Studien kurz und knapp

Langzeitwirkung homöopathischer Behandlung

Wie gesund sind chronisch Kranke nach 8 Jahren?

Ergebnisse einer Langzeit-Beobachtungsstudie mit 2722 Patienten. Fast 30% aller Patienten haben die Behandlung auf Grund von erheblichen Erfolgen eingstellt.

Ausgangspunkt
In einer vorangegangenen Studie war der Verlauf einer homöopathischen Behandlung von 3981 Patienten erfasst worden, die sich dieser Behandlung zwischen 1997 und 1999 unterzogen. Dabei stellte sich heraus, dass der Hauptgrund für die Konsultation des Arztes in 97% der Fälle ein chronisches Leiden gewesen war. Die ursprüngliche Studie begleitete die Patienten über einen Zeitraum von 24 Monaten mit dem Ergebnis, dass sich die Beschwerden deutlich reduzierten. Gerade bei chronischen Krankheiten wäre jedoch eine noch weiter ausgedehnte Langzeit-Nachbeobachtung aufschlussreich.

Zielsetzung
Die Datenbasis der vorangegangenen Studie soll als Grundlage genommen werden, um die Frage zu beantworten: Wie gesund sind chronisch kranke Patienten 8 Jahre nach der homöopathischen Behandlung?

Studiendesign
1997-1999 hatten die Patienten Fragebögen ausgefüllt, die u.a. Angaben zur medizinischen Vorgeschichte, Beschwerden, der Medikamenteneinnahme und der Lebensqualität enthielten. Unabhängig von den Ärzten bewerteten auch die Patienten die Schwere ihrer Beschwerden bei Studieneintritt, nach 3, 12 und 24 Monaten.

2006 konnten von den ursprünglich 3981 Patienten noch 2722 (1903 Erwachsene, 819 Kinder) in die 8-Jahres-Nachbeobachtungsstudie eingeschlossen werden. Den Patienten wurden erneut Fragebögen zugeschickt, die zusätzlich zur Einschätzung der Beschwerdenstärke und Lebensqualität auch die Zufriedenheit mit der Behandlung erfassen sollten.

Ergebnisse

Compliance

  • 32,9% der Patienten nahmen nach 8 Jahren weiterhin eine homöopathische Behandlung in Anspruch
  • 24,1% von ihnen konsultierten hierfür weiterhin den Arzt aus der vorausgegangenen Studie, 8,8% hatten den Homöopathen gewechselt
  • 29,2% hatten die Behandlung auf Grund erheblicher Erfolge eingestellt
  • 26,0% hatten die Behandlung aus der Überzeugung gestoppt, dass die Homöopathie ihnen nicht helfen könne
  • 7,1% hatten die Behandlung aus vom Therapieerfolg unabhängigen Gründen gestoppt
  • der Anteil der Kinder, die die Behandlung auf Grund erheblicher Erfolge eingestellt hatten, war doppelt so hoch, wie derjenige der Erwachsenen (46,2% versus 21,9%)
  • Erwachsene stoppten die Behandlung entsprechend häufiger auf Grund von ausbleibenden Verbesserungen (29,8% versus 17,2%)

Beschwerden

  • die Schwere der Beschwerden (0 = keine Beschwerden, 10 = maximale Stärke) nahm signifikant ab
  • bei den Erwachsenen von 6,2±1,7 (Baseline) auf 2,9±2,2 (24 Monate) auf 2,7±2,1 (8 Jahre)
  • bei den Kindern von 6,1±1,8 (Baseline) auf 2,1±2,0 (24 Monate) auf 1,7±1,9 (8 Jahre)
  • einer von zwei Patienten berichtete von einer Besserung der Beschwerden um 50% oder mehr

Zufriedenheit

  • 38,4% der Erwachsenen zeigten sich mit der homöopathischen Behandlung zufrieden und 12,9% unzufrieden
  • 41,8% der Kinder zeigten sich mit der homöopathischen Behandlung zufrieden und 10,3% unzufrieden

Fazit

Auch wenn die Effekte sich nicht ausschließlich auf die homöopathische Behandlung zurückführen lassen, so zeigt die Nachbeobachtung, dass Patienten mit chronischen Erkrankungen, die sich in eine solche Behandlung begeben, eine bemerkenswerte Besserung erzielen, die für 8 Jahre anhält.

Projektteam:
> Prof. Dr. Claudia Witt
> Prof. Dr. Stephan N. Willich
> Rainer Lüdtke

Forschungsschwerpunkt:
> Homöopathie

Förderzeitraum:
> 1997 - 2010

Fördervolumen:
> 960.206 Euro


Witt CM, Lüdtke R, Mengler N, Willich SN. How healthy are chronically ill patients after eight years of homeopathic treatment?-Results from a long term observational study. BMC Public Health 2008;8:413. Opens external link in new windowhttp://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19091085

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„Der Arzt und die Ärztin der Zukunft sollen zwei Sprachen sprechen, die der Schulmedizin und die der Naturheilkunde und Homöopathie. Im Einzelfall sollen sie entscheiden können, welche Methode die beste für den Patienten ist.“

(Veronica Carstens)