Carstens-Stiftung: Pulsierendes Schröpfen als Therapieoption bei chronischem Rückenschmerz

Rubrik: Studien kurz und knapp

Pulsierendes Schröpfen als Therapieoption bei chronischem Rückenschmerz

Verschiedene Intensitäten einer Pulsationstherapie führten in einer Studie verglichen mit keiner Behandlung zu einer Verbesserung der Schmerzsituation und Beweglichkeit bei Patienten mit chronischen Beschwerden im Lendenwirbelbereich. Die Dosis ist jedoch entscheidend.

Schröpfen, als eines der ältesten, überwiegend in Asien verwendeten Therapieverfahren, wird zur Ausleitung von Giftstoffen aus dem Körper, hauptsächlich aber zur Behandlung von Beschwerden der Muskulatur, des Gewebes und der Gelenke verwendet.
Bei der modernen Form der pulsierenden Schröpftherapie (auch: Pulsationstherapie) wird basierend auf der Technik des trockenen Schröpfens mittels eines technischen Geräts Unterdruck über eine Pumpe erzeugt, dessen Intensität stufenweise regulierbar ist. Im Gegensatz zum blutigen Schröpfen tritt bei dieser Form des Schröpfens kein Blut aus, sondern es entstehen lediglich Petechien (Einblutungen) an den behandelten Bereichen.

Wissenschaftler der Charité-Universitätsmedizin in Berlin untersuchten nun die Effekte dieses Schröpfverfahrens bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich im Rahmen einer dreiarmigen Studie. [1] Das Ziel der Studie bestand darin, die Auswirkungen der pulsierenden Schröpftherapie auf die Schmerzintensität, die Funktionalität der behandelten Rückenregion und die Lebensqualität der chronisch erkrankten Patienten zu untersuchen.

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Insgesamt 110 Patienten im Alter von 18 bis 65 Jahren beiderlei Geschlechts wurden zufällig drei Gruppen zugewiesen. Die beiden Therapiegruppen erhielten über einen Zeitraum von vier Wochen acht jeweils achtminütige Schröpfkopfbehandlungen, in deren Verlauf mittels eines technischen Geräts (HeVaTech PST 30) in pulsierenden Abständen von 2 Sekunden entweder ein Unterdruck von -150 bis zu -350 Millibar oder aber – in der gemäßigten Form – von -70 Millibar erzeugt wurde. Die Kontrollgruppe erhielt keine Behandlung. Den Probanden aller drei Gruppen war es jedoch erlaubt, bei starken Beschwerden auf Paracetamol in einer maximalen täglichen Dosierung von 4 mal 500 mg als Notfallmedikation zurückzugreifen. Zu Beginn, nach Beendigung der vierten Therapiewoche sowie nach zwölf Wochen wurden Messungen krankheitsspezifischer Parameter vorgenommen. Per Visueller Analogskala (VAS) wurde als primärer Endpunkt die Entwicklung hinsichtlich der Schmerzintensität nach vier Wochen erhoben. Sekundäre Endpunkte bildeten die Schmerzintensität nach zwölf Wochen, die Beweglichkeit der betroffenen Region nach vier sowie zwölf Wochen, die unter Verwendung des Funktionsfragebogens Hannover Rücken (FFbH-R) ermittelt wurde, sowie die mittels des SF-36-Gesundheitsfragebogens erhobene gesundheitsbezogene Lebensqualität der Patienten.

