Integrative Medizin
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Fenchel- und Kümmeltee gegen Blähungen
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Fenchel- und Kümmeltee gegen Blähungen

Von Redaktion Carstens-Stiftung

Magen-Darm Tee Fenchel

Wie wirksam sind die alten Hausmittel tatsächlich? Studie untersucht: Sind Fenchel- und Kümmeltee nachweisbar wirklich so wirkungsvoll bei Magen-Darm-Beschwerden, wie allgemein angenommen?

Projekt

Studie an der Universitätskinder- und Jugendklinik Rostock, hervorgegangen aus dem Modellprojekt "Homöopathie in der Pädiatrie", München. 

Zur Sache

Fenchel und Kümmel werden in vielen heilkundlichen, aber auch in modernen pharmakologischen Werken als Heilmittel gegen Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Abgang von Winden und Darmkoliken empfohlen.

Zentrale Fragestellung

„Was ist dran an diesen Empfehlungen?“ – so lässt sich die Frage, der Kristine Groth in ihrer Doktorarbeit nachging, salopp formulieren. Und: Lassen sich die Effekte der Tees durch den zum Nachweis von bestimmten Verdauungsstörungen etablierten Test belegen? Im Fachjargon heißt das: Ist die empirisch beobachtete Besserung von Magen-Darm-Beschwerden wie Flatulenz (Winde), Meteorismus (Blähungen) und Darmspasmen (Darmkrämpfen) bei Einnahme von Fenchel- und Kümmeltee mit dem in der Klinik zum Nachweis von Malabsorptionssyndromen etablierten Wasserstoffatemtest nachzuweisen, und treten Unterschiede zwischen den Teesorten auf?

Zur Erläuterung: Bei einem Malabsorptionssyndrom handelt es sich um eine angeborene oder erworbene „schlechte Stoffaufnahme“, bei der die angebotenen Nährstoffe nicht ausreichend aufgenommen werden. Mittels des Wasserstoffatemtests wird der Wasserstoffgehalt in der Ausatemluft gemessen. Dies erlaubt gewisse Rückschlüsse auf die Kohlenhydrat-Verdauung.

Tee zum Heilen und Genießen

Tee zum Heilen und Genießen

Mit einer „Tee-Apotheke“ und zahlreichen Arzneiteemischungen

Michael Elies · Annette Kerckhoff

ISBN: 978-3-945150-88-7
Erscheinungsjahr: 2018, 2. Aufl.

14,90 EUR

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Zur Studie

In einer klinischen Studie wurden Teezubereitungen aus frisch gemahlenen Fenchel- und Kümmelfrüchten sowie einem industriell gefertigten Fenchelteegranulat auf ihre verdauungsfördernde Wirkung untersucht.

Gemessen wurde, welche Änderung der ausgeatmeten Menge an Gesamtwasserstoff sich nach Gabe eines Blähungen verursachenden, unverdaulichen Kohlenhydrates (Laktulose) an einem Versuchstag und Gabe dieses Kohlenhydrates und der Einnahme von drei verschiedenen Teezubereitungen an drei anderen Versuchstagen am Patienten ergab. Außerdem schätzten die Patienten die Veränderung ihrer Beschwerden selbst ein. Parallel dazu erfolgte ein in vitro-Test, bei dem mit Stuhlproben der Versuchsteilnehmer die Wasserstoffsynthese nach Zugabe von Wasser und den drei Teesorten zu Stuhlkulturen bestimmt wurde. 

Ergebnisse

Die Ergebnisse dieser Studie können die Hypothese, dass Fenchel- und Kümmeltee durch eine verminderte intestinale Wasserstoffbildung blähungswidrig wirken, statistisch weder stichhaltig belegen noch entkräften.

Während der Fencheltee aus den gemahlenen Früchten in der in vivo-Studie tendenziell am besten abschneidet, zeigt sich im in vitro-Versuch eine klare Überlegenheit des Fenchelteegranulates, wohingegen der Fencheltee (aus Früchten) am schlechtesten abschneidet.

Dass in vivo- und in vitro-Versuche in ihren Ergebnissen nicht übereinstimmen, wundert die Autorin jedoch nicht: „Die Inkongruenz der beiden Studienteile ist nicht ungewöhnlich, da viele der in vivo existierenden Einflussmöglichkeiten in vitro nicht imitiert werden können, sondern lediglich die direkte Wirkung (in vivo nur ein Wirkmechanismus unter einer Reihe von anderen) auf die Bakterien studiert werden konnte. Die vielfältigen Einfluss- und Verzerrungsmechanismen vor allem im vivo-Versuch legen einmal mehr das komplexe und vielfach erst in Ansätzen erforschte Zusammenspiel zwischen dem Ökosystem Mensch und seiner mit ihm in Symbiose lebenden Darmflora dar.“

Interessant ist zudem, dass die Ergebnisse deutlich von der Art der Auswertung abhängen. So schneiden Fenchel- und Kümmeltee deutlich besser ab, wenn man eine maximale Zeitspanne der Messdaten von 20 Tagen oder – noch deutlicher – von nur 5 Tagen wählt. Die Projektleiter: „Daraus kann geschlussfolgert werden, dass die fehlende Standardisierung (Vereinheitlichung) der Zeitspannen zwischen den Versuchstagen das Ergebnis der Studie entscheidend beeinflusst hat.“

Das Fazit der Autorin ist entsprechend kurz und bündig: "Insgesamt bleiben viele Fragen offen und bieten ein breites Feld zukünftiger Forschungsansätze.“

Projektleiter:
> Kristine Groth
> Prof. Dr. W. Heine
> Dipl. Stat. Rainer Lüdtke

Förderzeitraum:
> 1999 - 2000

Fördervolumen:
> 11.862 Euro