Integrative Medizin
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Babymassage für Frühchen mit Neugeborenen-Gelbsucht
Studien kurz und knapp

Babymassage für Frühchen mit Neugeborenen-Gelbsucht

Von Petra Koczy

Neugeborene Massage

Neonatale Gelbsucht, auch als Ikterus oder Hyperbilirubinämie bezeichnet, ist ein weit verbreitetes Problem bei Neugeborenen. Eine gezielte Massage kann den Bedarf für konventionelle, unter Umständen mit Nebeneffekten behaftete Behandlungsverfahren herabsetzen.

Hyperbilirubinämie entsteht bei Neugeborenen durch einen verzögerten Abbau überschüssiger fetaler roter Blutkörperchen aufgrund einer noch nicht voll funktionstüchtigen Leber. Hierdurch kommt es zu einer Gelbfärbung der Haut. Bei gesunden Säuglingen steigt der Bilirubinwert in den ersten drei Tagen auf ca. 6 mg/dl an und sinkt in den folgenden Tagen wieder ab, bis er sich nach etwa 14 Tagen auf einem normalen Niveau eingestellt hat. Steigen die Werte sehr schnell auf ein hohes Niveau und können sie nicht gesenkt werden, besteht die Möglichkeit von Folgeschäden am Nervensystem.

Die Babyfibel

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Homöopathie, Schüßler Salze, Heilpflanzen u.v.m. für Schwangere und junge Mütter

Michael Elies · Annette Kerckhoff

ISBN: 978-3-945150-52-8
Erscheinungsjahr: 2016

9,90 EUR

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Austauschinfusionen, eine medikamentöse Behandlung und am häufigsten die Lichttherapie werden in der konventionellen Medizin zur Senkung der Bilirubinwerte eingesetzt. Leider nicht immer ohne unerwünschte Nebenwirkungen wie Durchfall, Dehydrierung oder das Bronze-Baby-Syndrom.

Frühchen leiden besonders oft unter neonatalem Ikterus, da der Reifungsprozess im Mutterleib nicht abgeschlossen werden konnte. Ein iranisches Forscherteam testete nun auf einer Frühgeborenen-Intensivstation den Einsatz einer Babymassage an ansonsten gesundheitlich stabilen Frühgeborenen [1]. Unmittelbar nach ihrer Geburt wurden die Säuglinge zusätzlich zur Routineversorgung zweimal täglich für jeweils 20 Minuten unter Anwendung eines Mandelöls mit der sog. Field's Technik massiert, während die Kontrollgruppe ausschließlich die Routinebehandlung erhielt. Um die Babys durch Blutentnahmen keinem zusätzlichen Stress auszusetzen, wurde täglich statt des Serum-Bilirubinwertes der transkutane Bilirubinwert gemessen. Zum anderen wurde die Häufigkeit der Darmentleerung aufgezeichnet.

In beiden Gruppen stieg der Bilirubinwert vom ersten bis zum vierten Tag an. Jedoch lag der Anstieg in der Massagegruppe (4,79 ± 1,3 mg/dl) signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe (7,56 ± 1,84, mg/dl). Die Neugeborenen in der Massagegruppe hatten an diesen 4 Tagen häufiger Stuhlgang als die Kontrollgruppe, das heißt durch die Massage kam es zu einer verbesserten Ausscheidung, so dass das Risiko einer Reasorption des Bilirubins reduziert wurde. Ein ähnliches Ergebnis ist auch in weiteren Studien mit Neugeborenen, die zum regulären Zeitpunkt geboren worden waren, erzielt worden [2,3].

Die Wirkung der Massage wird auf mehreren Ebenen vermutet. Zum einen wird durch die Massage der Vagusnerv stimuliert und darüber die Darmtätigkeit angeregt. Zum anderen bewirkt die Vagusnerv-Stimulation einen Anstieg der hormonellen Aktivität im Magen-Darm-Trakt, so dass die Verdauung und Ausscheidung des Bilirubins angekurbelt wird.
Ein wichtiger Faktor könnte auch der unmittelbare Körperkontakt sein, der zu einer Verbesserung des Allgemeinzustandes bei Frühgeborenen führt, wie in Untersuchungen zur Kangoroo-Pflege (Haut-zu-Haut-Kontakt) festgestellt wurde [3].

Einschätzung

Eine gezielte Körpermassage bei ansonsten gesundheitlich stabilen Neugeborenen, einschließlich Frühgeburten ab der 35. Schwangerschaftswoche mit einem Geburtsgewicht von mindestens 2 kg [1], kann einen allzu hohen Anstieg des Bilirubins und damit die Erfordernis einer konventionellen Behandlung der Neugeborenen-Gelbsucht verhindern.

Bei einem normalen Schwangerschafts- und Geburtsverlauf kann unter Kontrolle des behandelnden Kinderarztes oder der nachsorgenden Hebamme durch folgende Maßnahmen einem zu hohen Anstieg des Bilirubinwertes entgegen gewirkt werden:

  • indirektes Sonnenlicht, um den Abbau des Bilirubins in der Haut zu fördern
  • häufiges Trinken, um die Verdauung und damit die Ausscheidung anzuregen
  • Leberschonende Ernährung der stillenden Mutter
  • Lebertee für die Mutter und falls möglich in kleinen Mengen für den Säugling

Des Weiteren besteht die Möglichkeit, die Neugeborenen-Gelbsucht homöopathisch zu behandeln. Hierzu sollte ein homöopathisch arbeitender Kinderarzt konsultiert werden.

Literatur

  1. Basiri-Moghadam M, Basiri-Moghadam K, Kianmehr M, Jani S. The effect of massage on neonatal jaundice in stable preterm newborn infants: a randomized controlled trial. J Pak Med Assoc 2015; 65(6): 602-606. > Abstract
  2. Dalili H, Sheikhi S, Shariat M, Haghnazarian E. Effects of baby massage on neonatal jaundice in healthy Iranian infants. Infant Behav Develop 2016; 42: 22-26. > Abstract
  3. Seyyeddrasooli A, Valizadeh L, Hosseini MB, et al. Effect of Vimala massage on physiological jaundice in infants: a randomized controlled trial. J Caring Sci 2014; 3(3): 165-173. > Abstract