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Im Vergleich mit der Kontrollgruppe zeigte sich in beiden Gruppen der unterschiedlich dosierten pulsierenden Schröpftherapie nach vier Wochen eine statistisch signifikante Verbesserung der Schmerzintensität. Die mittlere Differenz zu den Werten der Kontrollgruppe betrug für die hochdosierte pulsierende Schröpftherapie 21,2 Punkte, in der Gruppe mit der niedrigeren Intensität waren es 15,7 Punkte. Bei den Messungen der Schmerzintensität nach zwölf Wochen war zwar kein signifikanter Unterschied mehr zwischen den Interventions- und der Wartelistegruppe festzustellen, jedoch profitierten die Patienten der pulsierenden Schröpftherapie höherer Intensität im Vergleich mit den Patienten der beiden anderen Gruppen von einer immer noch geringeren Schmerzintensität.
Hinsichtlich der Beweglichkeit in der Lendenwirbelregion war nach der vierwöchigen Therapiephase lediglich für die hochdosierte pulsierende Schröpftherapie eine leichte Besserung festzustellen, die aber nach zwölf Wochen nicht mehr zu beobachten war. Ähnliche Ergebnisse erbrachte die Erhebung zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität, die im Vergleich mit der Kontrollgruppe in einer leichten Überlegenheit der intensiven pulsierenden Schröpftherapie nach vier und zwölf Wochen resultierte.

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Keinerlei Unterschiede zur Kontrollgruppe waren dahingehend für das niedrigdosierte Schröpfen festzustellen. In der subjektiven Beurteilung durch die Studienteilnehmer zeigten sich beide Dosierungen der Therapie jedoch als vergleichbar gut: 42 % der Patienten, die die intensive Schröpftherapie erhalten hatten, sowie 44 % der Teilnehmer in der niedrig dosierten Schröpfgruppe bewerteten die erhaltene Therapie selbst bei der Befragung nach zwölf Wochen noch als wirksam. 30 % der Patienten beider Gruppen stuften die Schröpfbehandlung jedoch als weniger effektiv ein. Hinsichtlich des Verbrauchs an Notfallmedikation waren zwischen den einzelnen Gruppen keine signifikanten Unterschiede festzustellen. Über moderate Nebenwirkungen wie leichte Muskelschmerzen im behandelten Bereich berichteten insgesamt sechs Patienten in den beiden Schröpfgruppen, zwei Teilnehmer empfanden eine Verschlimmerung des Rückenschmerzes direkt nach der hochdosierten Schröpftherapie.

Einschätzung:

Die Behandlung mittels intensivem pulsierenden Schröpfens kann die Schmerzsituation von Patienten mit chronischen Beschwerden in der Lendenwirbelregion nachhaltig verbessern, auch wenn dieser Effekt sich nach zwölf Wochen im Vergleich zu keiner Behandlung als nicht mehr statistisch signifikant erweist. Daraus lässt sich schließen, dass eine akute Besserung der Beschwerden während der Behandlung erreicht werden, eine Langzeitwirkung nach Therapieende aber nicht erwartet werden kann. Die Resultate dieser Studie sind vergleichbar mit den Ergebnissen einer früheren Studie der Wissenschaftler, in der Akupunktur mit Minimal-Akupunktur und keiner Behandlung verglichen wurde. [2] Im Vergleich mit Akupunktur stellt die pulsierende Schröpftherapie jedoch eine weniger invasive, nebenwirkungsarme Behandlungsoption dar, die somit geeignet für Patienten wäre, die das Nadeln bei der Akupunktur als unangenehm empfinden.
Weitere Erkenntnisse zum spezifischen Wirkmechanismus, zu mutmaßlichen unspezifischen Effekten des pulsierenden Schröpfens unter Berücksichtigung einer Placebo-Kontrolle mittels Nutzung eines eigens für pulsierende Schröpfanwendungen entwickelten Sham-Geräts sowie zur Kosten-Nutzen-Relation müssen zukünftige Studien jedoch erst noch erbringen. Interessant wäre auch ein direkter Vergleich mit einem anderen Therapieverfahren wie z.B. der Akupunktur, klassischem Schröpfen oder Massage.

Literatur

1) Teut M, Ullmann A, Ortiz M, Rotter G, Binting S, Cree M, Lotz F, Roll S, Brinkhaus B. Pulsatile dry cupping in chronic low back pain – a randomized three-armed controlled clinical trial. BMC Complement Altern Med 2018; 18: 115 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

2) Brinkhaus B, Witt CM, Jena S, Linde K, et al. Acupuncture in patients with chronic low back pain – a randomised controlled trial. Arch Intern Med 2006;166(4): 450-457 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract
 

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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(Veronica Carstens)