Carstens-Stiftung: Gegen die Höhenkrankheit ist ein Kraut gewachsen.

Rubrik: Studien kurz und knapp

Gegen die Höhenkrankheit ist ein Kraut gewachsen

Verhindert ein Extrakt aus gekerbter Rosenwurz akute Beschwerden beim Bergaufstieg?: Die traditionell im Himalaya und Tibet zur Vorbeugung der Höhenkrankheit verwendete Pflanze wurde nun erstmals in einer Doppelblindstudie auf ihre Wirksamkeit untersucht.

Schon ab einer Höhe ab 2500 Meter kann sie auftreten: die Höhenkrankheit, die sich bei den Betroffenen durch Schwindel, Kopfschmerz und Übelkeit bemerkbar macht. Bewohner höher gelegener Gebiete, wie beispielsweise der Himalaya-Gebirgsregionen, haben ständig mit diesen nicht gravierenden, aber dennoch unangenehmen Symptomen zu kämpfen. Schon lang wird die gekerbte Rosenwurz (Rhodiola crenulata) deshalb im asiatischen Raum zur Linderung der diese Krankheit charakterisierenden Symptome eingesetzt. Auch Freizeit-Bergsteiger, die größere Höhen erklimmen, könnten von dieser althergebrachten Volksweisheit profitieren.

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Wissenschaftler der Universität Taiwan untersuchten erstmals in einer aktuellen Doppelblindstudie im Crossover-Design, inwiefern die Einnahme eines Extrakts aus dieser speziellen Rosenwurzart das Auftreten der Höhenkrankheit verhindern kann. Die 125 Probanden der Studie erhielten sieben Tage vor und zwei Tage während des Bergaufstiegs nach dem Zufallsprinzip entweder 800 mg Rhodiola-crenulata-Extrakt oder aber ein Placebo. Der Bergaufstieg von 250 Metern auf eine Höhe von 3421 Metern, bei dem Strecken auch im Bus zurückgelegt wurden, erfolgte ohne die ansonsten zur Gewöhnung an die Höhen einzuhaltenden Pausen. Nach einer dreimonatigen Ruhephase erhielten diejenigen Probanden, die vorher das pflanzliche Extrakt erhalten hatten, das Placebo und umgekehrt, und absolvierten einen weiteren Bergaufstieg unter gleichen Bedingungen.

Für die Auswertung standen schließlich die Daten von 102 Studienteilnehmern zur Verfügung. Zwischen den beiden Gruppen waren in beiden Interventionsphasen hinsichtlich des Auftretens der Höhenkrankheit keine signifikanten Unterschiede festzustellen. Beim ersten Aufstieg betrug die Erkrankungsrate rund 67 Prozent in der Rhodiola-Gruppe und 65 Prozent in der Placebo-Gruppe. Die Raten beim zweiten Aufstieg bewegten sich um die 56 Prozent in beiden Gruppen.

Einschätzung:

Zumindest zur Prävention der gefürchteten Höhenkrankheit eignet sich die vorherige Einnahme eines Rhodiola-crenulata-Extrakts in dieser Form offensichtlich nicht. Das Wissen um die Symptomatik und die Gewöhnung an die Situation könnten die Ursachen für die niedrigere Krankheitsrate in der zweiten Interventionsphase sein.

Den Grund für den mangelnden Erfolg des pflanzlichen Extrakts sehen die Wissenschaflter unter anderem in der Zubereitung der Arznei. Normalerweise wird Bergsteigern vor dem Aufstieg ein Sud aus der Rhodiola-Wurzel verabreicht. Bei der Herstellung der Studienmedikation könnte sich jedoch die Konzentration der wirksamen Substanzen wesentlich verringert haben.

Weitere Studien mit verschiedenen Dosen, anderen Zubereitungsformen und eventuell weiteren Arten aus der Rhodiola-Gattung könnten diese und andere Zweifel aus dem Weg räumen.

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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Literatur

Chiu T-F, Chen, LL-C, Su D-H, Lo H-Y, Chen C-H, Wang S-H, Chen W-L. Rhodiola crenulata extract for prevention of acute mountanin sickness: a randomized, double-blind, placebo-controlled, crossover trial. BMC Complement Altern Med 2013; 13: 298; doi:10.1186/1472-6882-13-298 Opens external link in new windowAbstract


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