Carstens-Stiftung: Bäder für Palliativpatienten – mehr als Körperhygiene

Studien kurz und knapp

Bäder für Palliativpatienten – mehr als Körperhygiene

Japanische Wissenschaftler untersuchten die physiologischen und psychologischen Auswirkungen von Bädern auf Krebspatienten in der terminalen Krankheitsphase.

Unheilbar kranke Menschen in der letzten Phase ihres Lebens bedürfen verschiedener Maßnahmen, die dazu beitragen, ihren Krankheitszustand erträglicher und ihr Befinden so angenehm wie möglich machen. Dazu gehören neben einer medizinischen und psychosozialen Versorgung auch körperhygienische Pflegeanwendungen. Sind Patienten schon sehr geschwächt und bettlägerig, beschränkt sich die tägliche Körperpflege oftmals auf Waschungen, die auch im Bett durchgeführt werden können. Jedoch empfinden nicht nur gesunde Menschen Bäder oder Duschbäder als erfrischender und reinigender als die Körperreinigung mit einem Waschlappen. In einigen Kulturkreisen haben Bäder traditionell einen festen Platz im alltäglichen Leben, so auch in Japan. Dort untersuchte nun eine Forschergruppe, inwieweit Baden den physiologischen und psychologischen Zustand von Krebskranken in der Terminalphase verändert.

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Zwanzig Patienten einer Palliativeinrichtung mit verschiedenen Krebserkrankungen nahmen mithilfe eines Wannenliftes in sitzender oder liegender Position für circa fünf Minuten ein Bad mit einer Wassertemperatur von 41°C. Vor und nach dem Baden tranken sie jeweils eine Tasse Wasser, um einer Dehydration entgegen zu wirken. Innerhalb von 30 Minuten vor und nach dem Baden wurden Körpertemperatur, Puls, Blutdruck und die vegetative Nervenfunktion der Patienten überprüft sowie mittels des State-Trait Anxiety Inventory die empfundene Angst der Patienten erhoben. Darüber hinaus befragte man die Patienten nach dem Baden zu ihrem Wohlbefinden.

Alle gemessenen physiologischen Parameter waren nach dem Wannenbad nahezu unverändert. Lediglich die Herzfrequenz lag mit durchschnittlich 81,2 + 14,9 nach dem Bad im Vergleich zu 83,8 + 15,4 tendenziell niedriger (p = 0,0701). Die Ängstlichkeit (state anxiety = Zustandsangst) der Patienten sank durch das Baden von durchschnittlich 47,7 + 6,9 auf 30,6 + 4,9. Dieser Unterschied erwies sich als statistisch hochsignifikant (p < 0,0001). Die überwiegende Zahl der Patienten beschrieb das Baden als wohltuend, erfrischend und entspannend. Ebenso wirkte das Bad bei einzelnen Personen schmerzlindernd und schlaffördernd. Alle Patienten wünschten weitere Bäder. Um einen möglichen Zusammenhang zwischen der Aktivität des vegetativen Nervensystems und der Überlebenszeit der Studienteilnehmer aufzudecken, setzten die Wissenschaftler die gemessenen physiologischen Parameter zu der Überlebenszeit ins Verhältnis. Dabei zeigte sich, dass Personen mit einer geringeren Veränderung der Herzfrequenz und mit einer höheren Reaktivität des vegetativen Nervensystems tendenziell eine längere Überlebenszeit hatten.

Einschätzung:

Die vorliegende Studie zeigt, dass Wannenbäder entspannend, angst- und schmerzlindernd auf Palliativpatienten wirken und damit das allgemeine Wohlbefinden fördern können. Offenbar unterstützen die Bäder die Regulation des vegetativen Nervensystems, welches bei Patienten in der terminalen Phase zunehmend instabiler wird. Eine zunehmende Instabilität erhöht auch das Risiko für letale Zustände.
Die in der vorliegenden Studie gewählte Wassertemperatur von 41°C ist im Vergleich zu den hierzulande empfohlenen Badetemperaturen etwas höher, da Japaner grundsätzlich bei höheren Temperaturen zwischen 40°C und 47°C baden.
Um Wannenbäder mit geschwächten Patienten sicher durchführen zu können, sollte ein entsprechendes Wannenliftsystem eingesetzt werden. In Palliativeinrichtungen und Hospizen gehören diese zur allgemeinen Ausstattung, für den häuslichen Bereich werden jedoch ebenfalls verschiedene Systeme angeboten.
Durch den Zusatz von ätherischen Ölen zum Badewasser kann die positive Wirkung des Badens noch verstärkt werden. So wirken beispielsweise Lavendel und Melisse angstlösend, entspannend und schlaffördernd, während Citrusöle anregen und erfrischen.

Literatur

Fujimoto S, Iwawaki Y, Takishita Y, Yamamoto Y, Murota M, Yoshioka S, Hayano A, Hosokawa T, Yamanaka R. Effects and safety of mechanical bathing as a complementary therapy for terminal stage cancer patients from the physiological and psychological perspective: a pilot study. Jpn J Clin Oncol 2017; 47(11): 1066-1072. Öffnet externen Link in neuem FensterAbstract

Petra Koczy

Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Informationsmanagement

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(Veronica Carstens)