Studien kurz und knapp

Karpaltunnelsyndrom: Kann Leinöl-Hautgel nächtliches Schienen des Handgelenkes erübrigen?

In einer aktuellen Studie wurde der Einsatz des traditionellen persischen Heilmittels Leinöl in einer neuen pharmazeutischen Verarbeitung gegen die Beschwerden von idiopathischem Karpaltunnelsyndrom getestet.

Das Karpaltunnelsyndrom (Brachialgia paraesthetica nocturna) ist eine insbesondere bei Frauen weit verbreitete Erkrankung der oberen Extremitäten, bei der es durch eine Verengung im Handwurzelbereich zu einer Nervenkompression kommt. Dies führt zu Empfindungsstörungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühl und Schmerzen in der Hand und im Arm. Oft treten die Beschwerden anfangs nur in der Nacht auf, mit Fortschreiten der Erkrankung jedoch auch tagsüber, so dass Betroffene in ihren regulären Aktivitäten massiv, bis hin zur Arbeitsunfähigkeit, eingeschränkt sein können. Bei leichten bis mittelstarken Beschwerden hat sich eine konservative Behandlung mit einer nächtlichen Lagerungsschiene bewährt, die jedoch nur eine kurzfristige Symptomenlinderung darstellt. Für etliche Patienten ist die Armschiene zwar hilfreich, aber dennoch unbequem.
Das Öl der Flachssamen (Linum usatissimum) wird in zahlreichen traditionellen Medizinsystemen zur Behandlung von schmerzhaften und entzündlichen Erkrankungen verwendet, so auch in der Traditionellen Persischen Medizin. Da Leinöl leicht verderblich und nach dem Auftragen auf die Haut nicht abriebfest ist, entwickelten iranische Forscher ein Gel mit Leinöl zur äußerlichen Anwendung und überprüften seine Wirksamkeit in einer dreiwöchigen Vergleichsstudie [1]. Dazu wurden Patienten mit leichtem bis mittelschwererem idiopathischem Karpaltunnelsyndrom nach dem Zufallsprinzip der Behandlung mit dem Leinöl-Gel oder mit einer Nachlagerungsschiene zugeordnet. Das Gel wurde zweimal täglich (morgens und abends) ohne eine Massage auf die betroffenen Arme aufgetragen.
Die Teilnehmer beider Gruppen profitierten von der jeweiligen Behandlungsmethode hinsichtlich der Linderung der Symptome und Funktionseinschränkungen, jedoch konstatieren die Wissenschaftler eine statistisch signifikante Überlegenheit des Leinöl-Gels gegenüber der Lagerungsschiene.

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Einschätzung:

Bereits in einer früheren randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie [2], bei der Leinöl in Ergänzung zu der Behandlung mit einer nächtlichen Lagerungsschiene eingesetzt wurde, zeichnete sich die positive Wirkung der Ölbehandlung auf die Symptomatik des Karpaltunnelsyndroms ab.
Eine Verwendung des Wirkstoffes in einem Gel und einen Verzicht auf das nächtliche Tragen einer Lagerungsschiene scheint gemäß der aktuellen Publikation ebenfalls möglich zu sein. Allerdings weist die Studie einige methodische Einschränkungen auf, die keinen eindeutigen Rückschluss zulassen:
1. Um eine statistische Aussagekraft über die Wirksamkeit zu erhalten, berechneten die Wissenschaftler vorab eine erforderlich Teilnehmerzahl von 48 Patienten pro Versuchsgruppe. Letztlich wurden aber nur die Daten von 49 Patienten mit 96 erkrankten Händen (48 Hände, nicht Patienten je Gruppe) ausgewertet.
2. Die Gruppen waren zu Studienbeginn hinsichtlich der Schwere der Erkrankung wenn auch nicht signifikant, so doch deutlich unterschiedlich.
3. Laut Aussage der Forscher war es nicht möglich, die eingangs durchgeführte elektrodiagnostische Einstufung der Patienten auch nach der dreiwöchigen Behandlungsphase durchzuführen und mit den Basiswerten zu vergleichen, so dass diese objektivierbaren Parameter entfallen und sich die Studie allein auf die Auswertung Boston Carpal Tunnel Questionnaire (einen in der Forschung verbreiteten Patientenfragebogen) stützt.


Fazit:

Eine Verwendung von Leinöl oder eines Gels auf Leinölbasis kann für Patienten mit leichten bis mittelschweren Beschwerden durch Karpaltunnelsyndrom als Alternative zum nächtlichen Tragen einer Lagerungsschiene in Betracht gezogen werden. Jedoch bedarf es noch weiterer, methodisch ausgereifter klinischer Studien, um eine eindeutige Aussage über die Wirksamkeit der verschiedenen Applikationsformen zu treffen.

Literatur

1) Setayesh M, Sadeghifar AR, Nakhaee N, Kamlinejad M, Rezaeizadeh H. A topical gel from flax seed oil compared with hand splint in carpal tunnel syndrome: a randomized clinical trial. J Evid Based Complementary Altern Med 2016; [Epub ahead of print]. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

2) Hashempur MH, Homayouni K, Ashraf A, Salehi A, Taghizadeh M, Heydari M. Effect of Linum usatissimum L. (linseed) oil on mild and moderate carpal tunnel syndrome: a randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial. DARU 2014; 22: 43. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
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(Veronica Carstens)