Studien kurz und knapp

Sanfte Griffe für Frühchen

Osteopathische Behandlungsmaßnahmen verkürzen den Aufenthalt frühgeborener Säuglinge auf der Frühchen-Station.

Frühgeburten stellen für die Säuglingsstationen von Kliniken eine ernsthafte Herausforderung dar, da die unzureichend entwickelten Körperfunktionen sowie eine erhöhte Infektanfälligkeit des zu früh geborenen Kindes eine besonders intensive Pflege erfordern. Zudem können bei der Intensivpflege Komplikationen auftreten, wie z.B. Läsionen (Verletzungen) im Bereich der Lungengabelung während der maschinellen Beatmung. Weitaus lebensbedrohlichere Situationen in der Versorgung frühgeborener Kinder stellen schwerwiegende Hirnblutungen oder Retinopathien dar, die im schlimmsten Fall zum Tod, im besten Fall zu langfristigen Beschwerden führen können.
Neben den standardmäßig verwendeten Maßnahmen wie die Isolation des Frühgeborenen im Brutkasten (Inkubator) sowie der Therapie von Atemproblemen, beispielsweise mit dem Wirkstoff Surfactant, könnten weitere Behandlungsmethoden wie osteopathische Massagen unterstützend wirken.

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Die osteopathische Behandlung definiert sich als eine Kombination aus sanfter Massagetechnik und dem Auffinden und Beheben von somatischen Dysfunktionen, Funktionsstörungen des Organismus, welche sich im gestörten Zusammenspiel der verschiedenen Körper- und Organsysteme offenbart. Insbesondere in der Neonatologie könnte die Methode der Osteopathie eine hilfreiche Maßnahme in der Intensivpflege von Frühgeborenen zur rechtzeitigen Erkennung und Behandlung von Beschwerden darstellen.

Im Rahmen eines systematischen Reviews mit angeschlossener Meta-Analyse nahmen sich Wissenschaftler nun der Frage an, ob eine osteopathische Behandlung von Säuglingen auf der Frühgeborenen-Station die Dauer des Aufenthalts und die entstehenden Kosten senken könnte. [1] Fünf (quasi-) randomisierte, kontrollierte Studien mit insgesamt 1306 Neugeborenen entsprachen den Einschlusskriterien der Wissenschaftler für die anschließende Analyse. Der primäre Endpunkt der Analyse bestand in der Aufenthaltsdauer der Frühchen auf der Frühgeborenen-Station. Sekundäre Endpunkte bildeten eine potenzielle Kostenreduktion sowie die Senkung auftretender Komplikationen während der Intensivpflege durch osteopathische Behandlungsmaßnahmen. Außerdem wurden potenziell auftretende unerwünschte Effekte der osteopathischen Therapie dokumentiert. Die Behandlungen in allen fünf berücksichtigten Studien wurden durch voll ausgebildete bzw. sich in der Ausbildung befindliche Osteopathen vorgenommen und beinhalteten sowohl indirekte als auch viszerale Techniken. Die durchschnittliche Behandlungsdauer pro Anwendung betrug zwischen 20 und 30 Minuten.

Im Rahmen ihrer Analyse kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass die osteopathische Behandlung die Aufenthaltsdauer von Frühgeborenen auf der Station im Mittel um drei Tage verkürzen und die Kosten für die Intensivpflege um mehr als 1500 Euro pro Frühchen senken konnte. Als interessante Erkenntnis werteten die Wissenschaftler die Tatsache, dass je eher mit der osteopathischen Behandlung bei den Frühgeborenen begonnen wurde, der Nutzen der Behandlung hinsichtlich der anvisierten Endpunkte umso größer war. Zudem war ein besonders expliziter Effekt bei frühgeborenen Säuglingen zu erkennen, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren wurden. Hier konnte die Dauer des Aufenthalts auf der Neugeborenen-Station um rund 9 Tage verkürzt werden, während es bei den Frühgeborenen mit einem kleineren Abstand zum vorhergesehen Geburtstermin um die zwei Tage waren.

Einschätzung:

Trotz Heterogenität hinsichtlich der Lokalität der einzelnen Kliniken in verschiedenen europäischen Ländern sowie daraus resultierender potenzieller Differenzen zwischen den angewandten Behandlungsmaßnahmen erscheinen die gewonnenen Erkenntnisse im Hinblick auf die Homogenität in punkto Design und Endpunkte valide und verlässlich. Bedauerlich ist, dass eine Berücksichtigung von Langzeitbeobachtungen der neurologischen Entwicklung der frühgeborenen Kinder über einen Zeitraum zwischen einem bis zu 24 Monaten nach Aufenthalt in der Frühgeborenen-Station, wie von den Wissenschaftlern angestrebt, nicht möglich war, da keine der eingeschlossenen Studien diesen Endpunkt aufführte.
Aufgrund der erzielten Erkenntnisse kann man jedoch konstatieren, dass eine osteopathische Behandlung frühgeborener Säuglinge in Begleitung der standardmäßig angewandten Maßnahmen ein adäquates Therapiekonzept zur Verbesserung des Gesundheitsstatus der Frühchen darstellt, das zudem nebenwirkungsfrei ist und überdies noch Kosten einspart.
Was jedoch nicht vergessen werden darf, ist die psychologische Belastungssituation der Eltern sowie die Stress-Situation beim Frühgeborenen durch die Extremsituation einer Frühgeburt. Mittlerweile sind viele Kliniken bemüht, möglichst häufig den Körperkontakt zwischen den Eltern und dem Frühgeborenen und somit die emotionale Bindung zueinander zu fördern. Dies wird mit der sog. Känguru-Methode erreicht, die daraus besteht, dass das Neugeborene für einige Stunden täglich die körperliche Nähe der Mutter und des Vaters genießen darf, was erwiesenermaßen zu einer Senkung von Stress-Symptomen und zu einem besseren Schlaf des Frühchens führt und die frühe Trennung von Mutter und Kind ein wenig abmildert.

Literatur

1) Lanaro D, Ruffini N, Manzotti A, Lista G. Osteopathic manipulative treatment showed reduction of length of stay and costs in preterm infants. A systematic review and meta-analysis. Medicine 2017; 96(12): e6408 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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