Carstens-Stiftung: Aktiv der Demenz vorbeugen: Versorgungsforschung

Rubrik: Optimierungsstrategien bei Demenz

Aktiv der Demenz vorbeugen: Versorgungsforschung

Seit dem Jahr 2011 fordert die Öffnet externen Link in neuem FensterDeutsche Alzheimer Gesellschaft einen nationalen Demenzplan für Deutschland, um eine bessere Versorgungsstrategie der zunehmenden Demenzerkrankungen zu entwickeln. Im Mai 2017 verabschiedete die Weltgesundheitsorganisation (Öffnet externen Link in neuem FensterWHO) einen globalen Aktionsplan Demenz. Zu diesem Zeitpunkt hatten 29 der 194 Mitgliedsstaaten eine eigene Demenzstrategie, wobei Deutschland bislang nicht dazu gehört. Nur Bayern, wo mehr als 200.000 Personen mit Demenz leben, hat als erstes Bundesland im Juli 2013 die "Bayerische Demenzstrategie" verabschiedet.

Die Versorgungsforschung ist ein Teil des großen Forschungsgebietes zur Funktionalität von Gesundheitssystemen (Public Health). Sie versucht Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie Prozesse der Versorgung ablaufen und welche Auswirkungen sie in der Anwendungsroutine auf die Beteiligten und auf das Gesundheitssystem insgesamt haben. Mit wissenschaftlichen Methoden wird erhoben, welche Defizite und Bedarfe es im Gesundheitswesen gibt, die den Alltag der Erkrankten beeinflussen. Ziel ist es, fundierte Versorgungskonzepte zu entwickeln sowie Versorgungsstrukturen und -prozesse zu evaluieren.

Im Rahmen der Forschungsplattform Demenz widmet sich die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Peter Kolominsky-Rabas aus Erlangen diesem Forschungsgebiet. Die Aufgabe der von der Carstens-Stiftung geförderten Doktoranden liegt darin herauszufinden, wie die Versorgungsqualität in der häuslichen Umgebung für Personen mit Demenz und deren pflegende Angehörige verbessert werden könnte.

Erste Erkenntnisse zeigen z.B., dass die Diagnose von Demenz oftmals viel zu spät gestellt wird, zu einem Zeitpunkt, an dem die Erkrankung schon weit fortgeschritten ist. Etwa ein Drittel (29%) erfolgt erst dann, wenn die Betroffenen bereits stationär aufgenommen wurden. Insgesamt scheint die Diagnosestellung nicht leicht zu sein, so dass alleine in Industrieländern z.B. nur 20 % bis maximal 50 % der Menschen mit Demenz überhaupt eine formelle Diagnose erhalten.

KVC Verlag: Forschungsplattform Demenz

Forschungsplattform Demenz

Ergebnisse eines Expertentreffens zu Präventions-, Therapie- und Versorgungsstrategien.

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Frühzeitige Information und Aufklärung über die Demenzerkrankung gilt jedoch als entscheidend – sowohl für die Inanspruchnahme von Unterstützungsangeboten, als auch für die Steigerung der Lebensqualität und der Handlungskompetenzen. Das gilt sowohl für die Betroffenen als auch für deren Angehörige, die neben einer schnellen und gesicherten Diagnosestellung eine gute Beratung über die nun folgenden Maßnahmen benötigen. Erste Ergebnisse im Rahmen der Strategieentwicklung in Bayern haben ergeben, dass ca. ein Jahr nach Wahrnehmung der ersten Symptome weniger als die Hälfte der Betroffenen (43 %) und nach zwei weiteren Jahren 62 % der Personen mit Demenz die Erstdiagnose einer Demenz überhaupt erhielten.

Ein Grund für diese Verzögerungen kann dabei in der Frage liegen, wer für solch eine Diagnose überhaupt zuständig ist. Laut einer Befragung von 400 Hausärzten in Deutschland weisen diese die demenzspezifische Behandlung meistens Fachärzten (60 %) und spezialisierten Gedächtnissprechstunden (12 %) zu. Insgesamt 24 % wollen diese Aufgabe künftig selbst übernehmen [1].

Der zweite wichtige Punkt neben einer rechtzeitigen Diagnosestellung ist die dann damit verbundene möglichst frühzeitige Aufklärung der Betroffenen und der Angehörigen. Informationen zu dem Krankheitsbild und eine Beratung über denkbare medikamentöse Therapien aber auch Strategien, den Krankheitsprozess positiv zu beeinflussen und Unterstützungsmöglichkeiten zu finden, gehören alle in ein solches erstes Gespräch. Diese umfassende Beratung sollte sämtliche Familienangehörige sowie den Betroffenen selbst jederzeit ermöglicht werden.

Auch wenn heute aus medizinischer Sicht mehr über die Erkrankung der Demenz bekannt ist, gilt es gerade bei Diagnose und Beratung Inhalte und vor allem Abläufe zu optimieren, um so künftig eine bessere und reibungslose Versorgung der Familien, die von der Erkrankung betroffen sind, zu schaffen. Wichtige Informationen, wie das gelingen kann, wird die Forschergruppe in Erlangen im Rahmen des Projektes erarbeiten und im Herbst 2018 präsentieren können.

Dr. Beate Stock-Schröer (Dipl.-Biol.)

Programmleitung Förderung, Lehre
und akademischer Nachwuchs

Telefon: 0201 56 305 10
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailb.stock-schroeer@carstens-stiftung.de

Literatur

1) Bohlken J, Peiseler GJ, Kohlmann T: Ambulante Demenzversorgung – Wer soll es machen? Eine Befragung von 400 Hausärzten. Akt Neurol. 2015; 42 (5): 256–259.


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(Veronica Carstens)