Studien kurz und knapp

Männerproblem Prostata: Hilfe durch Blütenpollen

Laut einer aktuellen Überblicksarbeit stellen Blütenpollenextrakte bei chronischer Prostataentzündung eine wirksame und nebenwirkungsarme Alternative zu konventionellen Medikamenten dar.

Die chronische Prostataentzündung (Prostatitis) bildet eine der häufigsten Erkrankungen bei Männern über 50 Jahren. Die krankheitsbegleitenden Symptome wie anhaltender Beckenschmerz, Schmerzen bei der Blasenentleerung sowie bei der Ejakulation und sexuelle Funktionsstörungen mindern die Lebensqualität der betroffenen Männer zum Teil extrem. Die standardmäßige Therapie der Beschwerden erfolgt unter Verwendung der sogenannten „drei A’s“: Antibiotika, anti-entzündlichen Medikamenten und Alpha-Blockern. Der Einsatz von Antibiotika bei Prostatitis wird jedoch kritisch gesehen, insbesondere wenn es sich um eine abakterielle Prostatitis handelt, bei der keine Erreger nachweisbar sind, bei der man aber dennoch eine versuchsweise Langzeitantibiose ansetzt. Auch die Langzeiteinnahme von entzündungshemmenden Medikamenten (Ibuprofen u.a.) sowie Alpha-Blockern wird wegen der Gefahr von Nebenwirkungen kritisch gesehen. Vor diesem Hintergrund erscheint eine langfristige Therapie mit besser verträglichen pharmazeutischen Mitteln wie beispielsweise Phytotherapeutika sinnvoll. Insbesondere zum Einsatz von Blütenpollenextrakten bei chronischer Prostataentzündung liegt derzeit eine Anzahl von vorklinischen und klinischen Untersuchungen vor, die nun im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit von italienischen Wissenschaftlern zusammengetragen und analysiert wurden. [1]

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In die Übersicht wurden fünf präklinische und zehn klinische Studien inkludiert. Auf der präklinischen Ebene konkludierten die Wissenschaftler auf der Grundlage der vorgenommenen zell- und tierexperimentellen Arbeiten, dass der Einsatz von Pollenextrakt im Vergleich mit entzündungshemmenden Wirkstoffen (Diclofenac, Indomethacin) eine ebenso gute Wirkung hinsichtlich der Hemmung der für die Entzündung relevanten Prostaglandin- und Leukotrien-Synthese zeigt. Verglichen mit Aspirin ist sogar eine zehn Mal höhere antientzündliche Wirkung festzustellen. In den tierexperimentellen Untersuchungen wirkten sich Pollenextrakte positiv auf die Androgen-induzierte Prostatavergrößerung sowie das Wachstum von Prostatakrebszellen aus.

Die Analyse der zehn klinischen Studien (sechs nicht-randomisierte und vier randomisierte Studien) ergab, dass Pollenextrakte im Vergleich mit entzündungshemmenden Medikamenten, Placebo, Sägepalmextrakt oder aber keiner Behandlung eine signifikante Reduktion Prostatitis-spezifischer Symptome bei Patienten mit CP/CPPS III a und b  (CP = chronic prostatis, CPPS = chronic pelvic pain syndrome) sowie eine Verbesserung des Schmerz- und Entzündungsgeschehens und der Lebensqualität bewirkten. Insgesamt klagten die Patienten nach der Behandlung mit Pollenextrakten weniger über unerwünschte Wirkungen als die Studienteilnehmer, die Ibuprofen oder andere Entzündungshemmer erhielten. Die Ansprechrate in den analysierten Studien war insgesamt sehr hoch. Die mittlere Ansprechrate in den nicht-randomisierten Studien betrug 83,6 %, in den randomisierten Studien ergab sich im Mittelwert eine Ansprechrate von 75,4 %.  Beispielsweise konnte in einer großen Studie mit 139 Probanden eine Ansprechrate von 70,6 % erreicht werden. Die positiven Effekte des in dieser Studie verabreichten Blütenpollenextrakts hielten bei guter Verträglichkeit selbst nach der 12-wöchigen Therapiephase an.

Einschätzung:

Angesichts des häufig beobachteten Auftretens von Nebenwirkungen konventioneller Medikamente in der Langzeittherapie stellt die Behandlung der chronischen Prostatitis mittels Pollenextrakten laut der vorliegenden Analyse zur Linderung der krankheitsspezifischen Symptome eine überlegenswerte Maßnahme dar. Allerdings wurden in den analysierten Studien unterschiedliche Blütenpollenextrakte untersucht, was einen direkten Vergleich erschwert. Der in den inkludierten Studien am häufigsten verwendete Blütenpollenextrakt ist eine Kombination aus standardisierten Pollenextrakten aus Roggengras (Secale cereal), Mais (Zea mays) und Wiesen-Lieschgras (Phleum pratense). Weitere, im Rahmen der Studien verabreichte Extrakte enthalten Pollen anderer Süßgräser. Leider fehlen aber Angaben zur taxonomischen Zusammensetzung als auch zu zugesetzten Vitaminen oder anderen Wirksubstanzen der einzelnen Extrakte. Allen Pollenextrakten ist jedoch gemein, dass sie eine Vielzahl von natürlichen, zum Teil antientzündlich wirkenden Komponenten wie Aminosäuren, Vitamine, Mineralien, Phytosterole, Saccharide und Lipide enthalten. Aussagekräftige Untersuchungen zur Pharmakokinetik sowie zum Wirkmechanismus fehlen bislang. Die Aufgabe weiterer Studien könnte demnach sein, einzelne Extrakte sowie deren Pharmakokinetik und Wirkungsweisen miteinander zu vergleichen.

Erfahrungwerte legen nahe, dass in Begleitung einer Therapie mit Blütenpollenextrakt Sitzbäder oder eine wiederholte Prostatamassage ebenfalls zur Linderung der Beschwerden beitragen können. Auf jeden Fall sollte jedoch ein Arzt konsultiert werden, um ggf. auf schwerwiegende Komplikationen reagieren zu können.

Literatur

1) Cai T, Verze P, La Rocca R, Anceschi U, De Nunzio C, Mirone V. The role of flower pollen extract in managing patients affected by chronic prostatitis/chronic pelvic pain syndrome: a comprehensive analysis of all published clinical trials. BMC Urol 2017; 17: 32 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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