Studien kurz und knapp

Bauchmassage gegen Komplikationen bei künstlicher Ernährung

Ein leicht erlernbares Massageprogramm kann die Häufigkeit von Problemen, wie unvollständige Magenentleerung, aufgetriebenem Bauch und Erbrechen bei Patienten mit Ernährung per Magensonde verringern.

Eine künstliche Ernährung über eine Magensonde soll die ausreichende Versorgung mit Nahrung und Flüssigkeit von Patienten gewährleisten, die (vorrübergehend) nicht eigenständig dazu in der Lage sind. Nicht immer verläuft diese enterale Ernährung komplikationslos. Übelkeit, ein aufgetriebener Leib, Erbrechen und eine unvollständige Magenentleerung nach der Nahrungszufuhr sind relativ häufig auftretende Symptome, die dazu führen können, dass die künstliche Ernährung unterbrochen werden muss, was wiederum eine unzureichende Nährstoffzufuhr, eine Verzögerung des Genesungsprozesses und eine Verlängerung des Krankenhausaufenthaltes nach sich ziehen kann.

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Bauchmassage ist eine bewährte Methode zur Behandlung von Verdauungsproblemen und wurde nun in einer randomisierten Studie auf seine präventive Wirksamkeit gegen Magenbeschwerden bei künstlicher Ernährung über einen durch die Nase verlegten Tubus untersucht. Jeweils 50 geriatrische Patienten der neurochirurgischen Abteilung eines Universitätskrankenhauses in Izmir (Türkei) wurden durch entsprechend angelernte Angehörige zweimal täglich morgens und abends 15 Minuten lang jeweils vor der künstlichen Nahrungszufuhr massiert (Massagegruppe) bzw. erhielten keine Anwendung (Kontrollgruppe). Vor den anderen vier Mahlzeiten wurde keine Massage durchgeführt. Die Massage erfolgte im Uhrzeigersinn mit klopfenden, streichenden, knetenden und vibrierenden Handbewegungen. Für alle Probanden wurden drei Tage lang zusätzlich zu den bei einer enteralen Nahrungszufuhr üblichen Daten die Messwerte des Magenrestvolumens und des Bauchumfangs sowie die Aufgetriebenheit des Bauches (Tastbefund) dokumentiert, und ob die Patienten erbrechen mussten.
Eine unvollständige Magenentleerung trat bei nur 8 % der Patienten in der Massagegruppe im Gegensatz zu 34 % in der Kontrollgruppe auf. Bei den betroffenen Patienten der Massagegruppe kam es maximal dreimal zu diesem Ereignis und in der Kontrollgruppe bis zu zehnmal. Das durchschnittliche Restvolumen betrug 64,50 ml in der Massagegruppe und 138,53 ml in der Kontrollgruppe. Erbrechen mussten 16 % der Patienten in der Kontrollgruppe, aber nur 2 % in der Massagegruppe. Der statistische Vergleich für diese Messwerte ergab signifikante Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Ebenso litten die Patienten der Massagegruppe deutlich weniger unter einer Aufgetriebenheit des Abdomens als jene der Kontrollgruppe.

Einschätzung:

Die Anwendung einer abdominalen Massage vor der Nahrungszufuhr über eine Magensonde verringerte in der vorliegenden randomisierten Studie das Auftreten von magenbedingten Komplikationen erheblich. Die Bauchmassage ist eine einfach erlernbare und umsetzbare Methode. In den hiesigen Pflegealltag wird sie jedoch aufgrund von Zeitmangel und knapper Personalbesetzung vermutlich zunächst nicht Einzug halten. Eine Einbindung von Angehörigen in die Versorgung stationärer Patienten, wie sie in der Türkei üblich ist, gibt es in Deutschland derzeit nicht und ist wohl für beide Seiten, Krankenhauspersonal und Patienten mit ihren Angehörigen, undenkbar.

Literatur

Uyal N. The effect of abdominal massage administered by caregivers on gastric complications occurring in patients intermittent enteral feeding – A randomized controlled trial. Eur J Integr Med 2017; 10: 75-81. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

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