Studien kurz und knapp

Fischöl bei Arthritis: Beliebt, aber auch wirksam?

Bei entzündlichen rheumatischen Krankheiten sind laut einer aktuellen Meta-Analyse nur moderate Effekte durch die Einnahme mariner Omega-3-Fettsäuren hinsichtlich Schmerz, Entzündung und Funktionalität festzustellen.

Um ihre Beschwerden, allen voran den Schmerz zu lindern, greifen viele Rheumapatienten auf natürliche Mittel zurück. In den USA haben laut einer Umfrage aus dem Jahr 2016 drei von fünf Arthritis-Patienten Erfahrungen mit Nahrungsergänzungsmitteln wie beispielsweise Glukosamin/Chondroitin, Fischöl, pflanzlichen Mitteln, Vitaminen, Mineralstoffen u.a. [1] Insbesondere Omega-3-Fettsäuren-haltige Präparate, die beispielsweise das Öl fetter Fischsorten und anderer Meeresbewohner wie der neuseeländischen Grünlippmuschel, Robbenarten wie der Sattelrobbe sowie Krillöl enthalten, sind bei Betroffenen mit rheumatischen Leiden beliebt. Sie enthalten vor allem Eicosapentaensäure (engl. Abkürzung: EPA) und Docohexaensäure (engl. Abkürzung: DHA), deren antientzündliche Wirkung bereits in diversen Untersuchungen belegt werden konnte. Laut drei von vier Meta-Analysen, die Fischöl und andere Präparate mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren bei Patienten mit muskuloskelettalen Erkrankungen untersuchten, zeigten sich die marinen Öle effektiv in der Therapie rheumatischer Beschwerden. [2]

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Im Rahmen einer aktuellen Meta-Analyse wurde nun erstmals das Potenzial von Omega-3-Fettsäuren marinen Ursprungs verschiedener Art (Öl aus Fischen, Muscheln, Robben, Krill, Lebertran etc.) in der Behandlung der rheumatischen Arthritis unter Einbeziehung aller Erkrankungsformen untersucht. [2] In die Übersicht sowie Analyse wurden ausschließlich randomisierte, kontrollierte Studien eingeschlossen. Die Auswahl der Studien sowie die Berichterstattung erfolgten unter Berücksichtigung der Maßgaben des PRISMA-Statements, einer anerkannten Leitlinie für den Bericht einer systematischen Übersicht oder einer Meta-Analyse. Den primären Endpunkt bildete für die Wissenschaftler die Schmerzintensität, als sekundäre Endpunkte dienten krankheitsspezifische funktionelle Beschwerden sowie das Entzündungsgeschehen. Nach Ausschluss nicht-relevanter Studien wurden 65 Studien in die systematische Übersicht inkludiert, 42 von ihnen qualifizierten sich für die Analyse. Die Behandlungszeiträume in den Studien betrugen zwischen zwei Wochen und 18 Monaten, in denen die mehrfach ungesättigten Fettsäuren EPA in täglichen Dosishöhen zwischen 0,013 bis 4,050 Gramm, respektive DHA zwischen 0,010 bis 2,7 Gramm täglich zum Einsatz kamen. Die Mehrheit der analysierten Studien, insgesamt 32, untersuchten die Effekte von marinen Ölen bei rheumatisch-entzündlicher Arthritis, sechs Studien konzentrierten sich auf Arthrose und vier Studien schlossen Patienten mit diversen anderen Arthritis-Formen ein (juvenile Arthritis, Psoriasis-Arthritis und andere Varianten).

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Die im Rahmen der Meta-Analyse vorgenommene Meta-Regression zu den verschiedenen Effektstärken der Studien ergab eine statistisch signifikante Präsenz an Heterogenität, welche laut Aussage der Wissenschaftler auf verschiedene Faktoren wie die Unterschiede zwischen Diagnose, der Art der verwendeten Fischöle und Herstellungsverfahren sowie Dosierungen zurückzuführen ist. Auch Verzerrungsfaktoren auf der Methoden-Ebene bilden potenzielle Ursachen für die festgestellte Heterogenität.
Hinsichtlich der Schmerzreduktion konnten signifikante Effekte bei den Patienten mit rheumatoider Arthritis sowie anderen Arthritis-Formen, nicht aber bei Patienten mit Arthrose konstatiert werden.

