Studien kurz und knapp

Homöopathische Arzneimittel im UV-Spektroskop

Physikalisches Experiment weist signifikante Unterschiede im Lichtabsorptionsspektrum homöopathischer Hochpotenzen im Vergleich zur Placebokontrolle nach.

Obwohl die Grundlagenforschung zur Homöopathie im Allgemeinen wenig öffentliche Aufmerksamkeit erfährt, kommt ihr doch besondere wissenschaftliche Bedeutung zu. Das Wirkprinzip potenzierter Arzneimittel ist bis dato noch ungeklärt. Sie enthalten ab einer gewissen Grenze, zumindest rein rechnerisch, kein einziges Molekül ihrer Ausgangssubstanz. Ihre Wirkung auf den menschlichen Organismus kann daher nicht unter Rückgriff auf das Pharmakonmodell der konventionellen Medizin erklärt werden. Dieses beruht nämlich auf der Vorstellung, dass eine Wirkung im pharmakologischen Sinne dadurch hervorgebracht wird, dass ein chemisch nachweisbarer Stoff auf einen entsprechenden Rezeptor an der Körperzelle einwirkt.

Klinische Homöopathiestudien lassen einen mehr oder weniger großen Raum für die Interpretation der Frage offen, ob die beobachteten Effekte direkt kausal mit der Verabreichung der eingesetzten Arzneimittel zusammenhängen oder aber durch sogenannte Kontexteffekte, wie etwa die Erwartungshaltung des Patienten, beeinflusst werden. Die Vezerrungsanfälligkeit von Laborexperimenten ist in Bezug auf diesen und andere Störfaktoren um ein beträchtliches Maß geringer. Dem empirischen Nachweis der Wirkung von hochpotenzierten Arzneimitteln im Rahmen naturwissenschaftlicher Experimente nach anerkannten Standards kommt daher essenzielle Bedeutung für die Homöopathieforschung zu. Ein zweiter Schritt wäre die Formulierung einer Theorie des zugrundeliegenden Wirkprinzips. Hierdurch würde die Homöopathie aus dem Status einer Anomalie in denjenigen eines regulären Forschungsgegenstandes überführt. So würde der vorurteilslosen Untersuchung dieses Therapieverfahrens auf dem Gebiet der Medizin ein gutes Stück Weg geebnet.

Material und Methoden

Die vorliegende Arbeit [1] untersucht die Fragestellung, ob mittels UV-Spektroskopie ein Unterschied zwischen verschiedenen homöopathischen Arzneimitteln untereinander und im Vergleich zur Placebokontrolle nachgewiesen werden kann. Bei dem eingesetzten Messverfahren wird die Probe einer Substanz in Flüssigkeit gelöst und mit ultraviolettem Licht bestrahlt. Ein Teil des eingestrahlten Lichtes wird, je nach Beschaffenheit der Probe, absorbiert. Gemessen und ausgewertet wird das Absorptiumsspektrum im Vergleich zu einer Referenzprobe des Lösungsmittels.

Im Rahmen des hier vorgestellten Experiments wurden Globuli sechs verschiedener homöopathischer Arzneimittel (Aconitum napellus, Atropa belladonna, Phosphorus, Sulfur, Apis mellifica, Quartz) in den sechs Potenzstufen D6, D12, C30, C200, C200 als Fluxionspotenz (Spezialherstellung in nur einem Gefäß) und C10.000 in Reinstwasser aufgelöst und im UV-Spektrometer untersucht. Als Kontrolle dienten eine Serie Globuli, die mit dem üblichen Lösungsmittel (Wasser-Ethanol-Gemisch) in der jeweiligen Potenzstufe imprägniert worden war, sowie eine Charge unbehandelte Globuli. Die Messungen wurden an fünf verschiedenen Tagen durchgeführt. Für jeden dieser Tage wurden neue Proben einer jeden Substanz und Potenz präpariert. Für die Auswertung wurde die durchschnittliche Absorption der Prüfsubstanzen im Wellenlängenbereich von 200 - 340 Nanometer (UV-Licht) berechnet und für gerätebedingte Tagesabweichungen korrigiert.   

