Carstens-Stiftung: Heuschnupfen, Rhinitis allergica, Pollenallergie, Pollinosis

Rubrik: Studien kurz und knapp

Die Behandlung des Heuschnupfens mit homöopathischen Tiefpotenzen von Galphimia glauca

Wenn es um die homöopathische Behandlung von Heuschnupfen geht, sind vor allem Tiefpotenzen von Galphimia glauca wissenschaftlich erforscht. In einer Serie von insgesamt 11 Studien hat M. Wiesenauer die Wirksamkeit dieser Therapie untersucht.

Baum-, Gräser- oder Kräuterpollen sind die Hauptauslöser des Heuschnupfens [a]. Ursache der Erkrankung ist eine Überempfindlichkeit des Körpers auf diese Stoffe. Der Körper erkennt beim ersten Kontakt mit den Pollen diese als Fremdkörper und bildet Antikörper [b] aus. Bei weiteren Pollenkontakten markieren die Antikörper die Pollen als fremd und veranlassen die Mastzellen des Körpers, bestimmte Botenstoffe auszuschütten, nämlich Histamine. Histamin erweitert die Blutgefäße und es kommt zu einer erhöhten Drüsentätigkeit. Dieses führt in der Nase zu Juckreiz, Niesattacken und Fließschnupfen, in den Augen zu Juckreiz, Rötung und Tränenfluss. Bei starken Reaktionen schränken diese Symptome die Lebensqualität des Patienten ein, weil der seinen Alltag nicht mehr problemlos bewältigen und seine Freizeit nicht mehr genießen kann.

Man kann den Heuschnupfen am besten dadurch behandeln, dass man sich den auslösenden Stoffen nicht mehr aussetzt, also zum Beispiel in geschlossenen Räumen bleibt. Dieses ist aber nur selten möglich, zudem schränkt es die Lebensqualität deutlich ein. Schulmedizinisch wird daher oft zu einer Hyposensibilisierung geraten, die Behandlung des akuten Heuschnupfenanfalls erfolgt durch Antihistaminika, Cromoglicinsäure oder Kortikosteroide [c].

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Naturheilkundlich wird oft die Einnahme von Vitamin C und Vitamin A empfohlen, prophylaktisch versprechen außerdem die Eigenbluttherapie, Akupunktur und Bioresonanztherapie Erfolge. Vor pflanzlichen Mitteln wird dagegen eher gewarnt, da sie selbst zum Allergieauslöser werden können. Die Homöopathie arbeitet, entsprechend dem Simileprinzip, mit Stoffen, die beim Gesunden ähnliche Symptome hervorrufen können wie sie beim Heuschnupfen auftreten können. Dieses sind, je nachdem wie die Symptome beim einzelnen Patienten aussehen, z.B. Euphrasia, Luffa operculata, Allium cepa, Formica rufa oder Acidum formicicum, aber auch die homöopathisch aufbereiteten Pollen selbst (dann würde man von Isopathie sprechen).

Wissenschaftlich sind vor allem homöopathische Tiefpotenzen von Galphimia glauca erforscht, einer in Mittel- und Südamerika beheimatete Pflanze. In einer Serie von insgesamt elf Studien hat M. Wiesenauer die Wirksamkeit dieser Therapie untersucht. Sieben dieser elf Studien waren randomisiert [d] und placebokontrolliert [e]. Deren Ergebnisse wurden 1997 von Lüdtke und Wiesenauer zusammengefasst [1]. Die beiden Autoren konnten anhand der Daten von 752 Patienten zeigen, dass sich die typischen Augen- und Nasensymptome unter einer Galphimia-Behandlung statistisch signifikant [f] häufiger bessern als unter einer Placebotherapie, und zwar durchschnittlich um dem Faktor 1,25. Demzufolge hat ein Patient, der Galphimia glauca zur Behandlung seines Heuschnupfens einnimmt, eine 1,25 mal höhere Chance seine Symptome loszuwerden als ein Patient, der mit Placebo behandelt wird. Die Autoren geben an, dass zwei Wochen nach Therapiebeginn etwa 60% bis 90% aller mit Galphimia glauca behandelten Patienten eine deutliche Linderung der Symptome verspüren, unter Placebo waren die Erfolgsraten entsprechend geringer.

In den Studien wurden ausschließlich Tiefpotenzen von Galphimia glauca verwendet, nämlich die D4, D6 oder C2. Unterschiede zwischen den Potenzen waren nicht erkennbar, was Wiesenauer und Gaus auch in einer weiteren Studie bestätigen konnten [2].

Derzeit empfiehlt Wiesenauer sieben Wochen vor Ausbruch der Symptome über drei Wochen einmal täglich fünf Globuli Galphimia glauca D12 zu nehmen und dieses nach einer einwöchigen Pause zu wiederholen. Bei akuten Beschwerden sollte man je nach Beschwerdegrad 2-3- oder 4-6-mal täglich fünf Globuli D6 auf der Zunge zergehen lassen [3].

Eine neuere Arbeit von Lüdtke bestätigt, dass sich an den Schlussfolgerungen von 1997 nichts Wesentliches verändert hat, seit dieser Zeit wurden keine weiteren Studien mit Galphimia glauca durchgeführt [4].

