Optimierungsstrategien bei Demenz

Komplementärmedizinische Behandlungsstrategien bei Demenz

Forschungsplattform Demenz: Präventions-, Therapie- und Versorgungsstrategien. Immer am ersten Donnerstag im Monat berichten wir über Ergebnisse aus unserem Projekt.

Komplementärmedizinische Strategien zur Prävention sowie Behandlung einer Demenz spielen in der Versorgung eine zunehmend große Rolle. Die Nachfrage besteht seitens der Therapeuten aber auch der pflegenden Angehörigen bzw. der Betroffenen selber. Während im Bereich der Phytotherapie in den letzten Jahren viel und mit guten Ergebnissen geforscht wurde, z.B. zu Gingko biloba, gibt es zu den anderen Verfahren nur wenige oder qualitativ schlechte Studien. Und das, obwohl die qualitativ guten Studien aus dem Bereich der nicht-pharmakologischen, komplementärmedizinischen Verfahren einige vielversprechende Ansätze aufzeigen.
Eine erste Übersicht sämtlicher Studien, die im Bereich Demenz und Komplementärmedizin durchgeführt wurden, ergab eine Anzahl von 36 relevanten Übersichtsarbeiten, die mehrere klinische Studien bewertet haben.

So lassen sich z.B. für Interventionen in den Bereichen Massage, Akupunktur, Aromatherapie und Musiktherapie positive Effekte nachweisen. Für die Akupressur z.B. zeigen zwei Studien, dass diese Behandlung vor allem bei den für eine Demenz häufig auftretenden Unruhezuständen (Agitation) des Patienten helfen kann. Auch die Handmassage scheint eine gute Methode, um die Unruhe des Patienten in den Griff zu bekommen. Alleine schon die regelmäßige Berührung z.B. während der Nahrungsaufnahme zusammen mit gutem Zuspruch oder eine leichte Massage kann den Patienten helfen. Eine noch größere Evidenz zeigte sich bei der Wirksamkeit der Fußreflexzonenmassage. Klinische Studien konnten durchweg positive Effekte bei Ängstlichkeit, aggressivem Verhalten, Agitation sowie Verweigerungshaltung zeigen.

KVC Verlag: Forschungsplattform Demenz

Forschungsplattform Demenz

Ergebnisse eines Expertentreffens zu Präventions-, Therapie- und Versorgungsstrategien.

Logo des KVC Verlags in Essen: Lesen Sie sich gesund!

Die Übersichtsarbeiten zu Akupunktur bei Demenz untersuchen vor allem die Wirkung auf kognitive Leistungen und weniger auf Verhalten und andere psychologische Parameter der Patienten. Hier kommen die Studien allerdings zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen, was die Effekte auf die Gedächtnisleistung und die Bewältigung der Alltagsaktivitäten angeht. Dabei zeigt eine Übersichtsarbeit mit insgesamt zehn qualitativ guten klinischen Studien, dass die Akupunktur die Wirkung der Medikation positiv verstärken kann. Künftige Studien müssen allerdings zeigen, ob der Akupunktur als alleinige Therapie eine Wirkung zugeschrieben werden kann und welche Patienten von der Behandlung profitieren können.

Eine weitere vielversprechende Therapie scheint die Aromatherapie zu sein, obwohl die vorliegenden Studien, was Qualität und Fragestellung angeht, sehr heterogen sind. Aromaöle können sowohl in Form von Raumbeduftung als auch z.B. in Form von Massagen verwendet oder in seltenen Fällen auch eingenommen werden. Zudem werden in den hier untersuchten Studien verschiedene Öle bzw. Ölmischungen ganz unterschiedlich angewendet, so dass eine einheitliche Empfehlung, welches Öl bei welchem Symptom hilft, zum jetzigen Zeitpunkt schwierig ist.

Aufgrund der derzeit vorliegenden Studienlage können leider noch keine Aussagen zur Wirksamkeit von Homöopathie oder Bewegungstherapie gemacht werden. Hier besteht dringender Forschungsbedarf. Erste Studien aus dem Bereich der meditativen Bewegung zeigen aber, dass Tai Chi eine protektive und stabilisierende Wirkung auf die Gedächtnisfähigkeit haben kann.

Welche Forschungsfragen als nächstes beantwortet werden sollten, versuchen u.a. die zwölf Doktoranden, die im Rahmen der Forschungsplattform Demenz systematische Übersichtsarbeiten erstellen, herauszufinden. Dabei gibt es zwei wesentliche Herausforderungen: Zum einen den Wirksamkeitsnachweis einzelner Therapien, zum anderen gilt es dabei aber auch herauszufinden, wie die jeweiligen Therapien dann im nächsten Schritt in den Versorgungsalltag umgesetzt werden können. Wer soll die Akupunktur vor Ort durchführen und wie ist die Therapie – gerade auch die Akupunktur – bei Patienten praktisch umsetzbar, die kognitiv nicht mehr in der Lage sind, das angewandte Verfahren zu verstehen?

In einem der nächsten Beiträge beschäftigen wir uns mit der Integration der Musiktherapie bei Demenzen. Alle hier vorgestellten Informationen und Ergebnisse finden Sie auch im Expertenband.

Dr. Beate Stock-Schröer (Dipl.-Biol.)

Programmleitung Förderung, Lehre
und akademischer Nachwuchs

Telefon: 0201 56 305 10
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailb.stock-schroeer@carstens-stiftung.de


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„Der Arzt und die Ärztin der Zukunft sollen zwei Sprachen sprechen, die der Schulmedizin und die der Naturheilkunde und Homöopathie. Im Einzelfall sollen sie entscheiden können, welche Methode die beste für den Patienten ist.“

(Veronica Carstens)