neben dem Schröpfen gibt es weitere Verfahren aus der Komplementärmedizin, die sich bei Arthrose des Kniegelenks als hilfreich erwiesen haben, z.B. die Blutegeltherapie.

Einschätzung:
Dies ist die erste klinische Studie, die eine Schröpfanwendung bei Osteoarthritis am Knie mittels eines medizinischen Gerätes untersucht. Eine Studie mit einem ähnlichen Gerät im Nacken-Schulter-Bereich zeigte ebenfalls gute Ergebnisse.(3) Die Wirkungen traditioneller Schröpfmethoden mit Schröpfgläsern oder -köpfen wurde ebenfalls bereits in Studien untersucht.(2)

Wie die Autoren an mehreren Stellen betonen, kann eine Pilotstudie keine abschließenden Aussagen über die Wirksamkeit des Verfahrens machen. Zum einen liegt dies an der geringen Teilnehmerzahl, zum anderen an der fehlenden Verblindung. Um die spezifische Wirksamkeit zu erforschen, müsste ein Placebo-Gerät entwickelt werden, das in einer größeren Studie als Kontrolle dient. Wünschenswert wäre überdies der Vergleich mit einer reinen Schmerzmittel-Behandlung und anderen nichtmedikamentösen Verfahren.

Trotz dieser Einschränkungen sind die Ergebnisse aus pragmatischer Sicht vielversprechend. Einerseits wegen der geringen Nebenwirkungen gemessen an der hohen klinischen Relevanz, andererseits, weil das pulsierende Schröpfen relativ einfach in die ambulante Versorgung zu integrieren wäre.

Anwendungshinweis:
Pulsatiles Schröpfen wird von naturheilkundlichen Ärzten und Heilpraktikern in ihren Praxen angeboten, kann aber nach fachlicher Einweisung durch Arzt oder Heilpraktiker auch selbstständig vom Patienten durchgeführt werden, allerdings betragen die Kosten für den Erwerb eines Schröpfgeräts mehrere hundert Euro.


Teut M et al: Pulsatile dry cupping in patients with osteoarthritis of the knee -- a randomized controlled exploratory trial BMC Complementary and Alternative Medicine 2012, 12:184 Opens external link in new windowAbstract

Lauche R, Cramer H, Choi KE, Rampp T, Saha FJ, Dobos GJ, Musial F:  The influence of a series of five dry cupping treatments on pain and mechanical thresholds in patients with chronic non-specific neck pain--a randomised controlled pilot study.  BMC Complement Altern Med 2011, 11:63–63 Opens external link in new windowAbstract

Cramer H, Lauche R, Hohmann C, Choi KE, Rampp T, Musial F, Langhorst J, Dobos G:
Randomized controlled trial of pulsating cupping (pneumatic pulsation therapy) for
chronic neck pain. Forsch Komplementmed 2011, 18:327–334 Opens external link in new windowAbstract

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