Nebenwirkungen wurden in keiner der Studien berichtet, in Ausnahmefällen berichteten Patienten über Übelkeit oder Unwohlsein, wobei ein Zusammenhang zum homöopathischen Medikament aber nicht herzustellen war.

Galphimia glauca ist Bestandteil homöopathischer Komplexmittel [g], für die allerdings keine eigenständigen Wirksamkeitsnachweise vorliegen. Dagegen hat sich auch der isopathische Ansatz, den Heuschnupfen mit homöopathisch potenzierten Pollen [h] zu behandeln, als erfolgreich erwiesen [5].

[a] Der volkstümliche Name Heuschnupfen wird wissenschaftlich unter verschiedenen Namen geführt, z.B. Pollinosis, saisonale allergische Rhinitis oder Pollenrhinopathie.

[b] Antikörper sind Immunglobuline, die der Körper in Reaktion auf den Kontakt mit Fremdstoffen (Antigenen) bildet. Sie verbinden sich spezifisch mit den Antigenen zum Antigen-Antikörper-Komplex, der vom Immunsystem erkannt und bekämpft werden kann.

[c] Hyposensibilisierung ist die Gewöhnung des Körpers an allergieauslösende Stoffe, so dass er diese nicht mehr als bekämpfenswert versteht. Man erreicht dieses, indem man die Mengen des Stoffs langsam erhöht. Die medikamentöse Behandlung des Heuschnupfen zielt dagegen darauf, dass die Freisetzung von Histamin aus den Mastzellen gehemmt oder die Empfindlichkeit der Gewebezellen auf das Histamin verringert wird.
 
[d] eine Studie nennt man randomisiert, wenn die Patienten nach dem Zufallsprinzip der Behandlung mit Homöopathika oder einer Kontrollbehandlung (z.B. Placebo oder einem chemischen Wirkstoff) zugeteilt werden.

[e] Ein Placebo ist ein Scheinmedikament, das genauso aussieht wie das zu prüfende Medikament, aber (chemisch gesehen)unwirksam ist.

[f] Signifikant ist ein statistischer Fachbegriff, der andeutet, dass es unwahrscheinlich ist, dass die beiden verglichenen Therapien (in diesem Fall Galphimia glauca und Placebo) gleich wirksam sind.

[g] z.B. DHU Heuschnupfenmittel

[h] Gemische aus potenzierten Pollen vertreibt z.B. die Firma Staufen Pharma

Aus Sicht der Carstens-Stiftung ergeben sich aus der bisherigen Forschung folgende Schlussfolgerungen:

Die Datenlage zur Wirksamkeit von Galphimia glauca bei Heuschnupfen ist gut, die Ergebnisse können als aussagekräftig gelten. Ein Therapieversuch ist Erfolg versprechend.
Die veröffentlichten Studien haben teilweise Mängel und sind nicht alle frei von leichten Fehlern. Das positive Bild ist daher möglicherweise etwas zu schön gezeichnet.

Die wissenschaftlichen Aussagen basieren ausschließlich auf homöopathischen Tiefpotenzen, ob auch homöopathische Hochpotenzen von Galphimia glauca wirken, ist nicht bewiesen.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist nicht geklärt, ob eine homöopathische Einzelmitteltherapie, in der für jeden Patienten das nach der Simile-Regel passende Medikament ausgesucht wird, erfolgversprechender ist.

Es ist ein aus allen Wissenschaftsbereichen bekanntes Phänomen, dass Studien mit eher negativen Ergebnissen seltener veröffentlicht werden als solche mit positiven Ergebnisse. Dieses ist auch bei der homöopathischen Behandlung des Heuschnupfens möglich. Daher wurde in dieser Zusammenfassung möglicher Weise die Güte der Therapie etwas überbewertet.

Auch wenn Sie mit wenigen und milden Nebenwirkungen rechnen können, sollten Sie auf den Rat eines Arztes nicht verzichten.

Literatur

1) Lüdtke R, Wiesenauer M. Eine Meta-Analyse der homöopathischen Behandlung der Pollinosis mit Galphimia glauca. Wiener Med Wochenschr 1997; 14: 323-327. Opens external link in new windowAbstract

2) Wiesenauer M, Gaus W. Wirksamkeitsvergleich verschiedener Potenzierungen des homöopathischen Arzneimittels Galphimia glauca beim Heuschnupfen-Syndrom - Eine multizentrische, kontrollierte, randomisierte Doppelblindstudie. Dtsch Apothekerzeitung 126(40), 1986: 2179-2185

3) Kerkhoff A. Was tun bei Heuschnupfen. Essen: KVC-Verlag 2005. Opens external link in new windowInfo

4) Lüdtke R. Homöopathie – Zum Stand der Forschung. Springer Loseblattsammlung

5) Taylor MA, Reilly D, Llewellyn-Jones RH, McSharry C, Aitchison TC. Randomised controlled trials of homoeopathy versus Placebo in perennial allergic rhinitis with overview of four trial series. BMJ 321, 2000: 471-476 Opens external link in new windowAbstract


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(Veronica Carstens)