Carstens-Stiftung: Kunst als Kommunikation

Optimierungsstrategien bei Demenz

Kunst als Kommunikation

Wenn die Sprache nicht mehr genutzt werden kann, um sich auszudrücken, mitzuteilen und in Kontakt mit der Umwelt zu treten, müssen andere Mittel und Wege gefunden werden.

Eine demenzielle Erkrankung hat viele Ursachen und die Ausprägung sowie gesundheitliche Einschränkung im Alltag ist bei jedem Erkrankten verschieden. Eine der Folgen, die für den Alltag des/der Betroffenen und seiner Angehörigen eine schwerwiegende Belastung darstellt, ist die abnehmende Fähigkeit zu kommunizieren aufgrund der abnehmenden Gedächtnisleistung. Das Erinnerungsvermögen von Erlebtem aber auch von Begriffen und deren Bedeutung, ohne die eine Kommunikation mithilfe der Sprache praktisch unmöglich wird, lässt nach. Das heißt, die Sprachfähigkeit nimmt sukzessive ab und damit aber auch die Möglichkeit Informationen weiterzugeben oder ein Urteil/eine Einschätzung zu einer Situation abgeben zu können. Die Menschen verstummen, können nicht mehr am Alltag teilhaben und vereinsamen.

Wenn die Sprache nicht mehr genutzt werden kann, um sich auszudrücken, mitzuteilen und in Kontakt mit der Umwelt zu treten, müssen andere Mittel und Wege gefunden werden. Als eine wichtige Therapieform hat sich in diesem Zusammenhang die Kunsttherapie entwickelt. Einer der Experten auf diesem Gebiet bei der Arbeit mit Demenzerkrankten ist Prof. Dr. Albrecht Warning, der über die Möglichkeiten der Kunsttherapie u.a. ausführlich im Tagungsband Öffnet externen Link in neuem FensterForschungsplattform Demenz berichtet.

In der Kunsttherapie kommt dem Therapeuten/der Therapeutin eine ganz wichtige Schlüsselfunktion zu. Er oder sie muss eine Atmosphäre des Vertrauens und der Geborgenheit schaffen und Wege finden, mit den PatientInnen in Kontakt zu treten. Dies gelingt am besten in einer Art partnerschaftlichen Begegnung, die so gestaltet sein muss, dass sie zu einer nonverbalen Unterhaltung (ohne Worte) motiviert. Nach Warning ist es dabei am wichtigsten mittels Wertschätzung und Empathie einen Zugang zu den Betroffenen zu finden. Gerade im Rahmen einer kunsttherapeutischen Handlung ist dieses gut machbar. Hier geht es nicht um Vorgaben, Gelingen oder Versagen, sondern sämtliche Prozesse ergeben sich allein aus der momentanen Verfassung des/der PatientIn heraus.

KVC Verlag: Forschungsplattform Demenz

Forschungsplattform Demenz

Ergebnisse eines Expertentreffens zu Präventions-, Therapie- und Versorgungsstrategien.

Logo des KVC Verlags in Essen: Lesen Sie sich gesund!

Die Kunsttherapie dient dabei als rehabilitative, soziale Eingliederung derjenigen, die aufgrund der verlorenen Sprache sonst keine Form des Ausdrucks und der Mitteilung finden.
Die wichtigste Kunstform in dieser Therapie ist sicherlich das plastizierende Gestalten. Hier kann der Therapeut neben der Möglichkeit der Kommunikation viele weitere Effekte auf der körperlichen und Sinnesebene erzielen: Tastsinn, Gleichgewichtssinn, Wärmeempfinden, Bewegungsabläufe und Sehsinn werden aktiviert. Durch diese Form der Aktivierungen im Gehirn können so bestimmte Hirnareale stimuliert und damit nachhaltiger vernetzt werden.

Ein zweiter wichtiger kunsttherapeutischer Ansatz ist die Maltherapie, hier spielt die Farbe eine entscheidende Rolle. Farben beleben und verstärken unsere Empfindungen. Für den demenziell veränderten Menschen kann dieses spontane Farberleben als seelische Bewegung ganz bewusst erlebt werden. Die Farbe dient neben der Form zur seelischen Orientierung von Menschen, deren sogenannte Kognitive Karte (cognitive maps) aufgrund der Demenz nicht mehr für eine Orientierung genutzt werden kann. Die Kunst hilft Halt zu finden in einer Umwelt, die man nicht mehr deuten und einordnen kann und in der man sich hilflos und verloren fühlt.

Als drittes Kunstmittel wird die Linie eingesetzt. Eine Linie, z.B. das Nachfahren der "liegenden Acht" mit einem Stift, erlaubt eine rhythmische Bewegung mit Wendungen und Überschneidungen. Gerade dieses Bild soll durch die Bewegung auf der harmonischen Acht eine Körperresonanz bewirken, die eine ebenso lebendige wie zugleich in der rundlichen Führung beruhigende Wirkung hervorrufen kann.

Dr. Beate Stock-Schröer (Dipl.-Biol.)

Programmleitung Förderung, Lehre
und akademischer Nachwuchs

Telefon: 0201 56 305 10
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailb.stock-schroeer@carstens-stiftung.de


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„Der Arzt und die Ärztin der Zukunft sollen zwei Sprachen sprechen, die der Schulmedizin und die der Naturheilkunde und Homöopathie. Im Einzelfall sollen sie entscheiden können, welche Methode die beste für den Patienten ist.“

(Veronica Carstens)