Carstens-Stiftung: Musiktherapie bei Demenz

Rubrik: Optimierungsstrategien bei Demenz

Musiktherapie bei Demenz

Forschungsplattform Demenz: Präventions-, Therapie- und Versorgungsstrategien. Ergebnisse aus unserem Projekt.

In der Musiktherapie wird Musik gezielt dafür eingesetzt, um zwischen dem Therapeuten und dem Demenzerkrankten eine non-verbale (d.h. "ohne das gesprochene Wort") Kommunikation herzustellen. Diese Form der Therapie lässt sich in zwei Ansätze aufteilen: die aktive Therapieform bedeutet, dass der Patient selber singt, tanzt oder ein Instrument spielt. Die rezeptive Musiktherapie beinhaltet das gezielte Abspielen von Musik, dabei sollte diese Musik möglichst einen biographischen Bezug haben und damit zur Entspannung beitragen oder dem Patienten die Möglichkeit geben, sich zu erinnern. Die rezeptive Musiktherapie wurde auch in die sogenannte Kann-Empfehlung für die Leitlinien für Demenzen aufgenommen (die "Leitlinien" der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften sind systematisch entwickelte Hilfen für Ärzte zur Entscheidungsfindung in spezifischen Situationen). Die Empfehlung der Leitlinien sagt: "Rezeptive Musiktherapie, insbesondere das Vorspielen von Musik mit biographischem Bezug kann geringe Effekte auf agitiertes und aggressives Verhalten haben. Sie kann empfohlen werden."

Bei der aktiven Form der Musiktherapie steht die Geselligkeit und Kontaktaufnahme im Vordergrund sowie die Stärkung des Selbstwertgefühls. Die zu diesem Thema bisher durchgeführten Studien geben Hinweise, dass sie günstige Effekte auf psychische und Verhaltenssymptome bei Menschen mit Demenz hat, insbesondere auf die Angst. Angst und Depressionen sind häufige Begleiterkrankungen bei Menschen mit einer Demenz.

KVC Verlag: Forschungsplattform Demenz

Forschungsplattform Demenz

Ergebnisse eines Expertentreffens zu Präventions-, Therapie- und Versorgungsstrategien.

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Ziel der Musiktherapie insgesamt ist es, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern, indem die herausfordernden Symptome der dementiellen Störung behandelt werden. Die neueste Metaanalyse (eine Zusammenfassung aller klinischen Studien) von Zhang et al. (1) aus dem Jahr 2017, zeigt nochmal eindrücklich die bisher gefundenen positiven Effekte der Musiktherapie auf Gedächtnisleistung, Verhalten, Angst, Depression und Lebensqualität der Betroffenen.

Auch wenn es um die Studienlage im Bereich der Musiktherapie nicht schlecht bestellt scheint, sind weitere randomisierte kontrollierte Studien aber auch qualitative Forschung nötig. Einmal, um den Empfehlungsgrad in den Leitlinien zur Demenzbehandlung zu erhöhen (es gibt den Grad C: "kann", Grad B: "sollte" und Grad A: "soll"), zum anderen weiß man auch noch zu wenig über die Effekte der einzelnen Methoden der Musiktherapie. Darüber hinaus gibt es viele externe Faktoren, unter deren Einfluss der Einsatz der Musiktherapie gefördert aber auch behindert wird. Diese gehören genauer untersucht, z.B. der Einfluss der Atmosphäre (im Sinne von Milieu), Kälte, Wärme, soziales Empfinden, aber auch das konkrete räumliche Umfeld, die Dauer und Frequenz der Therapie.
Nicht zuletzt muss Forschung und Einsatz der Musiktherapie dem Generationenwechsel Rechnung tragen. Während es früher noch üblich war, in den Familien und der Freizeit zu tanzen, Lieder zu singen oder gemeinsam Musik zu machen, sind die Freizeitbeschäftigungen der meisten Menschen heute ganz anders. Das Singen als aktive Teilnahme oder das Erlernen von Instrumenten wird in unserer Gesellschaft immer weniger, also werden künftige Methoden der Musiktherapie auf ganz andere Mittel zurückgreifen müssen.

Zusammenfassung und Ausblick

Musiktherapie bei Demenzen unterstützt die Förderung eines positiven Selbstwertgefühls des Betroffenen sowie die kommunikativen und sozialen Fertigkeiten. Gleichzeitig gibt sie die Möglichkeit zur Retrospektion und Entspannung. Musiktherapie orientiert sich an den verbleibenden Ressourcen und den Biografien der Betroffenen.

Die Musiktherapie ist eine relativ junge Profession, die immer weiter wächst und immer differenzierter untersucht wird, gerade im Hinblick auf die geänderten Bedarfe auch künftiger Generationen. An mehreren Hochschulen in Deutschland kann man Musiktherapie studieren. In Würzburg an der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften gibt es den weltweit ersten Master-Studiengang "Öffnet externen Link in neuem FensterMusiktherapie für Menschen mit Behinderung und Demenz".

Literatur

1. Zhang Y, Cai J, An L, Hui F, Ren T, Ma H, Zhao Q.:Does music therapy enhance behavioral and cognitive function in elderly dementia patients? A systematic review and meta-analysis. Ageing Res Rev. 2017 May;35:1-11. doi: 10.1016/j.arr.2016.12.003. Epub 2016 Dec 23. Review. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Dr. Beate Stock-Schröer (Dipl.-Biol.)

Programmleitung Förderung, Lehre
und akademischer Nachwuchs

Telefon: 0201 56 305 10
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailb.stock-schroeer@carstens-stiftung.de


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(Veronica Carstens)