Vollständige Daten zu den sekundären Endpunkten Funktionalität und Entzündungsreaktionen standen in 23, respektive 25 Studien für die Auswertung zur Verfügung. Hier konnte für den Parameter der Funktionalität kein signifikanter Effekt der verwendeten marinen Öle festgestellt werden; auf der Ebene des Entzündungsgeschehens jedoch waren die Fischöl-Interventionen signifikant wirksam.
In allen Studien wurden die Präparate aus marinen Ölen gut vertragen, selten wurden leichte Nebenwirkungen beobachtet.

Einschätzung:

Auf der methodologischen Ebene sehr differenziert durchgeführt, attestiert die vorliegende Metaanalyse marinen Ölen bei Arthritis trotz bestehender Heterogenität der analysierten Studien insbesondere hinsichtlich des Schmerzsituation von Arthritis-Patienten eine moderate positive Wirkung. Die Aussage jedoch, Fischöl zeige auf der Schmerzebene keinen Effekt bei Arthrose und anderen Formen der Arthritis erscheint angesichts der Tatsache, dass vergleichsweise wenige Studien zu diesen Erkrankungsformen zur Verfügung standen, nicht sonderlich robust. Schwierig gestaltet sich auch die Tatsache der fehlenden Informationen zu der sonstigen Ernährungsweise der in die Studien eingeschlossenen Patienten, die sich verfälschend auf die Einzelerfolge der Fischöl-Präparate ausgewirkt haben könnte. Auch lassen sich schwerlich Rückschlüsse auf die bessere Wirksamkeit einer höher dosierten Einnahme von Fischöl-Präparaten treffen, da sich in der Analyse zeigte, dass höhere Dosen entgegen aller Erwartungen zum Teil mit einer niedrigeren Schmerzreduktion assoziiert waren.

Unter dem Strich klingen die Schlussfolgerungen der Wissenschaftler eher verhalten. Sie attestieren marinen Ölen bestenfalls einen moderaten positiven Effekt auf die Schmerzintensität im Rahmen von Arthritis. Sollten sich Betroffene mit einer rheumatoiden Arthritis für einen Therapieversuch mit Präparaten aus marinen Ölen entscheiden, so werden Präparate mit einer EPA/DHA-Ratio (dem Verhältnis beider Omega-3-Fettsäuren zueinander) von mindestens 1,5 empfohlen.

Ergänzend zu der Einnahme von Präparaten aus marinem Öl bietet sich der zwei Mal wöchentliche Verzehr von fetten Seefischen wie Lachs, Makrele, Hering, Thunfisch oder Sardine, die besonders reich an Omega-3-Fettsäuren sind, an. Vegetarier und Veganer können auch auf andere Omega-3-Fettsäuren-Quellen wie Lein- oder Hanföl zurückgreifen.[3] Vor dem Hintergrund überfischter Meere wäre dies auch für Nicht-Vegetarier überlegenswert. Angst vor einer überhöhten Schwermetall- und Pestizidbelastung durch Einnahme von Fischöl-Präparaten sind zum Teil begründet, jedoch kann bei den meisten, qualitativ hochwertigen Produkten aus marinen Quellen mittlerweile davon ausgegangen werden, dass potenzielle Belastungen durch gründliche Reinigungsverfahren stark minimiert bzw. ausgeschlossen sind.

Literatur

1) Wilson PB. Dietary supplementation is more prevalent among adults with arthritis in the United States population. Complement Ther Med 2016; 29: 152-157 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

2) Senftleber NK, Nielsen SM, Andersen JR, Bliddal H, Tarp S, Lauritzen L, Furst DE, Suarez-Almazor ME, Lyddiatt A, Christensen R. Marine oil supplements for arthritis pain: a systematic review and meta-analysis of randomized trials. Nutrients 2017; 9(1): E42 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

3) Becker U. Omega-3-Fettsäuren: Es muss nicht immer Fisch sein. PTA Forum online 2014; Ausg. 11 Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Daniela Hacke

Daniela Hacke, M.A.
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