Carstens-Stiftung: Biofeedback stärkt die Stress-Stabilität von Einsatzkräften

Studien kurz und knapp

Biofeedback stärkt die Stress-Stabilität von Einsatzkräften

Ein neues, speziell für im Krisenmanagement tätige Personen entwickeltes Biofeedback-Training wurde in einer randomisierten, kontrollierten Studie erfolgreich getestet.

Bei Großschadenslagen wie Naturkatastrophen, Terroranschlägen oder Unfällen mit vielen Beteiligten, aber auch in alltäglichen Notlagen sind Helfer verschiedenster Organisationen im Einsatz. Das Spektrum reicht von der Polizei über die Rettungskräfte von Bergwacht, Feuerwehren, THW oder Rotes Kreuz bis hin zu Kriseninterventionsteams/Notfallseelsorgern. Diese Arbeit in Krisensituationen stellt an die haupt- und ehrenamtlichen Helfer hohe, mit Stress verbundene Anforderungen, da unter Zeitdruck Risiken für alle Beteiligten (Opfer und Helfer) abgeschätzt und Entscheidungen zur weiteren Vorgehensweise getroffen werden müssen. Darüber hinaus prasseln viele akustische und visuelle Eindrücke auf die Krisenhelfer ein. Ein Training zur Erhöhung der Stress-Stabilität kann diesen Personen helfen, im Einsatz ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten und stressbedingte, gesundheitliche Belastungen bis hin zu Traumata zu vermeiden.

Biofeedback ist eine mögliche Technik Stressmanagement durch Selbstkontrolle zu erlernen und in entsprechenden Situationen anzuwenden. Computergestützt wird dabei mittels entsprechender Sensoren der trainierenden Person eine unmittelbare Rückmeldung über biologische, durch das vegetative Nervensystem gesteuerte Prozesse im eigenen Körper (z.B. Herz- oder Atemfrequenz, Blutdruck, Hautwiderstand, Muskelspannung) gegeben. So wird der Einfluss von Stressoren sichtbar, aber genauso selbstregulatorische Maßnahmen, wie beispielsweise die bewusste Änderung der Atmung und die damit verbundene Entspannung.

Stress kein Problem

Stress! (K)ein Problem

Zahlreiche Vorschläge aus der Naturheilkunde, um besser mit dem "ganz alltäglichen Wahnsinn" umzugehen.

Logo des KVC Verlags in Essen: Lesen Sie sich gesund!

Ein österreichisch-deutsches Forscherteam testete nun ein speziell für Krisenmanager entwickeltes Biofeedback-Training auf Basis der elektrodermalen Aktivität. Insgesamt 36 leitende Krisenmanager von Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei und anderen zivilen Hilfsorganisationen im mittleren Alter und mit ca. 10-jähriger Berufserfahrung wurden nach dem Zufallsprinzip dem Biofeedback-Training oder einer Warteliste zugeordnet. Personen mit psychischen Erkrankungen wie posttraumatischen Belastungsstörungen und Personen, die während der Studienphase in einen Kriseneinsatz eingebunden waren, wurden von der Studie ausgeschlossen. Unter Anleitung von drei Psychologen und einem Sozialarbeiter erhielten die Teilnehmer der Biofeedback-Gruppe in Einzelsitzungen über einen Zeitraum von sechs Wochen im Abstand von zwei bis vier Tagen neun 45-minütige Trainingseinheiten. Dieser Zeitplan wurde so gewählt, um den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, die erlernten Fähigkeiten besser zu verinnerlichen und im normalen Arbeitsalltag testen zu können. Als Indikator diente dabei die elektrodermale Aktivität (EDA), das heißt die Veränderung der elektrischen Leitfähigkeit der Haut, die mit einem Fingersensor gemessen wurde. Das Trainingsprogramm umfasste zunächst eine psychoedukative Schulung zur Stresspsychologie und -physiologie sowie zu den gesundheitlichen Aspekten von Stress und eine Einführung in die Prinzipien des Biofeedback. Es wurden Stresstests mit Messungen in Ruhe, unter dem Einfluss von experimentellen Stressoren und in der Erholungsphase durchgeführt, die den Teilnehmern ihre individuelle Stressantwort vor Augen führen sollten. In den weiteren Trainingseinheiten vollzogen die Teilnehmer klassische Biofeedbackübungen, um über eine mentale Entspannung die Kontrolle über die elektrodermale Aktivität im Ruhezustand zu erlangen.