Ergebnisse

Die Forscherinnen beobachteten statistisch signifikante Unterschiede der Lichtabsorption von drei der geprüften Arzneimittel gegenüber der Kontrolle: Aconitum napellus C30 und C200, Apis mellifica C30, C200 und C10.000 sowie Sulfur C200 (Fluxionspotenz) ließen sich von der Kontrollprobe in der jeweils selben Potenzstufe unterscheiden.

Physikalische Untersuchung homoeopathischer Hochpotenzen

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Ebenfalls signifikant unterschiedlich war das Messergebnis für die Potenzstufen C30, C200 und C200 (Fluxionspotenz), wenn man die Ergebnisse aller sechs getesteten Substanzen zusammen im Vergleich zur Kontrolle in derselben Potenz betrachtete. Für die Potenzen D6 und D12 und C10.000 wurden in dieser globalen Auswertung keine Abweichungen gegenüber dem Referenzwert beobachtet. Die Messabweichungen der einzelnen Potenzstufen gegenüber dem potenzierten Lösungsmittel waren durchweg relativ klein: C30 / Kontrolle: p=0,045; C200 / Kontrolle: p=0,036; C200 (Fluxionspotenz) / Kontrolle: p=0,036. Per Konvention gilt ein p-Wert < 0,05 als signifikantes Ergebnis. Dieser Wert bedeutet, vereinfacht ausgedrückt, dass das jeweils in Rede stehende Ergebnis mit einer Wahrscheinlichkeit von weniger als 5% bloß zufällig zustande gekommen ist.

Einschätzung:

Der Versuchsaufbau und die Dokumentation der Ergebnisse sind von hoher methodischer Qualität. Die Wissenschaftlerinnen haben Überlegungen in diverse Richtungen angestellt, um Messfehler und ähnliche Probleme zu vermeiden. Die präsentierten Resultate müssen jedoch vorsichtig interpretiert werden: Die Werte streuen stark. Hinzu kommt, dass die gemessenen Absorptionsdifferenzen im Großen und Ganzen relativ klein sind. Es sind aber vermutlich auch keine großen Effekte zu erwarten, wenn man eine Technologie zur Analyse von Imponderabilien nutzt, die eigentlich für stoffliche Proben gedacht ist. Der Kritiker mag daher in der vorliegenden Arbeit möglicherweise lediglich die Dokumentation eines "Rauschens" erblicken. In Rechnung gestellt werden muss aber andererseits, dass sie ältere Resultate derselben Forschergruppe erfolgreich reproduziert.[2] Die Problematik kleiner Effekte und/oder instabiler Testsysteme ist vielen, wenn auch nicht allen, Experimenten aus der Grundlagenforschung zur Homöopathie gemein. Eine zusammenfassende Betrachtung des Forschungsstandes konstatiert:

"Unter den mehr als 1.000 fachwissenschaftlichen Publikationen gibt es eine beträchtliche Anzahl von qualitativ hochwertigen Studien, welche eine empirische Evidenz für eine spezifische Wirksamkeit auch hochverdünnter potenzierter Arzneien beobachteten. Ebenso gibt es mehrere experimentelle Modelle, mittels welcher in unabhängiger Replikation signifikante spezifische Effekte potenzierter Präparate festgestellt wurden."[3]

Literatur

[1] Klein, S.D.; Wolf, U.: Comparison of homeopathic globules prepared from high and ultra-high dilutions of various starting materials by ultraviolet light spectroscopy. Complement Ther Med 2016; 24: 111-117. Öffnet externen Link in neuem FensterVolltext

[2] Klein, S.D.; Sandig, A.; Baumgartner, S.; Wolf, U.: Differences in median ultraviolet light transmissions of serial homeopathic dilutions of copper sulfate, Hypericum perforatum, and Sulfur. eCAM 2013; 2013: 370609; (1-11). Öffnet externen Link in neuem FensterVolltext

[3] Baumgartner, S.; Behnke, J.; Frei-Erb, M.; Kösters, C.; Teut, M.; Torchetti, L.; von Ammon, K.: Der aktuelle Stand der Forschung zur Homöopathie. Köthen: Wisshom, 2016. Öffnet externen Link in neuem FensterVolltext

Dr. Jens Behnke, Carstens-Stiftung : Natur und Medizin

Dr. Jens Behnke

Homöopathie in Forschung und Lehre

Telefon: 0201 56 305 13 und 0178 5594 308
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