In den vier letzten Trainingsstunden wurden die Teilnehmer mit für Krisenmanager spezifischen Elementen in Form von akustischen (schreiende Menschen, Hubschraubergeräusche, Telefonklingeln), visuellen (z.B. Bilder eines Terroranschlags oder eines Flugzeugabsturzes), kognitiven (Rechenaufgaben) und verbalen (Alphabet rückwärts aufsagen) Stressoren konfrontiert oder sollten sich belastende Einsatzsituationen vorstellen. Dabei bestand ihre Aufgabe darin, die elektrodermale Aktivität unter diesem Einfluss auf einem möglichst niedrigen Niveau zu halten und danach möglichst schnell auf das Ausgangsniveau vor dem Stressimpuls zurückzukehren. An den trainingsfreien Tagen sollten die erlernten Entspannungstechniken in realen Stresssituationen des Arbeitsalltags angewendet und verfestigt werden.
Die Teilnehmer der Kontrollgruppe erhielten keinerlei Anwendungen, aber die Option auf eine Teilnahme an einem Biofeedback-Training nach Abschluss der gesamten Studienphase.

Der KVC Verlag: Lesen Sie sich gesund!

Lesen Sie sich gesund!

„Naturheilkunde und Homöopathie erforschen und verständlich aufbereiten“ ist das Motto, unter dem der KVC Verlag 1998 gegründet wurde. Seither verlegt der KVC Verlag Bücher, die aus der Fördertätigkeit der Carstens-Stiftung : Natur und Medizin und den Erfahrungen der beratenden Ärztinnen und Ärzte hervorgehen.

Logo des KVC Verlags in Essen: Lesen Sie sich gesund!

In beiden Gruppen wurde zu Studienbeginn, am Ende der sechswöchigen Trainingsphase und nach einer zweimonatigen Follow-up-Phase anhand eines Fragebogens das subjektive Stressempfinden erhoben. Als objektiver Parameter und Indikator für Veränderungen der vegetativen Reaktivität dienten die Messungen der elektrodermalen Aktivität während des Biofeedback-Trainings.
Während in der Kontrollgruppe das subjektive Stressempfinden im Laufe der Studie leicht anstieg, lag es in der Biofeedback-Gruppe sowohl nach der sechswöchigen Trainingsphase als auch noch zwei Monate nach Trainingsende signifikant niedriger als zu Studienbeginn. Die Messungen der maximalen elektrodermalen Aktivität der Biofeedbackgruppe zeigten durch eine beständige Abnahme von Trainingseinheit zu Trainingseinheit den stressstabilisierenden Effekt der Übungen. Insgesamt verfügten die Krisenmanager bereits zu Studienbeginn über eine ausgeprägte Fähigkeit, ihre vegetative Erregung zu kontrollieren.

Einschätzung:

In dieser klinischen Studie wurde zum ersten Mal der Effekt eines speziell auf die Zielgruppe abgestimmten Biofeedbackprogramms auf die Stress-Stabilität von Krisenmanagern untersucht. Obwohl die Studienteilnehmer schon mit relativ guten Werten in die Studie starteten, konnte eine weitere Verbesserung des subjektiven Stressempfindens durch das Biofeedback-Training erzielt werden. Es ist anzunehmen, dass die Teilnehmer aufgrund ihrer langjährigen Berufserfahrung bereits über Stressmanagementstrategien verfügten. Bedauerlicherweise wurden in der vorliegenden Studie hierzu keine Daten erhoben. Dass dennoch statistisch signifikante Verbesserungen durch das Biofeedbacktraining erzielt wurden, lässt den Schluss zu, dass dieses zielgruppenorientierte Biofeedbackprogramm eine sinnvolle Maßnahme zur psychologischen Unterstützung von Krisenmanagern in ihrem höchst anspruchsvollen Job sein kann.

Literatur

Janka A, Adler C, Brunner B, Oppenrieder S, Duschek S. Biofeedback training in crisis managers: a randomized controlled trial. Appl Psychophysiol Biofeedback 2017; 42(2): 117-125. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

Telefon: 0201 56 305 0
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailp.koczy@carstens-stiftung.de


Dieser Artikel erschien in der Kategorie: Studien kurz und knapp

Immer gut informiert –

der Newsletter der
Carstens-Stiftung : Natur und Medizin

✓ einmal im Monat
✓ gratis
✓ jederzeit kündbar

Mitglieder profitieren
mehrfach –

alle Infos zur
Fördermitgliedschaft

mehr erfahren

Unterstützen Sie unsere Arbeit

und stärken Sie mit Ihrer Spende Naturheilkunde und Homöopathie.

„Der Arzt und die Ärztin der Zukunft sollen zwei Sprachen sprechen, die der Schulmedizin und die der Naturheilkunde und Homöopathie. Im Einzelfall sollen sie entscheiden können, welche Methode die beste für den Patienten ist.“

(Veronica Carstens)